Russen-Aus für Olympia – und was tut nun die Fifa?

Die Sperre des IOK und der Blick nach vorne auf die Fussball-WM in Russland.

Das IOK sperrt Russland für die Olympischen Winterspiele aus.
Video: Reuters

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Die russischen Olympioniken gaben sich vor dem wegweisenden IOK-Entscheid erstaunlich sicher. So stellten sie jüngst ihre Olympiakollektion für die Winterspiele von 2018 vor. Das olympische ­Komitee twitterte gar Bilder, auf denen die Pullover der Models folgenden Schriftzug trugen: «I don’t do doping.» Tun sie doch, fand gestern aber die Exekutive des IOK – und zwar so systematisch und über so viele Jahre, dass es das russische olympische Komitee suspendierte. Die Nation Russland wird an den Winterspielen vom kommenden ­Februar darum nicht am Start sein.

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Für die Grundlage dieser spektakulären Entscheidung sorgte eine Kommission unter Alt-Bundesrat Samuel Schmid. 17 Monate hatte sein fünfköpfiges Team recherchiert, um diesen Systembeweis erbringen zu können – den zwei Berichte der Welt-Anti-Doping-Agentur schon dokumentiert hatten. Und obwohl die Kommission Schmid primär auf bereits zugängliche Dokumente bzw. Zeugen abstellen konnte, weil Russland jede Mithilfe zur Untersuchung ablehnte, sagte Schmid an der Pressekonferenz in Lausanne: «Wir haben eine solche Form des systematischen Betrugs noch nie gesehen.» Zumindest auf olympischer Ebene, muss man anfügen. Denn das Staatsdoping der DDR besass schon noch andere Dimensionen.

Anhand des schmidschen Rapports entschied sich das IOK zu einem Bündel Massnahmen, hier die wichtigsten:

  • Das russische olympische Komitee (ROK) wird per sofort suspendiert.
  • ROK-Präsident Alexander Schukow wird als IOK-Mitglied suspendiert.
  • Kein Funktionär oder Politiker des russischen Sportministeriums erhält für die Winterspiele von 2018 in Pyeongchang eine Akkreditierung.
  • Witali Mutko, als russischer Sportminister während der Heimspiele 2014 die höchste politische Figur des Skandals, wird auf Lebzeiten von Olympia ausgeschlossen. Dieses Verdikt gilt auch für Juri Nagorny, einen seiner damaligen Stellvertreter und entscheidendes Bindeglied zwischen Politik und Sport.
  • Kein führendes Mitglied des russischen Teams der Heimspiele von Sotschi darf Teil der Equipe von 2018 sein.
  • Kein Trainer oder Arzt, der mit überführten Athleten zusammenarbeitete, darf in offizieller Funktion an den Winterspielen 2018 partizipieren.
  • Dimitri Tschernischenko, Geschäftsführer der Sotschi-Spiele und Präsident der russischen Eishockey-Liga KHL, wird als Koordinator der Winterspiele 2022 in Peking abgesetzt.
  • Für die Aufwendungen der Unter­suchungen schuldet das ROK dem IOK 15 Millionen Dollar. Das Geld wird zum Teil für Dopingkontrollen verwendet.

Trotz des ROK-Ausschlusses werden unter Umständen viele Russen in ein paar Wochen in Südkorea um Medaillen kämpfen können. Denn jeder Russe, der einer Spezialkommission des IOK seine Sauberkeit belegen oder sie ihm zumindest keinen Betrug nachweisen kann, erhält eine Einladung als sogenannter olympischer Athlet von Russland. Genommen wird diesen Sportlern jedoch viel Symbolkraft: Ihre Trikots werden den Schriftzug olympischer Athlet von Russland tragen, an den Siegerehrungen wird für diese Russen die olympische Hymne gespielt und die olympische Flagge gehisst.

Zu den spannendsten Fragen gehört nun, was mit den beiden grossen Teamsportarten und ihren Endrunden von 2018 passiert: der Fussball-WM und dem Eishockeyturnier von Pyeongchang. Fifa-Präsident Gianni ­Infantino behauptete im Umfeld der Gruppenauslosung am vergangenen Freitag in Moskau grossmundig, der IOK-Entscheid werde keinen Einfluss auf seinen Verband ­haben. Die Fifa bestätigte diesen Standpunkt gestern Abend.

Wie reagiert nun die Fifa?

Wie lange das noch gilt? Nach der IOK-Sperre gegen Mutko dürfte der Walliser nun aber unter Zugzwang oder zumindest erhöhten Druck geraten. Mutko, im vergangenen Jahr zum Vize-Ministerpräsidenten seines Landes befördert, ist als Chef des russischen Fussballverbandes der Präsident der WM 2018.

Im Eishockey wiederum könnte das olympische Turnier nun stark ausdünnen. Nachdem schon die nordamerikanische NHL ihren Spielern eine Teilnahme untersagt hatte, um den Liga­betrieb aufrechtzuerhalten, drohte KHL-Präsident Tschernischenko, von demselben Recht Gebrauch zu machen, sollte Russland von den Winterspielen ausgeschlossen werden.

Allerdings könnte durchaus ein russisches Nationalteam partizipieren, einfach unter dem erwähnten IOK-Label. Falls das IOK ein solches russisches Team aufbietet, wird die grosse Frage sein, ob die Russen der Einladung auch nachkommen wollen. Ein möglicher Vorgeschmack lieferte gemäss Reuters das russische Staatsfernsehen: Es kündigte noch gestern an, auf eine Über­tragung der Spiele zu verzichten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.12.2017, 23:31 Uhr

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