Hoher Luftwaffen-Offizier arbeitet als Gripen-Lobbyist

Ein Interessenkonflikt sorgt für Aufregung im Verteidigungsdepartement.

Ihre Flugmanöver darf Christian Trottmann nicht mehr offiziell kommentieren: Patrouille Suisse am Lauberhorn. Foto: Reuters

Ihre Flugmanöver darf Christian Trottmann nicht mehr offiziell kommentieren: Patrouille Suisse am Lauberhorn. Foto: Reuters

Mischa Aebi@sonntagszeitung

Christian Trottmanns Begeisterung für Kampfflugzeuge muss gross sein. Der Kommunikationsprofi ist «Speaker der Patrouille Suisse». Wenn die rote Fliegerstaffel am Himmel ihre Runden zieht, erläutert er dem Publikum am Boden das Geschehen. Letztmals vor einer Woche während des Lauberhornrennens. Die Kunstflieger brausten durch die Alpenkulisse, Trottmann kommentierte. Obwohl selber nicht Pilot, ist der Oberstleutnant Teammitglied der Patrouille Suisse. Zudem schreibt er enthusiastische Fliegerartikel für die «Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift», das Sprachrohr der Offiziersgesellschaft.

Damit ist nun Schluss. Verteidigungsministerin Viola Amherd hat diese Woche entschieden, dass Trottmann aus dem Team der Patrouille Suisse entlassen wird, sobald ein Nachfolger gefunden ist. Trottmann wird auch nicht mehr für die Militärzeitschrift schreiben. Der Grund: Seit Dezember hat der Fliegerfan beim Flugzeugbauer Saab eine Stelle als Lobbyist. Seine Aufgabe: Er soll dafür sorgen, dass sich die Schweiz bei der bevorstehenden Kampfjetbeschaffung für den Düsenjet von Saab entscheidet, den Gripen. Saab winkt ein Milliardengeschäft. Im VBS aber fürchtet man, Trottmanns Doppelrolle würde den Anschein erwecken, Saab geniesse einen Startvorteil.

Oberstleutnant und Lobbyist: Christian Trottmann.

Mit Amherds Entscheid wird aber kaum Ruhe einkehren: Denn der Interessenkonflikt des Lobbyisten ist nur zur Hälfte gelöst. Während der Oberstleutnant bei der Patrouille Suisse abdanken muss, soll er bei der Luftwaffe als Chef Fachstab Kommunikation weiterhin Dienst leisten. VBS-Kommunikationschef Renato Kalbermatten begründet Trottmanns Verbleib so: «Als Milizoffizier der Armee wird er, wie das in unserem Milizsystem üblich ist, weiterhin Dienst bei der Luftwaffe leisten.» Die Frage, warum diese Funktion weniger heikel sein soll als jene bei Patrouille Suisse, bleibt unbeantwortet.

Trottmann selber war nicht erreichbar. Für etliche im VBS ist der Fall aber klar: Es sei ein absolutes No-go, dass ein Gripen-Lobbyist als Vorgesetzter in der Kommunikation der Luftwaffe tätig sei, sagt ein ranghoher VBS-Beamter. Gerade diese Woche habe Trottmann Journalisten als Luftwaffen-Kommunikator durch das Fluggelände Dübendorf geführt. «Offenbar hat man aus dem Gripen-Debakel von 2013 nichts gelernt», heisst es aus Armeekreisen. Damals hat das Volk den Kauf von 22 Gripen-Kampfjets abgelehnt, nachdem sich Offiziere und Flugzeugbauer eine schmutzige PR-Schlacht geliefert hatten.

Militärpilot und Nationalrat Hurter kritisiert das VBS

Auch Politiker haben wenig Verständnis, dass Trottmann als Saab-Lobbyist weiterhin im Kommunikationsstab der Luftwaffe Dienst leisten darf. So sagt der ehemalige Kampfjetpilot und heutige SVP-Nationalrat Thomas Hurter, es liege zwar in der Natur des Miliz­systems, dass Armeeangehörige Funktionen haben, die sich mit ihrem Beruf überschneiden. Doch die Kampfjetbeschaffung sei ein «sehr heikles» Geschäft. «Leute, die hier eine wichtige Stellung haben, dürfen keine Doppelrolle haben, sonst besteht die Gefahr, dass die Fliegerbeschaffung Schiffbruch erleidet.»

Hurter findet es «inkonsequent, dass das VBS Trottmann wegen der Doppelrolle bei der Patrouille Suisse absetzt, ihn aber im Fachstab Kommunikation der Luftwaffe belässt». Auch SP-Nationalrätin und Sicherheitspolitikerin Priska Seiler Graf hat Bedenken: Es sei in der Aussenwirkung «sehr ungeschickt und heikel», dass Trottmann ausgerechnet in der delikaten Beschaffungsphase eine solche Stellung in der Luftwaffe habe. Es müsse unbedingt gewährleistet sein, dass jegliche Einflussnahme verunmöglicht wird. Und CVP-Nationalrat Alois Gmür hält fest: «Wenn Trottmanns Gruppe für allgemeine Kommunikation zuständig ist, darf er dieser nicht mehr angehören. Da gibt es unweigerlich Interessenkonflikte.»

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