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Auf Kurs – nur die Auslosung meint es nicht gut

Die beiden Schweizer Duos stehen an der Beachvolleyball-WM in Wien im Sechzehntelfinal. Doch in der Auslosung blieben vor allem Vergé-Dépré/Heidrich glücklos.

Anouk Vergé-Dépré und Joana Heidrich hatten kein Losglück.
Anouk Vergé-Dépré und Joana Heidrich hatten kein Losglück.
Keystone

Anouk Vergé-Dépré hat einen hochroten Kopf, farblich Ton in Ton mit der Erkennungsfarbe der diesjährigen Weltmeisterschaft. Die 25-Jährige ist aber nicht etwa wütend. Soeben hat sie, zusammen mit Blockpartnerin Joana Heidrich, einen erfolgreichen, aber überaus harten 50-minütigen Arbeitseinsatz hinter sich. Im Aluminiumkoloss, der 10'000 Fans Platz bietet, zeigte das Thermometer am Sand über 50 Grad an. Mit ihrem 2:0-Abnützungs-Sieg am Montagabend gegen die Brasilianerinnen Barbara/ Fernanda, die an der letzten WM noch gegeneinander im Final spielten, sicherten sich die Schweizerinnen mit dem zweiten Gruppenplatz den direkten Aufstieg in die K.-o.-Runde und belohnten sich dadurch mit einem spielfreien Nationalfeiertag.

Anouk Vergé-Dépré ist damit definitiv an der WM angekommen. «Am Anfang war es schon nicht ganz einfach, da konnte ich meine Nervosität nicht ganz unterdrücken», gibt sie zu, «aber inzwischen hat sich das gelegt.» Und auch die Atmosphäre auf dem Center Court behagt ihr, trotz Bruthitze: «Ich spiele gerne vor so einer Kulisse. Das hebt meinen Adrenalinspiegel zusätzlich noch etwas an und pusht mich, noch mehr zu geben.» Das wird auch nötig sein, denn die Auslosung nach der Gruppenphase hat es nicht allzu gut gemeint mit den Schweizerinnen: Zwar sollte der Sechzehntelfinal heute gegen die Kasachinnen Mashkova/Samalikova keine grosse Hürde darstellen, aber dann würden die Schweizerinnen wohl bereits im Achtelfinal auf die als Nummer 1 gesetzten Brasilianerinnen Larissa/Talita treffen.

Auch das zweite Schweizer Duo, Nina Betschart und Tanja Hüberli, hat das Minimalziel Sechzehntelfinal erreicht. Nach überzeugenden Gruppenspielen mit drei Siegen sind die beiden gegen die Österreicherinnen Schwaiger/Schützenhöfer (beide Spiele um 16.30 Uhr) leicht zu favorisieren. Aber sie spielen erstmals auf dem Center Court, wo die Einheimischen angesichts der prickelnden Atmosphäre einen Vorteil haben werden.

Gigantisches Attraktions-Gelände

Besonders wenn die österreichischen Teams spielen, herrscht ausgelassene Partystimmung auf den gut besetzten Rängen, wie man das vom legendären Turnier von Klagenfurt her kennt. Doch weil es so drückend heiss ist, halten es auch die hartgesottenen Fans auf den Aluminiumtribünen nicht allzu lange aus. Dafür warten rund um den Center Court Dutzende von Attraktionen auf die ermatteten Zuschauer, aufkommende Schläfrigkeit wird von wummernden Bässen weggefegt. Das mit tiefroten Planen umbandete Gelände auf der Donauinsel ist riesig und umfasst eine Fläche von 65 000 m2 (ca. 400 x 150 Meter). «Ein so gigantisches WM-Gelände habe ich noch nie gesehen», staunt Edwin Stäger, ein Schweizer Beachvolleyballfan, der seinen Lieblingssport jetzt schon fast seit 20 Jahren vor Ort verfolgt und in Wien seine 9. WM als Zuschauer erlebt.

Eigentlich käme er auch ganz gut ohne Beachvolleyball über die Runden. Eine grosszügige Boulderwand zum Klettern, eine 13 Meter hohe Riesenrutsche, ein Swimmingpool und diverse Geschicklichkeitsund Gewinnspiele animieren zu anderem Tun. Beliebt ist der Stand mit der Servicemaschine: Wer den Ball mit einer Volleyball-Annahme in das offene Cabriolet des Hauptsponsors pritschen kann, gewinnt – nein, nicht grad ein Auto – aber eine besonders coole Sonnenbrille. Die wohl speziellste und aktuell passendste Attraktion aber sind zwei Eisbäder, in welche die Athleten nach ihren Hitzespielen noch so gerne eintauchen. Ein schwimmendes Entchen zeigt 0 Grad Wassertemperatur an – macht einen Unterschied von 50 Grad. Diese vierminütige Schocktherapie soll die Regeneration beschleunigen.

Bunt, schrill, sicher

Die Beachvolleyball-WM Auflage 2017 ist noch bunter, noch schriller geworden. So gross wie noch nie, so viel Aufwand wie noch nie, so kommerziell wie noch nie – für ein junges beziehungsweise jung gebliebenes Publikum. Der aus Pionierzeiten beibehaltene Gratiseintritt will irgendwie refinanziert werden. Sogar das österreichische Bundesheer nützt die Plattform, um an Nachwuchs heranzukommen. Soldaten in Uniform erklären Interessierten ein waffenbestücktes Geländefahrzeug.

Apropos Sicherheit: Rigorose Kontrollen machen auch vor den Beachvolleyball-Events nicht Halt: Die strikten Sicherheitsmassnahmen – jeder Fan wird auf versteckte Gegenstände abgetastet, jedes Handtäschchen wird kontrolliert – wollen zwar irgendwie nicht recht zur Partyatmosphäre passen. Aber auch Beachvolleyball kann sich in diesen Zeiten den globalen Sicherheitsstandards nicht mehr entziehen.

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