«Es darf nur eine Zeit geben: die ‹Normalzeit›»

Die Reaktionen der Leser.

«Während Tausenden von Jahren lebten die Menschen mit Winterzeit», erklärt ein Leser. Foto: AP

«Während Tausenden von Jahren lebten die Menschen mit Winterzeit», erklärt ein Leser. Foto: AP

Die Zeitumstellung ist angezählt
SonntagsZeitung vom 31. März 2019

Das europäische Parlament hat sich endlich dazu durchgerungen, die ewigen Zeitumstellungen abzuschaffen. Toll! Aber jetzt geht die Diskussion erst richtig los: Soll denn die Sommerzeit oder die Winterzeit bestimmt werden, um uns hier in Europa glücklich zu machen? Ich habe bis jetzt noch nirgends gehört oder davon gelesen, dass man in Europa die Zeit nur um eine halbe Stunde statt um eine ganze umschaltet – und das dann so stehen lässt. Es wäre doch ganz sicher für alle gut verträglich, diese halbe Stunde wäre für alle Zeit zu akzeptieren. Tiere wie Menschen würden nicht mehr unter der Zeitumstellung zu leiden haben.
Boris Oppliger, Münchenstein BL

Mehrere Länder diskutieren über die Einführung der ganzjährigen Sommerzeit. Dies wäre der bisher grösste Eingriff in die Natur. Angefangen bei den Menschen, die des natürlichen Schlafes und der erforderlichen Entspannungszeiten beraubt werden. Dann werden auch die vom Körper gewohnten Essenszeiten verschoben, die gesundheitlichen Folgen davon sind unvorhersehbar. Die Arbeitszeiten stehen im Widerspruch mit den optimalen Körperleistungen. So erleidet die Wirtschaft jeden Tag riesige Ausfälle, weil die Menschen nicht mehr ihre produktivsten Leistungen erbringen können. Auch Tiere und Pflanzen leiden unter den verschobenen Tageszeiten. Während Tausenden von Jahren lebten die Menschen mit der «natürlichen» Zeit («Winterzeit»). Die gesamte Vegetation funktionierte bisher einwandfrei, ohne die Eingriffe von Menschen. Während all der Jahrhunderte hatte niemand damit ein Problem, aber unsere Generation meint, gescheiter zu sein und den Ablauf der Natur verändern zu müssen. Bitte pfuscht der Natur nicht in ihr Handwerk! Es darf deshalb nur eine Zeit geben: die «Normalzeit». Das ganze Jahr.
Isidor Goldmann, Zürich

SVP dreht den Spiess um
SonntagsZeitung vom 31. März 2019

Es ist schon erstaunlich, wie selbstkritisch die SVP mit Wahlniederlagen umgeht. Das Schweizer Fernsehen in Kombination mit linken Lehrern, welche angeblich die Jugendlichen zu Klimademonstrationen instrumentalisieren, ist also für die Niederlagen der SVP in drei Kantonen verantwortlich. Diese Analyse ist in etwa so substanziell wie die sachlichen Beiträge der SVP zur Klima- und Umweltpolitik. Mehr als heisse Luft und Ignoranz hat die SVP auf eine der grössten Herausforderungen in der Menschheitsgeschichte anscheinend nicht zu bieten.
Pascal Merz, Sursee LU

Das Klima wandelt sich, und daran ändern auch die satirisch anmutenden Beleidigungen von medienaffinen und erdölabhängigen SVP-Nationalräten nichts. Zwei Tipps fürs Handeln: Pflanzt Bäume, zum Beispiel mit der weltweit tätigen Organisation Plant for the Planet – mit 12 Franken pro Monat werden so viele Bäume gepflanzt, dass der persönliche CO2-Ausstoss eines Monats kompensiert wird. Und zweitens: Fasst als (SVP-)Bauern endlich Mut und geht auf die Strasse, vielleicht sogar mit den Klimastreikenden. Glücklicherweise sind es beim Bäumepflanzen und Streiken Jugendliche, die uns vorangehen (statt heisser Luft zu produzieren).
Markus Bösch, Romanshorn TG

