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Ich bin Wackelkandidat – na und?

Unternehmens-Chefs und -Präsidenten zeigen sich unbeeindruckt – und sagen trotzig «Ich bleibe».

Wenn Heidi Klum in «Germany’s next Topmodel» nicht sicher ist, ob sie eine Kandidatin in die nächste Runde schickt, sagt sie ihr knallhart: «Du wackelst.» Kein Mädchen wagt dann aufzumucken.

In der Wirtschaft ist das anders. Zwar gibt es momentan einige Wackelkandidaten an der Spitze: Post-Chefin Susanne Ruoff, der Raiffeisen-Chef Patrik Gisel, die SBB-Präsidentin Monika Ribar etwa. Doch die Betroffenen ­zeigen sich in der Regel wenig beeindruckt von diesem Status. Im Gegenteil. Er entlockt ihnen meist ein trotziges «Ich bleibe». Dass ein solches Statement eine kurze Halbwertszeit haben kann, bewies diese Woche Johannes Rüegg-Stürm: Vier Tage nach ­seinem Bekenntnis, an der Spitze von Raiffeisen bleiben zu wollen, musste der Verwaltungsrats­präsident gehen. Ähnlich erging es Martin Winterkorn nach dem VW-Abgasskandal.

Das Selbstverständnis, mit dem Wirtschaftsführer ihren Anspruch auf den Chefsessel verteidigen, fasziniert mich immer wieder. Muss man da oben Stärke markieren, auch wenn man offensichtlich geschwächt ist? Beispiel Hariolf Kottmann: Die Meldung vom Einstieg eines neuen saudischen Ankeraktionärs beim ­Chemiekonzern Clariant ist noch taufrisch. Und schon macht Kottmann, dessen Schicksal in den vergangenen Monaten an einem dünnen Faden hing, eine klare Ansage: Er bleibe noch «einige Zeit» Konzernchef, sagte er kürzlich in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Richtig gut in der Kunst des Bleibens ist auch ­Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner. Er widersetzt sich Rücktrittsforderungen seit Jahren und ­beweist damit: Ein selbstbewusster Wackelkandidat zu sein, kann sich auszahlen.

Am besten machen es meiner Meinung nach die Fussballtrainer. Keine Berufsgruppe ist so geübt im unfreiwilligen Gehen wie sie. «Meine Koffer sind stets griffbereit», sagte mir Nizza-Trainer Lucien Favre einst. Diese Haltung stünde auch Managern gut an.

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