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Wie Trump CNN zerstörte

Der US-Nachrichtensender schafft es nicht, souverän mit dem US-Präsidenten umzugehen. Eine Kolumne von Andreas Kunz.

Der Nachrichtensender CNN und US-Präsident Donald Trump: Eine Fehde, seit Trump Kandidat wurde. Foto: DPA
Der Nachrichtensender CNN und US-Präsident Donald Trump: Eine Fehde, seit Trump Kandidat wurde. Foto: DPA

1991 geschah eine Revolution. Als die Amerikaner Kuwait befreiten, erlebten wir zum ersten Mal einen Krieg in Echtzeit – 24 Stunden am Tag live bei CNN. Mit seinen Bildern von heranfliegenden und punktgenau detonierenden Bomben sowie den Reportern, die im Kampfhelm direkt von der Front berichteten, wurde der US-Nachrichtenkanal zu einer Institution.

Heute steckt CNN in der grössten Krise seiner Geschichte. In den sozialen Medien hagelt es Fake-News-Vorwürfe. Die Quoten schwinden, letzte Woche erreichten die Primetime-Shows noch weniger Zuschauer als Wiederholungen der Kinderserie «Yogi Bär». Schuld am Niedergang ist Donald Trump. Aber nicht, weil auch der amerikanische Präsident CNN fast täglich Fake-News vorwirft. Schuld an der Krise ist der Sender selbst, der es seit Trumps Wahl nicht schafft, souverän mit dem neuen Präsidenten umzugehen.

Bereits im Wahlkampf versuchte CNN alles, um Trump als Präsidenten zu verhindern. Die Journalisten schonten Hillary Clinton, liessen sie vor einem Interview sogar die Fragen auswählen. Gleichzeitig stellten sie Trump stets in einem möglichst schlechten Licht dar. Angesichts der Persönlichkeit des Milliardärs war dies nicht besonders schwer. Bloss hatte die Kampagne den gegenteiligen Effekt: Mit jedem heraufbeschworenen Skandal bekam Trump noch mehr Publizität. Auch dank CNN wurde er überhaupt erst gewählt.

«Statt für die Wahrheit kämpft CNN gegen Trump»

Nach der Wahlnacht, in der sich kreidebleiche Moderatoren für ihr Versagen hilflos zu rechtfertigen versuchten, verpasste CNN die Chance für eine Neuorientierung. Statt über die Ursachen von Trumps Sieg und die Motive seiner Wähler zu berichten, wie es der Sender in einem Anflug von Reue versprochen hatte, startete CNN die nächste Kampagne.

Seit über einem halben Jahr dominieren Berichte über angeblich skandalöse Russland-Verbindungen von Trump – ausser Mutmassungen, meist basierend auf anonymen Quellen, ist bis heute jedoch nichts darüber bekannt geworden, was die Hysterie annähernd rechtfertigen würde. In heimlich aufgenommenen und letzte Woche publizierten Videos bezeichnen selbst CNN-Produzenten die Storys als «mostly bullshit».

Man muss weder Trump-Anhänger noch Journalist sein, um die Einseitigkeit der Berichterstattung zu erkennen. Statt für die Wahrheit kämpft der Sender gegen Donald Trump. Und gegen alles, was nicht ins eigene Weltbild passt. Nach den Terroranschlägen in London inszenierte eine CNN-Reporterin vor der Kamera eine Demonstration von angeblich moderaten Muslimen gegen den Terror – ein Passant filmte die Szene und stellte das Video auf Facebook.

Auch Trumps Fake-News-Vorwürfe sind nicht immer unbegründet. Abgesehen von den parteiischen Analysen und der tendenziösen Auswahl der Themen musste CNN schon mehrfach Berichte zurückziehen oder korrigieren. Die verloren gegangene Glaubwürdigkeit des einstigen Vorzeigemediums wiegt umso schwerer, als mit Trump ein Mann im Weissen Haus sitzt, der zweifellos eine besonders kritische Berichterstattung ­verdient.

Wenn jetzt Urs Gredig vom Schweizer Fern- sehen zu CNN wechselt, ist das ein Glücksfall – für CNN. Am besten hätten sie den neutralen Schweizer gleich zum obersten Boss gemacht.

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