Anscheinend ist es immer noch so: Wer zahlt, befiehlt. Herr Blocher führt die SVP patriarchisch, wenn nicht monarchistisch. Alle müssen wie Herr Blocher denken. Frei nach dem Motto: Wer nicht blochert, ist kein SVPler.
Walter Streuli, Wädenswil ZH

Wenn Ärzte zu Patienten werden
SonntagsZeitung vom 31. März 2019

Diese Arbeitsbedingungen sind eines solchen Berufsstandes unwürdig. Wollen wir im Ausland weiterhin mit unserem Gesundheitswesen prahlen, brauchen wir offensichtlich mehr Personal. Steigende Kosten sind aufgrund der demografischen Verhältnisse und der technologischen Entwicklungen sowieso unausweichlich. Politiker, die ihr Wirken öffentlichkeitswirksam der Senkung der Gesundheitskosten widmen, sind unehrlich. Die ehrliche Debatte würde sich um die Frage drehen, wer die steigenden Kosten künftig bezahlt.
Dominic Bachofen, Künten AG

«Viele Eltern überschätzen die Intelligenz ihrer Kinder»
SonntagsZeitung vom 31. März 2019

ETH-Professorin Elsbeth Stern sagt in ihrem Artikel viel Mutiges und Richtiges. Dass fast jeder dritte Gymnasiast am falschen Platz ist, dürfte etwas hoch sein. Tatsache ist aber, dass die Leistungsschwächsten, sprich das unterste Drittel, zu stark unterstützt und die Leistungsstärksten zu wenig gefördert werden. Warum scheitern Gymnasiasten? Nicht weil sie zu wenig intelligent sind, sondern weil sie zu faul und zu wenig motiviert sind, sich nicht organisieren können, effiziente Arbeitsmethoden ignorieren und zu viele Nebenbeschäftigungen haben. Umgekehrt trägt zum Erfolg vieler Gymnasiasten bei, dass in den meisten Fächern eher zu gute Noten erteilt werden. Dadurch können viele Lehrpersonen unangenehmen Diskussionen aus dem Weg gehen. Sicher ist: Das Gymnasium wird sich bewegen müssen. Die Frage ist nur, in welche Richtung?
Beat Hayoz, Düdingen FR

Die «Lernforscherin» Elsbeth Stern übernimmt sich in ihren Aussagen völlig. Es ist eine bodenlose Frechheit, zu behaupten, es wären viele «dumme» Kinder im Gymnasium. Diese Dame, die in Deutschland ihr Abitur gemacht hat, kann sich nicht im Geringsten vorstellen, wie viel höher die Anforderungen in einem Schweizer Gymnasium gegenüber einem deutschen sind, und wie viel schwieriger es ist, eine Schweizer Matur zu erlangen als ein Abi­tur. Frau Stern hat auch nicht verstanden, dass es hier nur um Quoten geht, nicht um dumme Kinder. Es dürfen in der Schweiz im Durchschnitt einfach nicht mehr als 20 Prozent der Schüler eine weiterführende Schule besuchen und die Matur machen. Das wird von so gut wie jedem Kanton vorgegeben. Die Tests und die Bedingungen für den Übertritt werden so schwierig gestaltet, dass es nur dieser Prozentsatz schafft. Aber es gibt auch normal intelligente Schüler (es kann nicht nur Hochbegabte auf dem Gymnasium geben), die gerne auf eine weiterführende Schule möchten. Langsam regt sich da grosser Widerstand gegen diese Quotenregelung und gegen diese Gängelung. Und viele Eltern und Schüler versuchen auf verschiedenen Wegen, doch noch zu ihrem Ziel zu gelangen. Frau Stern kann sich auch nicht vorstellen, wie schwierig es ist, eine Berufsmatur zu erlangen, wenn man gleichzeitig arbeiten muss. Es nützt nichts, intelligenten Schülern eine Lehre anzudrehen, in der sie sich furchtbar langweilen, in der sie ewig in einem Job rumdümpeln, bei dem keine weiteren Karriereschritte gemacht werden können wegen fehlender Matur und Studium, und deswegen lohntechnisch immer unter einem gewissen Level liegen werden. Sie werden heutzutage überholt von Ausländern mit Matur und Studium (siehe Frau Stern). Eine traurige soziale Entwicklung. Diese Bildungspolitik hat für die Schweiz in der Zukunft fatale Folgen.
Kerstin Büstrow, Zuzgen AG

