Vekselberg will mehr als 200 Millionen Schadenersatz

Der russische Oligarch geht gegen UBS, Credit Suisse und Julius Bär vor, weil sie wegen der US-Sanktionen seine Konten gesperrt haben.

Viktor Vekselberg, 61: Die Kreditkarten des Milliardärs funktionieren noch immer nicht. Bild: Getty

Viktor Vekselberg, 61: Die Kreditkarten des Milliardärs funktionieren noch immer nicht. Bild: Getty

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Die Schweiz gehörte lange zu den bevorzugten Ländern, wenn Russen einen Platz suchten, um ihr Geld zu verwahren. Sechs mal mehr Geld floss im vergangenen Jahr in unser Land als in die USA. Der wichtigste Russe, der seine Milliarden und auch seinen Wohnsitz in der Schweiz hat, ist Viktor Vekselberg. Seit einem halben Jahr kann er nicht mehr auf seine Konten zugreifen, denn er steht auf der Sanktionsliste der Amerikaner, die angeblich Putin-nahe russische Oligarchen strafen soll.

Vor zwei Wochen ging die Meldung um die Welt, dass die Credit Suisse 5 Milliarden Franken russische Gelder eingefroren habe. Die Bank dementierte umgehend und behauptete, es gehe lediglich um eine Umklassierung der Gelder. Doch jetzt dementiert Rolf Schatzmann, Vekselbergs langjähriger Vertreter in der Schweiz, das Dementi: «Die Aussagen der CS sind spitzfindig. Die Privatkonten sind nach wie vor blockiert. Auch die privaten Kreditkarten funktionieren nach wie vor nicht. Das ist die Realität.»

Wenn Vekselberg in der Schweiz ist, muss seine Frau die Kreditkarte zücken, obwohl seine Guthaben, die er bei der UBS, bei Julius Bär und vor allem bei der Credit Suisse hat, eigentlich keinen Sanktionen unterliegen. «Es finden zwar Verhandlungen mit den Banken statt, aber bisher ergebnislos», sagt Schatzmann. «Die haben schlicht Angst vor den Amerikanern.»

«Hätten wir nicht reagiert, dann wäre Sulzer in rund 20 Tagen Konkurs gegangen.»Rolf Schatzmann

Es war am Freitag, den 6. April, als Viktor Vekselberg sein Leben ändern musste. An diesem Tag erfuhr der russische Milliardär, der grosse Anteile an Schweizer Industriefirmen wie Sulzer, Schmolz + Bickenbach und OC Oerlikon besitzt, dass die USA Sanktionen gegen ihn ausgesprochen hatten. Bis er selber merkte, was das heisst, vergingen drei Tage. Vekselberg verbrachte das Wochenende privat in Rom und merkte vorerst nichts. Doch als er am Dienstag aus dem Hotel auschecken wollte, war seine Kreditkarte gesperrt. Am gleichen Tag erfuhr er auch, dass weltweit bei seinen Firmen die Zahlungen nicht mehr ausgeführt wurden.

Dass das so schnell ging, lag daran, dass er auf die Liste von World-Check von Thomson-Reuters kam. Das ist ein Informationssystem, das sofort weltweit Auskunft gibt, wer auf einer Sanktionsliste steht. Besonders dramatisch war die Lage für Sulzer. Am Winterthurer Traditionsunternehmen hielt Vekselberg über 50 Prozent. Damit fiel es offiziell unter die Sanktionen der USA, und der Kurs seiner Aktien sank sofort ins Bodenlose. Das musste sich sofort ändern. Nicht, weil Sulzer 25 Prozent seines Geschäfts in den USA abwickelt – das hätte man noch verkraftet. Sondern wegen der Bedeutung des US-Dollars. «Hätten wir nicht reagiert, dann wäre Sulzer in rund 20 Tagen Konkurs gegangen», sagt Rolf Schatzmann. «Dies, weil 70 Prozent des Geschäfts in Dollar abgewickelt werden.»

