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Wenn Schmuggler im Businessjet reisen

Eine Bande wurde in Basel mit 600 Kilo Kokain verhaftet. Sie soll eine private Fluggesellschaft gegründet haben.

Eine ganze Menge Drogen: die 600 Kilo Kokain von Basel. Foto: Europol
Eine ganze Menge Drogen: die 600 Kilo Kokain von Basel. Foto: Europol

Als die Drogenschmuggler an Bord eines weissen Privatjets des Typs Gulfstream mit ihrer Ware in Basel landen, schnappt die Falle zu. Die Basler Polizei ist alarmiert, stellt in einem Auto in der Nähe des Euro-Airports 21 Koffer sicher, vollgepackt mit 600 Kilogramm Kokain. Im Rahmen der internationalen «Operation Familia» verhaftet sie drei Männer.

Wie Recherchen zeigen, nutzten die Gangster mutmasslich den Deckmantel einer Fluggesellschaft. Gegründet am 21. Januar 2019, für den «Lufttransport von Passagieren». Die Adresse des Unternehmens führt zu einem ­modernen Gebäude in einem Villenquartier am Stadtrand von Zagreb. Hinter der «MD Global Jet d.o.o.» steht Michael D.. Laut einem kroatischen Newsportal ist er einer der drei Männer, die im Mai in Basel festgenommen worden sind, und der Anführer eines Kartells, das in Europa, Südamerika und Asien operiert. Europol verdächtigt die Bande, im grossen Stil Kokain von Südamerika nach Europa zu schmuggeln, und zwar an Bord von Privatflugzeugen.

Ein Trend, wie das Bundesamt für Polizei (Fedpol) feststellt: «Der polizeiliche Austausch hat ­ergeben, dass die Schmuggler vermehrt auf Privatjets und kleine Flugzeuge setzen, um ihre Ware zu trans­portieren», sagt Fedpol-Sprecherin Lulzana Musliu. Die Maschinen würden oftmals gechartert – so wie auch die weisse Gulfstream, mit der die Bande das Kokain einflog.

Über die Zahl der Fälle, bei denen Kriminelle, die mit Privatjets schmuggelten, erwischt worden sind, gibt die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) keine Auskunft: «Unsere Statistiken werden nicht nach Privatjets aufgeschlüsselt», sagt Sprecher David Marquis. Die Kontrollen würden an die Risiken angepasst erfolgen, «die im privaten Flugverkehr anders gelagert sind als im öffentlichen Flugverkehr». Weitere Angaben dazu macht Marquis nicht, «aus einsatztaktischen Gründen».

Heimlich zurückgeschmuggelt

Fest steht aber: 218 Personen wurden im vergangenen Jahr wegen Kokain-Schmuggels angezeigt. 63 Prozent der Beschuldigten waren laut Bundesamt für Statistik «übrige Ausländer». Also ­Personen,die weder einen Wohnsitz noch Asylstatus in der Schweiz haben. Diese Quote ist fast dreimal höher als im gesamten ­Drogenschmuggel, bei dem hauptsächlich Personen aus der Schweiz verzeigt werden.

Die «Operation Familia» ist nicht der erste aufsehenerregende Fall in der Schweiz, bei dem Schmuggler im Privatflugzeug reisten. 2015 haben Zöllner auf dem Flugplatz Samedan GR unter anderem 20 Schals aus der Wolle der geschützten Tibet-Antilope im Wert von je rund 20'000 Franken konfisziert. Wie der zuständige Informationsbeauftragte damals mitteilte, sei auf dem Bündner Flugplatz aber auch Kunsthandel ein Thema, bei dem «schnell einmal viel Geld im Spiel» sei.

Um Kunst ging es auch im Fall eines Schweizer Devisenhändlers und Millionärs. Er bediente sich ebenfalls eines Privatjets, um ­seine Coups zu landen: Der Mann umging Mehrwertsteuern, indem er Kunstwerke offiziell ins Ausland brachte, um sie dann heimlich wieder in die Schweiz zurückzuschmuggeln.

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