So wie ich Frau Stern verstehe, steckt unser Bildungssystem in der Krise. Das tut es nun aber schon eine Weile. Frau Stern ist übrigens in einer sehr bekannten Universitätsstadt geboren, und das deutsche Bildungssystem hat keine grossen Ähnlichkeiten mit dem schweizerischen. Wir haben immer das Lehrsystem dem Studiengang vorgezogen. In Deutschland aber machen die Allermeisten die Matur, und wenn das nicht funktioniert, dann hat man weniger Chancen als in der Schweiz. Nun aber gibt es auch hier immer mehr Entlassungen, die Digitalisierung hat die Berufswelt verändert, und die Eltern haben Angst davor, dass ihre Kinder den Anschluss verpassen. Es mag uns an geeigneten Grundschullehrern mangeln, aber die Ausbildung zum Lehrerberuf ist eben nur wenigen sehr intelligenten Kindern vorbehalten. Und wer dann wirklich Lehrer wird, muss heute Klassen mit Kindern aus aller Herren Länder und mit verschiedenen Reifegraden, Traumata und digitalen Fähigkeiten akzeptieren. Der Beruf wird immer schwieriger, mehr Burn-outs sind die Folge. Die grosse Frage lautet deshalb: Wie weiter mit unserem angeknacksten Bildungssystem?
Susanna Geser, Biel

Schon mein Mathematiklehrer im Gymnasium Münchenstein vertrat 1966 die Meinung, die Lohnskala müsste umgekehrt sein, das heisst, die Primarlehrer müssten am meisten verdienen, die Gymnasiallehrer am wenigsten. Seine Begründung: Als einzige Bezugsperson über mehrere Jahre Schule könne ein schlechter Primarlehrer die Schulkarriere von vielen Kindern nachhaltig zerstören, während ein schlechter Gymnasiallehrer durch seine Kollegen kompensiert werden könne und die Gymnasiasten intelligent genug seien, einen solchen negativen Einfluss wegstecken zu können. Mit dem umgekehrten Lohnsystem könnte man für die Primarschule viel besser auswählen und die besten Leute an die Schule holen.
Paul Vogt, Witterswil SO

Interessant, was Frau Stern über die Intelligenz der Kinder aussagt. Auch sie stellt einen Drang ans Gymnasium fest, und zwar auch von Schülerinnen und Schülern, die da gar nicht hingehörten. Dieses Streben nach dem Gymnasium hat natürlich seine Gründe, doch einer der wichtigsten bleibt im Interview unerwähnt: Viele Eltern sind mit der heutigen Sekundarschule nicht einverstanden. Das an gewissen Orten praktizierte Mischen der verschiedenen Schultypen behagt aufmerksamen Leuten gar nicht. Denn wo im gleichen Schulzimmer Kinder des ganzen Leistungsspektrums zusammen sind, werden meistens die Spitzenschüler durch verschiedene Umstände gebremst. Am besten aufgehoben sind solche Kinder in reinen Sek-A-Klassen. Und wenn dort zudem noch gute Lehrpersonen wirken, dann dürften kritische Eltern von Primarschülern weit weniger aufs Langzeitgymnasium drängen. In verschiedenen Schulgemeinden hat man das längst eingesehen, und es wird darauf bestanden, die A-, B- und allenfalls auch C-Klassen getrennt zu führen.
Hans-Peter Köhli, Zürich

