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Nigel Farage plant Comeback

Der «Vater des Brexit» will die Partei Ukip aus dem rechten Abseits führen.

War bis 2016 Vorsitzender der Unabhängigkeits-Partei Ukip: Nigel Farrage. Foto: Keystone
War bis 2016 Vorsitzender der Unabhängigkeits-Partei Ukip: Nigel Farrage. Foto: Keystone

Die akuten Folgen des Brexit und ein scharfer Rechtsruck seiner Partei lassen den prominentesten Brexiteer der Britischen Inseln jetzt an Rückkehr denken. Nigel Farage, bis 2016 Vorsitzender der Unabhängigkeits-Partei Ukip, möchte die «Kippers» wieder im Kampf um «echte Unabhängigkeit» führen – die Partei aber zugleich auch vor einem Abrutschen ins politische Abseits bewahren.

Gestern forderte Farage die Partei, für die er noch immer im Europa-Parlament sitzt, zum Sturz des gegenwärtigen Ukip-Chefs Gerard Batten auf. Ukip müsse Batten «loswerden», erklärte er. Batten führe die Partei «in eine schändliche Richtung». Und das «ausgerechnet zu einer Zeit, in der Konservative und Labour den Brexit gleichermassen verraten und Ukip die Chance hat, weite Teile der Wählerschaft an sich zu ziehen».

Anlass für die Tirade war die jüngste Entscheidung Gerard Battens, einen vorbestraften Rechtsradikalen zu seinem «Berater» zu ernennen. Tommy Robinson, ein umstrittener Charakter, ist seinen Landsleuten als Begründer der antiislamischen «Englischen Verteidigungs-Liga» bekannt. Als «Ligist» kann Robinson offiziell nicht Ukip-Mitglied werden. Aber Batten schätzt seine «Sachkenntnis» so sehr, dass er sich von ihm über pakistanische Gangs in England und die Lage in britischen Gefängnissen beraten lassen will.

Rechtsradikalen zum Berater ernannt

Seit Batten im April dieses Jahres zum Ukip-Chef gewählt wurde, hat er die frühere Partei der EU-Gegner immer weiter nach rechts, in neue Gefilde befördert.

Den Islam hat er als «Todeskult» bezeichnet und den Propheten Mohammed als «Kinderschänder» beschimpft. «Spezielle Sicherheitsüberprüfungen» hat er verlangt für Ankömmlinge aus muslimischen Ländern und separate Gefängnisse für muslimische Häftlinge im Königreich.

Batten selbst hält Farage schlichtweg für einen «Heuchler». Immerhin, meint er, habe der gute Nigel auch schon Abschirmung vor fremden Kulturen gefordert – zum Beispiel, als er während der Brexit-Referendums-Kampagne ein Plakat enthüllte, das eine drohende Überflutung Englands durch nahöstliche Flüchtlinge beschwor.

Farage wiederum will von Battens Anti-Islam-Kurs nichts wissen. Ukip, findet der Ukip-Mitbegründer, müsse sich wieder auf den Brexit konzentrieren – zumal zu einer Zeit, da Theresa Mays Tory-Regierung und alle anderen Parteien «den Volkswillen verraten» hätten, der sich aus dem Referendumsbeschluss von 2016 ergab.

In der Tat hat Mays Suche nach einem Brexit-Kompromiss mit der EU viel Frustration verursacht in Teilen des Landes. Seit dem absoluten Tiefpunkt von Ukip bei den englischen Gemeinderatswahlen im Mai, bei denen die Partei gerade noch auf 1 Prozent der Stimmen kam, hat sich ein klarer Stimmungsumschwung bemerkbar gemacht.

Auch Farage hat von Europa profitiert

Der Brexit-Deal, den May am Sonntag zu besiegeln hofft, hat den Anteil der Briten, die wieder Ukip wählen wollen, auf über 8 Prozent steigen lassen. Und sollten die Pro-Europäer im Parlament den Brexit, zum Beispiel über ein neues Referendum, gar noch «sabotieren», rechnet Nigel Farage mit einem regelrechten Massenzustrom für «seine» alte Bewegung – solange Ukip sich nicht in «schlechte Gesellschaft» begibt.

Beobachter weisen freilich auch darauf hin, dass Farage just im Begriff steht, seine bisherige «Schaubühne» und einen Gutteil seiner finanziellen Ressourcen einzubüssen. Denn Ende März nächsten Jahres ist es mit Farages Auftritten in Strassburg und Brüssel vorbei.

Als Konsequenz des Brexit scheiden alle Briten aus dem Europa-Parlament aus. Und dieses Parlament war immer die eigentliche Bastion von Ukip – vor allem, weil die Partei es nie über Wahlen ins Unterhaus schaffte. Millionenbeträge aus der Brüsseler Kasse sind der Partei über die Jahre zugeflossen.

Zu seinem Leidwesen hat sich aus seiner Verbindung zu Donald Trump, von der er viel erwartete, nichts weiter ergeben. In jüngster Zeit hat sich Farage als Talkshow-Host in London ein neues Podium und neue Einnahmen verschafft. Nun scheint er ernsthaft an die Rückkehr auf den alten Posten zu denken – in der Hoffnung auf eine neue, zentrale Rolle im Herzen der britischen Politik.

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