Skywork-Pleite bedroht Reisebüros in ihrer Existenz

Die Reisebranche schiesst sich auf die Chefs der Fluglinie und das Bundesamt für Zivilluftfahrt ein: Sie hätten beim Grounding unnötigen Schaden verursacht.

Das Grounding lief nach Ansicht der Reisebranche wenig meisterlich ab: YB-Spieler verlassen am 29. August ein Skywork-Flugzeug. Foto: Keystone

Das Grounding lief nach Ansicht der Reisebranche wenig meisterlich ab: YB-Spieler verlassen am 29. August ein Skywork-Flugzeug. Foto: Keystone

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In der Reisebranche ist man stinksauer auf die Führung der Berner Fluggesellschaft Skywork, die am Donnerstag in Konkurs gegangen ist. Kritisiert wird der Ablauf der Tage vor dem Grounding am 29. August, einem Mittwoch.

Laut eigenen Aussagen hatte das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) schon am Montag erfahren, dass die Gespräche von Skywork mit einem Investor gescheitert sind. Trotzdem entzog es der Flug­gesellschaft die Bewilligung nicht sofort. Am Dienstag gegen Abend informierte das Management das Amt, dass es keine Rettung mehr gebe. Ein Verfahren auf Entzug der Betriebsbewilligung war inzwischen eingeleitet worden. Skywork durfte aber noch einen Tag weiterfliegen. Laut Bazl meldete Skywork am Mittwochmittag schriftlich, der Betrieb werde am Abend eingestellt.

Aus dem Unternehmen verlautet eine etwas andere Version: Bereits am Dienstag habe Skywork mit dem Bazl das Grounding auf Mittwochabend festgelegt. So konnte die Mannschaft des Fussballclubs Young Boys am Mittwoch um 14 Uhr noch unbehelligt in Bern landen. Wenige Stunden später verkündete Skywork das Grounding. Nicht auszudenken, wenn der Meister nach dem Champions-League-Einzug wegen Zahlungsunfähigkeit von Skywork in Zagreb festgesessen wäre.

Reisebüro steht in der Pflicht

In dieser Zeit ab Montag war das Buchungssystem der Fluglinie weiter offen. Die Folge: Die nichts ahnenden Reisebüros zahlten in den drei Tagen vor dem Grounding weiterhin auf das Konto von Skywork ein. «Ich habe noch am Dienstag zwei Rechnungen beglichen», ärgert sich Andreas Gerber, Geschäftsführer von Aaretal Reisen. Der Reisespezialist hat 75 Prozent seiner Flüge mit Skywork abgewickelt. Nun sitzt er auf einem Schaden, der etwa 150'000 Franken betragen dürfte. 1000 Passagiere mussten umgebucht werden, zu teils deutlich höheren Tarifen.

Die Kosten für diese neuen Tickets sowie für vorausbezahlte Buchungen muss das Reisebüro übernehmen. Es steht in der Pflicht, auch wenn es für die Pleite der Airline nichts kann.

«Skywork könnte uns in die Verlustzone reissen»

Die Fluggesellschaften haben sich stets gegen eine Absicherung der Kundengelder gewehrt. Der Schaden der Reisebüros wird auch nicht über den Garantiefonds der Branche beglichen. Diese Versicherung kommt zum Zug, wenn der Reiseveranstalter selbst pleitegeht – nicht aber, wenn eine Fluglinie betroffen ist.

Darum ist das Skywork-Aus für örtliche Reisespezialisten eine existenzielle Bedrohung. «Hätten wir nicht einen Investor, der uns Garantien für solche ungeplante Verpflichtungen gegeben hat, würde uns der Fall Skywork wohl das Genick brechen», sagt Aaretal-Reisen-Chef Gerber.

Beim Mitbewerber Belpmoos Reisen in Münsingen tönt es ähnlich: «Ich habe noch nicht den ganzen Überblick, aber Skywork könnte uns in die Verlustzone reissen», sagt Geschäftsführerin Gabriela Jones. Auch sie musste rund 500 Dossiers umbuchen oder stornieren. Der Garantiefonds hat sich auch bei Belpmoos Reisen gemeldet, um zu wissen, wie es nach der Skywork-Pleite um die Bücher des Kleinunternehmens steht.

«Der Ärger über diese erneute Airline-Pleite ist gross.»Walter Kunz

Dabei hätte es durchaus eine Lösung gegeben, um negative Folgen für die Reisebüros abzuwenden, sagt André Lüthi, Chef der Globetrotter-Reisegruppe in Bern, dem offiziellen Reisepartner von YB. «Warum wurde am Montag zum Beispiel nicht der Hinweis ‹Aufgrund technischer Probleme sind Buchungen im Moment leider nicht möglich› aufgeschaltet?», fragt er sich.

«Der Ärger über diese erneute Airline-Pleite ist gross», sagt Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizerischen Reisebüroverbands. «Es kann nicht sein, dass die Reisebranche ständig für die Fehlleistungen der Airlines haftet.» Auch Kunz spricht von einer ernsthaften Lage für gewisse lokale Reiseanbieter. Am Montag will er die Dossiers mit Schadensmeldungen sichten und über die Klagen, die der Verband gegen das Bazl und Skywork angekündigt hat, entscheiden.

Schon vor einem Jahr knapp vor dem Aus

Experten sind skeptisch, ob eine Amtsklage gegen das Bazl vor Gericht Bestand haben wird. Das Bundesamt verteidigt sein Vorgehen: Man habe das Grounding nach Betriebsschluss am 29. August aus sicherheitsrelevanten Überlegungen gestützt. Es spricht von «komplexen Zusammenhängen» zwischen einem Entzug der Bewilligung und den negativen Auswirkungen auf die Mitarbeitenden. Was die offene Buchungsplattform betrifft, verweist das Amt auf das Management. «Das Bazl ist nicht berechtigt, Einfluss auf die kommerziellen Entscheidungen der Firma zu nehmen», schreibt ein Sprecher.

Vor rund einem Jahr stand Skywork schon einmal knapp vor dem endgültigen Aus. Im vergangenen Herbst war die Fluglinie nicht mehr in der Lage, den Winterflugplan 2017/2018 zu finanzieren. Das Bazl erteilte deshalb nur eine befristete Betriebsbewilligung bis Ende Oktober und gab der Airline Zeit, die nötigen Geldmittel aufzutreiben.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 08.09.2018, 19:28 Uhr

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