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«Implant Files» werden zum Schweizer Kriminalfall

Wie Berichte zu defektem Implantat Chirurg Aebi ins Visier der Justiz brachten.

Alarmierende Studien zu Kunststoff-Scheibe

Im Jahr 2009 entwickelte die Firma Ranier die künstliche Bandscheibe Cadisc-L. In einem Tierversuch mit Affen führte das Implantat zum Teil zu Problemen. Der Schweizer Arzt Max Aebi (Foto) präsidierte damals den wissenschaftlichen Beirat von Ranier. Er wehrte sich nicht gegen Tests an Patienten.

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Professor Aebi setzte Implantat selber ein

Trotz fragwürdiger Affentests startete Ranier ab 2010 eine Studie mit 29 Patienten. Nur sechs Monate später erhielt die Firma eine CE-Marke für den Verkauf des Implantats. Dieses setzte Aebi zwischen 2011 und 2013 sieben Patienten im Berner Hirslanden-Spital Salem ein. 2014 wurde das Implantat zurückgerufen; es hatte sich zum Teil im Rücken von Patienten zersetzt. Die Herstellerfirma forderte von Ärzten die Kontrolle ihrer Patienten. Laut Hirslanden hat Aebi «auf eine Information und Nachuntersuchung seiner im Salem-Spital operierten Patienten verzichtet».

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Dank «Implant Files» wird der Fall publik

Das Tamedia-Recherchedesk deckte den Fall auf. Max Aebi wehrte sich gegen die Vorwürfe – seinen Patienten gehe es gut. Die Redaktorin Catherine Boss gab im Fernsehen über die Recherche Auskunft (Foto). Darauf meldete sich eine Patientin, in deren Rücken sich das Implantat zersetzt hatte.

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Staatsanwältin führt ein Verfahren gegen Aebi

Foto: PD
Foto: PD

Kurz nach den Berichten zu «Implant Files» nahm die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern (Foto) ihre Ermittlungen auf. Später eröffnete sie ein Straf­- verfahren gegen Aebi, unter anderem wegen des Verdachts der schweren Körperverletzung. Für den Arzt gilt die Unschuldsvermutung.

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Hirslanden-Bericht erhebt schwere Vorwürfe

Parallel zur Staatsanwaltschaft eröffnet auch die Hirslanden-Gruppe eine Untersuchung, da Max Aebi in ihrem Spital operierte. Die Autoren des Abschlussberichtes, die Rechtsanwälte Hans Baumgartner und Enrico Moretti, kommen zum Schluss, Aebi dürfte medizinische Sorgfalts- pflichten verletzt haben. Der Chirurg bestreitet dies. Auch die Abläufe im Salem-Spital seien in diesem Fall«mangelhaft» gewesen, wichtige Informationen seien nicht weitergeleitet worden. Doch es sei die Pflicht des Arztes, Patienten über Probleme zu informieren.

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