«Am Schluss erhalten doch alle ihr Geld»

Thomas Minder fordert die Aktionäre zur Revolte auf – und verlangt für die Manager ein Bonus-Malus-System.

«Am Schluss erhalten doch alle ihr Geld»: Thomas Minder. Foto: Keystone

«Am Schluss erhalten doch alle ihr Geld»: Thomas Minder. Foto: Keystone

Arthur Rutishauser@rutishau

Thomas Minder, seit bald acht Jahren Schaffhauser Ständerat, ist der Vater der Abzocker­initiative. Sein Antrieb war das Swissair-Grounding von 2001. Während der letzte Swissair-Chef, Mario Corti, fünf Jahresgehälter im Voraus bezogen hatte, blieb Minder als Lieferant für Kosmetikartikel auf seinen unbezahlten Rechnungen sitzen. Die Initiative kam am 3. März 2013 zur Abstimmung und wurde mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 67,9 Prozent angenommen. Seither muss über die Managementvergütungen abgestimmt werden, und die Pensionskassen haben Stimmzwang.

Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam hat eine 30-prozentige Lohnerhöhung erhalten und verdient nun mit fast 13 Millionen Franken fast gleich viel wie Sergio Ermotti bei der UBS. Verstehen Sie das?
Nein. Jetzt macht die Credit Suisse nach drei Jahren mit Milliardenverlusten endlich wieder einmal Gewinn, und schon wird wieder kassiert. Doch der Fisch stinkt vom Kopf, weil der Verwaltungsrat das einfach so durchwinkt.

Wirkt Ihre Initiative denn nicht?
Das Problem ist, dass die Aktionäre noch immer viel zu wenig aufbegehren. Und das, obwohl sie dank der Initiative viel mehr Rechte haben. Da hat auch die Politik eine Verantwortung.

Welche?
Von mir aus gesehen, müssten die grossen öffentlichen Anleger, also etwa die Pensionskasse des Bundes, die Publica, und der AHV-Fonds, viel aktiver werden und offensiv die Rechte als Aktionär ausüben. Löhne wie jene von Thiam und Ermotti müssten sie natürlich ablehnen und das auch öffentlich machen.

Die Banken sagen, die Boni seien langfristig ausgelegt. Viele der Bezüge würden jahrelang gesperrt und nur ausbezahlt, wenn die Gewinne nachhaltig seien.
Die Mär der gesperrten Boni funktioniert nicht. Am Schluss erhalten doch alle ihr Geld.

Das ist bei der UBS von grosser Bedeutung. Wenn es im Steuerfall in Frankreich bei der Busse von 5 Milliarden Franken bleibt, waren die heutigen Gewinne nur Fiktion – aber der Bonus bleibt.
Darum braucht es, von mir aus gesehen, ein echtes Bonus-Malus-System und eine Haftung, die wehtut, wenn im Nachhinein grosse Verluste entstehen.

Man hat das Gefühl, die Schweizer Anleger seien kritischer geworden. Sie lehnen auch mal einen Vergütungsbericht ab. Nicht so die ausländischen Investoren.
Das hat etwas. Darum muss auch die Rolle der Stimmrechtsberater geklärt werden. Es kann ja nicht sein, dass sie einen Verwaltungsrat erpressen, in dem sie sich als Berater aufdrängen. Wenn sie berücksichtigt werden, dann stimmen sie Ja, wenn sie aber nicht berücksichtigt werden, lehnen sie den Vergütungsbericht ab. Das kann wirklich nicht sein, aber so läuft es in der Praxis.

Was wollen Sie dagegen tun?
Ich will, dass solche Mandate im Geschäftsbericht offengelegt werden. Dann ist es wenigstens transparent. Im Entwurf zum neuen Aktienrecht wäre das drin, nur ist dessen Beratung im Moment auf Eis gelegt. Und so kann es Jahre dauern, bis etwas geschieht.

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