Aktien waren teilweise als Sicherheit verpfändet

Den Aktienanteil an Sulzer unter die 50 Prozent zu senken, das war gar nicht so einfach. Schatzmann: «Das Ofac (Office of Foreign Assets Control) stellte zwei Bedingungen: Das Geld aus dem Aktienverkauf muss auf ein Sperrkonto in den USA eingezahlt werden. Sämtliche Dividenden der Sulzer-Aktien, auch von jenen, die bei Vekselberg bleiben, müssen ebenfalls auf dieses Konto fliessen.» Über die Bedingungen liess sich nicht verhandeln. Die Amerikaner waren offensichtlich bereit, das Schweizer Unternehmen wegen eines missliebigen russischen Investors in den Konkurs zu schicken. «Vekselberg sagte Ja zu den Bedingungen, obwohl er nicht weiss, ob das Geld je zurückkommt.»

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Damit war er aber noch nicht aus dem Schneider, denn die Aktien der Schweizer Industriefirmen waren teilweise als Sicherheiten für Bankkredite verpfändet. Rund 21 Prozent an Sulzer, 41 Prozent an Oerlikon und 25 Prozent an Schmolz + Bickenbach lagen in den Händen eines Bankenkonsortiums. Der Wert allein dieses Pakets Anfang Mai: rund 1 Milliarde Franken. Total ging es um etwa 2 Milliarden Franken.

Die Beteiligungsfirma Renova wurde aufgelöst

Nun legten die Banken die Daumenschraube an. Sie wollten dem von den USA vorgeschriebenen Deal nur zustimmen, wenn der Kredit zurückbezahlt wird. Und zwar sofort, gegen Gebühren in Millionenhöhe, versteht sich. Daraufhin bot Vekselberg an, dass die Banken seine privaten Guthaben zur Kredittilgung verwenden sollten. Doch diese weigerten sich. Der Russe musste frisches Geld bringen, das er dann auch von russischen Banken bekam. «Erst als die Beteiligungen unter 50 Prozent gesenkt wurden, gaben die Banken die Firmenkonten frei», sagt Schatzmann, «noch immer blockiert werden Zahlungen zwischen den Firmen.»

Inzwischen wurde darum die Beteiligungsfirma Renova aufgelöst, weil sie keine Einnahmen mehr hatte. Denn die Banken überwiesen ihr kein Geld mehr. Vekselberg musste seine Organisation völlig umkrempeln. Auch das kostete viel Geld – und das will er wieder eintreiben. Bereits vor einiger Zeit hat er angekündigt, dass er gegen die Schweizer Banken vor Gericht ziehen will. Am liebsten hätte er das in Amerika getan, aber für jemanden, der unter die Sanktionen fällt, ist das unmöglich. Darum wird der Gerichtsstand wohl die Schweiz sein, Vekselbergs Wohnsitz.

Der Schaden muss erst noch genau berechnet werden.»Rolf Schatzmann

Noch ist die Klage nicht eingereicht, das wird noch eine Weile dauern. Anfangs war es schwierig, eine grössere Wirtschaftskanzlei zu finden, die gegen die Banken klagen will. Alle schoben Interessenkonflikte vor, denn sie wollten nicht ihre grössten Kunden verlieren. Offenbar hat sich dieses Problem seither erledigt. Schatzmann: «Der Schaden muss erst noch genau berechnet werden.» Erstmals gibt er einen Hinweis, wie hoch die Summe sein wird, die man einklagen will. Zum einen will Vekselberg die Gebühren zurück, die ihm die Banken bei der erzwungenen Kreditablösung aufgedrückt haben. Nur schon das ist ein Millionenbetrag. Der grösste Teil betrifft einen anderen Punkt. «Es geht dabei auch um die enorm gestiegenen Finanzierungskosten», sagt Schatzmann. «In der Schweiz werden Firmenkredite mit rund 5 Prozent verzinst, in Russland mit gut 15 Prozent.»

Bei einem Kreditvolumen von 2 Milliarden Franken geht es somit um mehr als 200 Millionen Franken. Als die Credit Suisse sagte, die Konten seien nicht gesperrt, sondern umklassifiziert, sagte sie auch, ihr seiee bisher keine Verluste entstanden. Man wird sehen, ob sich das halten lässt.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 09.09.2018, 17:28 Uhr

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