Die zweite Karriere des YB-Idols

Sport

Er war bereits Spieler, Scout und Nachwuchstrainer bei YB. Seit dieser Saison hat Thomas Häberli als Assistent von Martin Rueda nochmals eine neue Rolle übernommen.

Häberli (links) braucht das Fussballspielen nach wie vor – auch bei heftigem Schneefall und in der 2. Liga.

Häberli (links) braucht das Fussballspielen nach wie vor – auch bei heftigem Schneefall und in der 2. Liga.

(Bild: Manuel Zingg)

Abwechslung muss sein. Auch wenn es dabei wieder um Fussball geht und der Schnee den Spass sichtlich trübt. Es ist früher Samstagabend in Perlen, einer kleinen Gemeinde vor den Toren Luzerns. Dort treffen die Fussballer des lokalen Clubs in der 2. Liga auf Leader Altdorf. Heftiger Schneefall hat den Kunstrasen kurzfristig in einen weissen Teppich verwandelt. Im Rieseln der Flocken ist ein prominentes Gesicht auszumachen: Thomas Häberli, 2007/08 zweitbester Skorer der Super League, treibt die Offensive der Gastgeber an.

Einfach ist die Aufgabe auf diesem Terrain nicht. Auch, weil seine Mitspieler immer wieder Mühe bekunden, wenn der frühere YB-Profi den Ball direkt weiterleiten oder sie mit einer Finte lancieren will. Häberli bleibt ohne Tor, sein Team verliert 1:3. «Trotzdem geniesse ich es, ab und zu mit Kollegen bei Perlen zu spielen», sagt der gebürtige Innerschweizer – wenn es die Zeit erlaube, «und das war diese Saison wegen der bereits 23 Pflichtspiele mit YB erst dreimal der Fall». Ohne Training. «Solange das vom Team akzeptiert wird, bin ich gerne dabei, denn ich brauche das Fussballspielen, weil es für mich ein guter Ausgleich ist. Und», sagt er schmunzelnd, «bei strittigen Entscheiden lerne ich noch immer, mich besser zu beherrschen.»

Geburtstagsfeier als Abwechslung

Die Abwechslung im Schnee bildete den Auftakt zu einer turbulenten Woche bei seinem Arbeitgeber. Am Sonntag folgte die Absage des Luzern-Spiels, am Dienstag die Freistellung von CEO Ilja Kaenzig, am Donnerstag die schnelle Entlassung des neuen Finanzchefs und gestern die umgehend dementierten Gerüchte einer Übernahme des sportlichen Bereichs von YB durch eine Berner Investorengruppe. So gesehen war die Kindergeburtstagsfeier mit seinen beiden Töchtern am Mittwoch ein willkommenes Intermezzo. «Ich habe die Ereignisse rund um YB alle interessiert verfolgt, will sie aber nicht kommentieren», sagt der 38-Jährige, der in seinen nun schon zwölf Jahren bei YB schon vieles erlebt hat und sich deshalb nicht beeindruckt zeigt. Auch er weiss, dass es im Fussball zuweilen schnell geht, dass sich der Alltag stets rasch wieder einpendelt. Und Befürchtungen, dass es bei YB durch die Vakanz auf dem Posten des Sportchefs in den nächsten Wochen Probleme geben könnte, wischt er mit Argumenten weg: «Einerseits läuft im Moment im Transferbereich nicht viel, andererseits haben wir mit Stéphane Chapuisat, Hansruedi Hasler, Martin Rueda, Jöel Magnin oder Erminio Piserchia genügend Fussballkompetenz im Club, falls dies die Situation erfordern würde.»

Vielmehr will sich Häberli deshalb auf seine Aufgabe konzentrieren: das Team zusammen mit Martin Rueda sportlich weiterzubringen, stabiler zu machen. Und die nächste Aufgabe heute gegen Basel ist für den gebürtigen Ballwiler von besonderem Reiz. «Zum FCB habe ich eine ganz besondere Beziehung», sagt Häberli. Das hat verschiedene Ursachen. Vor zwölf Jahren holte ihn Christian Gross nach Basel, wo er zu seinen ersten acht Spielen in der höchsten Liga kam, ehe er nach Bern wechselte. 2008 bestritt er mit YB die Finalissima in Basel, als der Titel beim 0:2 im letzten Spiel verloren ging. Und im Mai 2009 erzielte er in der letzten Runde das 3:0 beim Sieg der Berner in Basel, womit es noch zum 2. Platz hinter dem FCZ reichte. Es war bei seiner Derniere als Profifussballer der letzte seiner insgesamt 74 Liga-Treffer für YB. Heute kehrt er zurück in den St.-Jakob-Park – erstmals als YB-Assistent auf der Trainerbank. «Das Spiel ist sehr wichtig. Wir haben die Chance, mit einem Sieg bis auf einen Verlustpunkt an den FCB heranzukommen.» Speziell mache dieses Duell, «dass bei beiden Teams noch nicht alles stimmt. Deshalb ist der Ausgang des Spiels völlig offen».

Keine Trainerstufe überspringen

Offen ist auch, wie es mit der 2009 lancierten Trainerkarriere von Häberli weitergeht. «Alles zu seiner Zeit», lautet das Credo seiner Planung. «Ich will keine Stufen überspringen, sondern Schritt für Schritt machen.»

Dazu passt sein bisheriger Werdegang. 2009 stieg er als Spielertrainer beim FC Perlen ein, den er auf Anhieb in die 2. Liga führte; 2010 übernahm er die U-18 der Young Boys; 2011 erwarb er das SFV-Instruktorendiplom, ehe er im Frühjahr 2012 nach der Entlassung von Christian Gross neben Erminio Piserchia zum Assistenten des Profiteams aufrückte. Die neue Zusammenarbeit seit Sommer an der Seite von Martin Rueda taxiert Häberli «als sehr lehrreich. Wir harmonieren und ergänzen uns sehr gut».

Neben seiner Trainertätigkeit bei YB erwirbt Häberli zurzeit bei Swiss Olympic das Fachdiplom «Berufssportler», ehe er ab Januar mit der Uefa-Pro-Lizenz beginnt, die er im Sommer 2014 abschliessen möchte. Und was kommt danach? Der YB-Cheftrainer-Posten? Das habe Zeit, sagt er. «Es macht mehr Sinn, wenn ich zuerst bei einem Challenge-League-Club als Cheftrainer einsteige.» Häberli, der als Fussballer erst mit 26 Profi wurde, will also auch als Trainer seine Sporen zuerst abverdienen.

Ob er dann noch immer für Perlen spielt? Nur wenn es nicht schneit. «Und wenn sie mich noch wollen», lacht er.

Der Bund

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