Es braucht Transparenz, Aufarbeitung und Prävention

Warum die Kirche in der Schweiz beim Thema sexueller Missbrauch auf dem richtigen Weg ist.

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Es gibt wenig gesicherte Erkenntnisse zum Ausmass von sexuellem Missbrauch. Das gilt allgemein, wie auch für Missbrauch durch Autoritätspersonen und speziell durch Vertreter der katholischen Kirche. Die zahlreichen Skandale, die in den letzten dreissig Jahren vielerorts aufgedeckt wurden, nähren zwar den Verdacht, dass Missbräuche in der katholischen Kirche häufiger vorkommen als in anderen Organisationen, Konfessionen oder Schulen. Mit den vorhandenen Daten lässt sich das jedoch nicht belegen.

Aber das Problem wurde viel zu lange ignoriert und tabuisiert. Der Umgang mit Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche war dem Problem bis heute nicht angemessen, wie die Geschehnisse der vergangenen Wochen erneut in aller Deutlichkeit aufgezeigt haben.

Zu lange glaubte die Kirche, die Fälle intern nach eigenem Gutdünken lösen zu können. Die machtvolle Stellung in der Gesellschaft und das Selbstverständnis, als religiöse Gemeinschaft sowieso moralisch richtig zu handeln, haben Aufklärung und Prävention verhindert. Damit hat die Kirche den Opfern geschadet, sie hat die Aufdeckung hinausgezögert und so immer neue Fälle möglich gemacht. Und sie hat dabei ihre eigene Glaubwürdigkeit untergraben.

Die Kirche tut gut daran, ihren Umgang mit Missbrauchsfällen den höchsten Standards anderer Organisationen anzupassen.

Priester sind auch nur Menschen. Gemäss Umfragen gehen zwar Gläubige und sogar Atheisten wie selbstverständlich davon aus, religiöse Menschen verhielten sich moralisch besser als Ungläubige. Wenn man jedoch das tatsächliche Verhalten beobachtet und nicht nur auf Selbstdeklarationen abstellt, gibt es kaum Unterschiede zwischen religiösen und nicht religiösen Menschen. Untersuchungen, Experimente und Beobachtungen von Psychologen und Soziologen zeigen seit langem, dass es keinen Zusammenhang zwischen moralischen Qualitäten wie Ehrlichkeit oder Hilfsbereitschaft und Religiosität gibt.

In der Seelsorge gibt es Abhängigkeitsverhältnisse wie in Unternehmen, in Schulen, in der Sozialarbeit oder im Spital. Die Kirche tut deshalb gut daran, ihren Umgang mit Missbrauchsfällen den höchsten Standards anderer Organisationen anzupassen und sie nicht intern regeln zu wollen.

Wie nebenstehender Beitrag zeigt, unternimmt die Kirche zumindest in der Schweiz seit einiger Zeit viel in Bezug auf Transparenz, Meldepflichten, Aufarbeitung und auch Prävention, um weiteren Schaden zu verhindern. Sie ist auf dem richtigen Weg. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.09.2018, 23:44 Uhr

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