«Ein gewisser Respekt vor dem neuen Berufsabschnitt ist da»

Christoph Spycher hört Ende Saison auf. Im Interview erklärt der gebürtige Könizer seine Entscheidung und geht auf seine Zukunft ein.

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Ruedi Kunz

Wieso haben Sie entschieden, Ende Saison die Fussballschuhe an den Nagel zu hängen?
Ich spüre, dass es besser ist so. Wenn ich auf den Platz gehe, sind die Emotionen zwar noch da, ich habe immer noch Leidenschaft für den Fussball. Aber es gibt inzwischen ein paar körperliche Baustellen. Die Regeneration fällt mir nicht mehr so leicht wie in jüngeren Jahren. Und die Angst, von einer neuen Verletzung zurückgeworfen zu werden, machte sich auch bemerkbar.

Welche körperlichen Beschwerden machen Ihnen am meisten zu schaffen?
Es sind verschiedene kleinere Dinge, die mir signalisieren: «Sei vorsichtig, sonst überschreitest du deine Grenzen!» Manchmal macht sich das Knie bemerkbar, zuweilen zwickt es im Rücken.

Wie gross ist der Aufwand gewesen, den Sie betrieben haben, um auch mit Mitte 30 noch Spitzenfussball betreiben zu können?
Um ein Vielfaches grösser als zu Beginn meiner Karriere. Mit zunehmendem Alter habe ich immer mehr Zeit in die Pflege des Körpers investiert. Akkupunktur, Massage, Stretching, lockere Ausfahrten auf dem Hometrainer gehörten bei mir zum Programm.

Ist der Fussball härter geworden in den letzten Jahren?
Härter nicht, aber athletischer. Die Physis spielt eine noch wichtigere Rolle.

Ist der Fussball anspruchsvoller geworden?
Schwierig zu sagen. Was bestimmt grösser geworden ist: der Konkurrenzdruck. Es drängen immer mehr junge, sehr gut ausgebildete Spieler nach. Das hat zu einer Verschiebung der Alterspyramide geführt. Die Zahl der älteren Spieler war etliches höher zu Beginn meiner Karriere.

Was wird Ihnen am meisten fehlen nach Ihrem Rücktritt?
Sicher die riesigen Emotionen, die dieser Beruf freisetzt. Ich weiss, dass mein Herz bluten wird, wenn ich nächste Saison auf der Tribüne sitzen und meinen ehemaligen Teamkollegen die Daumen drücken werde.

Fredy Bickel hat für Sie eigens einen neuen Job geschaffen. Welches sind die Aufgaben des Talentmanagers Spycher?
Ich werde mit den Toptalenten verschiedener Jahrgänge eine Karriereplanung machen. Ich werde bei Bedarf Individualtrainings organisieren. Ich werde ein Auge darauf haben, dass sie ihre Ausbildung ausserhalb des Fussballs nicht vernachlässigen. Weiter ist vorgesehen, dass ich junge Spieler begleite, die den Sprung in die erste Mannschaft geschafft haben. Ich werde ihre erste Anlaufstelle sein, wenn sie einen Durchhänger haben oder sonst wo der Schuh drückt.

Wer könnte demnächst von Ihnen betreut werden?
Haris Tabakovic beispielsweise, der während der Winterpause ausgeliehen wurde. Bei ihm gibt es abzuklären, wie sein Tagesablauf aussieht, wie gut er beim FC Wil betreut wird, was er macht, um Schwächen in seinem Spiel gezielt zu verbessern.

Entscheiden Sie, wer ein Toptalent ist und deshalb zusätzlich betreut werden soll?
Nein. Das Portfolio von Spielern werde ich in enger Zusammenarbeit mit den Nachwuchstrainern, dem neuen Technischen Leiter Kurt Graf und Fredy Bickel erstellen.

Junge, talentierte Spieler haben heute fast durchs Band weg schon einen eigenen Berater. Diese werden nicht Freude haben, wenn sich plötzlich ein Talentmanager intensiver um ihre Schützlinge kümmert.
Ganz klar: Ich werde ein Gegenpol seitens des Klubs sein. Für mich steht die optimale Entwicklung der jungen Spieler im Vordergrund.

Als Teambetreuer sollen Sie allen Kaderspielern als Ansprechperson zur Verfügung stehen. Werden Sie der verlängerte Arm von Sportchef Fredy Bickel sein?
Nein. Ich bin wohl als Bindeglied zwischen Sportchef und Trainer vorgesehen. Doch ich werde nicht mehr ständig in der Kabine herumschwirren, sondern mich schwergewichtig um die jungen Spieler kümmern. Es käme auch nicht gut, wenn ich mich in die Transferaktivitäten einmischen würde. Hierzu stehe ich dem jetzigen Team viel zu nahe.

Vom Spielerroutinier zum Managerlehrling: Haben Sie nicht Angst vor dem Sprung ins kalte Wasser?
Ein gewisses Unbehagen und ein gewisser Respekt vor dem ganz neuen Berufsabschnitt ist da. Doch ich freue mich auf die neue Herausforderung. Ich werde mir sicher nicht zu schade sein, bei erfahrenen Leuten wie Fredy Bickel und Ernst Graf Rat zu holen.

Sie haben mal gesagt, dass Sie nach Ende Ihrer Karriere eine längere Reise unternehmen wollten. Daraus wird vorerst nichts.
Das ist so. Wir werden keine längere Reise unternehmen, wie wir das ursprünglich vorgesehen hatten. Zumindest werde ich aber eine etwas längere Pause einschalten, um mich in aller Ruhe auf meine neue Aufgabe vorbereiten zu können.

DerBund.ch/Newsnet

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