Wer sich nicht vermehrt, ist nicht verkehrt
SonntagsZeitung vom 31. März 2019

Die Botschaft der Autorin Verena Brunschweiger folgt dem Motto: «Tue Gutes und rede darüber.» Das «Gute» wäre dabei der Beitrag zum Umweltschutz. Doch das eigentliche Problem ist nicht das zu hohe Bevölkerungswachstum, sondern der «demografische Graben». Ein Beispiel: Im Durchschnitt beträgt die Fortpflanzungsrate 0,95 in Südkorea und 5,5 in Nigeria. Selbstverständlich darf der Entschluss zur Kinderlosigkeit nicht diskriminiert werden. Ebenso nötig ist es, den durch die Menschenrechte gedeckten Widerspruch zwischen dem Recht auf Eigentum und dem Recht auf beliebig hohe Fortpflanzungsrate zu thematisieren, mit dem Ziel, dem genannten Graben Grenzen zu setzen. Das Bild vom umweltschädlichen Nachwuchs im Norden ist dabei nicht sonderlich hilfreich.
Gernot Gwehenberger, Dornach SO

Die direkte Demokratie ist gerettet – vorerst
SonntagsZeitung vom 31. März 2019

Die Zweifel an der Sicherheit des E-Votings sind berechtigt. Solche Systeme können gehackt und manipuliert werden, was manchmal erst Jahre später entdeckt wird. Sogar das «Kaufen» von Stimmen wird viel leichter gemacht. Ich frage mich auch, wie die Anonymität der Stimmabgabe gewährleistet werden kann: Einen Papierstimmzettel kann man anonym abgeben. Bei der elektronischen Stimmabgabe muss sich der Stimmberechtigte identifizieren, und eine definitive Abkopplung seine Stimme von dieser Identität scheint mir kaum möglich. Hat man bei E-Voting überhaupt an die Anonymität gedacht?
Stephen Lander, Riehen BS

Konsequent. Für die 99 Prozent
SonntagsZeitung vom 31. März 2019

Volkswirtschaftlich schädlich wird Reichtum erst, wenn er mit Luxusgütern verprasst wird, sonst bleibt er ja vielfach als risikotragendes Kapital der Wirtschaft und damit auch den Arbeitnehmenden erhalten. Daher sollten nicht primär Löhne oder Kapitaleinkommen höher besteuert werden, sondern deren Verwendung für Luxusgüter und Dienstleistungen via eine progressive Konsumsteuer.
Alex Schneider, Küttigen AG

Das Leben als dummer August war auch schon lustiger
SonntagsZeitung vom 31. 3. 2019

Heute existiert ein immenses Angebot an Computerspielen – für Kinder und Erwachsene. Wozu brauchen wir da noch Zirkusclowns? Stellten wir zum Beispiel nur einen Tag lang überall die Elektronik ab, die Welt stünde Kopf. In wenigen Jahren wird sich herausstellen, wer die wirklich Dummen gewesen sind. Vielleicht gibt es dann auch wieder mehr gescheite Augusts und weniger geldgierige Machtmenschen.
Hanspeter Schmutz, Basel

Grosskonzerne ritzen Rechte ihrer Aktionäre
SonntagsZeitung vom 31. März 2019

Es ist ein Trauerspiel, wie sich Novartis, Nestlé und CS verhalten. Ausgerechnet die Konzerne mit den höchsten Verwaltungsrats- und CEO-Löhnen umgehen die Rechte der Aktionäre. Diese Millionensaläre sind niemals gerechtfertigt und grenzen an Wucher und Diebstahl an den Aktionären. Ich hoffe, dass die Klagen erfolgreich sind und die Strafen hoch ausfallen.
Hans-Ulrich Wanzenried, Zürich

Führerausweis für Elektrobiker
SonntagsZeitung vom 31. März 2019

Die Käufe von E-Bikes, elektrisch angetriebenen Autos und Rollern haben ja sehr stark zugenommen, dies wird sicherlich anhalten. Nun, alle wollen Strom für die verschiedensten Batterien und Akkus. Sollte man nicht parallel dazu Solarpanels kaufen müssen, um einen gewissen Prozentsatz Strom eben durch diese Panels zu erwirtschaften, sodass die Energiemenge nicht durch AKW und so weiter hergestellt werden muss? Es könnten zum Beispiel Genossenschaften gegründet werden, welche solche Panels an sehr geeigneten Stellen montieren würden und so würde dieser Stromlieferant auch in der Schweiz gefördert.
Anton Scherrer, Winterthur ZH

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