Sergio Ermotti strebt nach höheren Weihen

Ein Wechsel in den Verwaltungsrat soll der UBS wieder Ruhe bringen.

UBS-Chef Sergio Ermotti möchte gern den Posten des Präsidenten. Foto: Getty Images

UBS-Chef Sergio Ermotti möchte gern den Posten des Präsidenten. Foto: Getty Images

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«Jegliche Änderungen sind noch Jahre entfernt», sagte UBS-Chef Sergio Ermotti, als er vor gut zwei Wochen an der Medienkonferenz auf die seit Wochen kursierenden Nachfolgegerüchte angesprochen wurde. Doch so wie es aussieht, dürfte es doch nicht mehr ganz so lange dauern. Das berichten zumindest Vertraute des Tessiner Bankers. Laut dem Szenario, das sie schildern, bedeutet «Veränderung» allerdings keineswegs, dass Ermotti bei der grössten Schweizer Bank ausscheidet. Vielmehr soll der Plan sein, dass er in den Verwaltungsrat (VR) wechselt – um dort Präsident zu werden, versteht sich.

Die Nachfolgediskussion bei der UBS wurde durch den amtierenden Verwaltungsratspräsidenten Axel Weber losgetreten. Er sagte am 3. Januar in einem Interview mit der Redaktion Tamedia: «Wir versuchen, den Übergang beim Chefposten und dem VR-Präsidium als einen ruhigen, geordneten Prozess zu gestalten.» Er selber wolle bis 2022 bleiben. Am 7. Januar bestätigte Weber, dass Gespräche mit potenziellen externen Nachfolgern Ermottis aufgenommen worden seien. Konkret mit dem Österreicher Christian Meissner, einem Investmentbanker, der es einst bei Lehman Brothers weit gebracht hat. Nachdem er kurz in der Versenkung verschwunden war, schaffte er ein Comeback. Bis Ende letzten Jahres war er Chef des Investmentbanking bei der Bank of America. Sein Abgang dort war nicht ganz so ruhmreich, die Zahlen waren zuletzt nicht berauschend. Wenig ruhmreich war auch, dass die Gespräche mit der UBS öffentlich bekannt wurden.

Die Ungeduld im Aktionariat wächst

Dass Ermotti nach sieben Jahren Amtszeit ohne Not als «lame duck» dasteht, ist keine Glanzleistung des Präsidenten und zudem mit dem Ego des CEO nur schwer vereinbar. Der will seine Bank nämlich nicht dem deutschen Volkswirtschaftsprofessor Weber überlassen, heisst es in seinem Umfeld. Ganz im Gegenteil: Er will selbst Präsident werden und so die Geschicke der UBS weiter mitbestimmen. Die Frage ist nun, ob das gelingt und wie der allfällige Zeitplan aussieht. Und da ist man sich noch alles andere als einig. Weber liess vor einer Woche via «Bilanz» ausrichten, er könnte sich vorstellen, dass er sogar bis 2024 bleiben könnte. Dann wäre er 65 Jahre alt und 12 Jahre im Amt. Dabei wäre eigentlich für Verwaltungsräte eine Amtszeitbeschränkung von acht Jahren vorgesehen. Weil nach der Beinahepleite von 2008 der VR in den Folgejahren praktisch ganz ausgewechselt wurde, hat man die Regel im Falle von Weber gelockert, um eine allzu grosse Fluktuation zu verhindern.

Damit käme es zu einem dreijährigen Interregnum – viel zu lange für die Bank, die in den letzten Jahren zwar äusserst solide und vor allem skandalfrei wirtschaftete, aber auch an Dynamik verlor. Der Aktienkurs ist seit den Krisenjahren im Keller, und nachdem die Bank letztes Jahr ein Drittel des Börsenwerts verlor, wächst die Ungeduld im Aktionariat. Da helfen Hinweise auf die Konkurrenz, namentlich die Credit Suisse, die noch ein bisschen mehr verlor, nicht viel. Nicht einmal die 13 Millionen Franken, die Ermotti persönlich in die UBS-Aktie investierte, halfen mehr als ein paar Tage.

Hinzu kommen viele Wechsel im obersten Management. Nach dem Abgang des obersten Vermögensverwalters Jürg Zeltner und Andrea Orcel, Chef des Investmentbankings, wächst der Druck auf den verbliebenen Rest der Geschäftsleitung. Gegen aussen wenig überzeugend wirkt, dass sowohl für die Investmentbank als auch für die Vermögensverwaltung Co-Chefs installiert wurden. Insbesondere Martin Blessing, der lange als Nachfolger Ermottis gehandelt wurde und als UBS-Schweiz-Chef erfolgreich war, ist in seiner neuen Rolle als Co-Chef der Vermögensverwaltung umstritten. Darum wird folgendes Szenario favorisiert: Innerhalb der nächsten 12 Monate gibt die Bank bekannt, dass Ermotti in den VR wechselt. Dort wird er erst nicht Präsident, es kommt zu einer sogenannten Cool-off-Periode. Das gilt international als Standard, wenn ein Chef in den VR wechselt. Das Präsidium würde er spätestens 2022 übernehmen – sofern Weber Platz macht. «Es ist ein bisschen wie mit einer lästigen Fliege, die in einem sehr heissen Sommer ihre Runden dreht. Und die man gerne loswerden möchte», sagte Ermotti einmal zur Nachfolgedebatte. Ob dies gelingt, wird sich bald zeigen.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 09.02.2019, 19:45 Uhr

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