Zum Hauptinhalt springen

«Die Schweizer, ein schlaues Völkli»

Warum in Deutschland die abgelehnte Einbürgerung von Funda Yilmaz nicht auf Empörung stösst.

In Buchs abgelehnt: Funda Yilmaz. Foto: Severin Bigler
In Buchs abgelehnt: Funda Yilmaz. Foto: Severin Bigler

Der berühmteste Schweizer der Welt ist Roger Federer. Die berühmteste Nicht-Schweizerin ist Funda Yilmaz. Bis nach China schaffte es die Geschichte ihrer gescheiterten Einbürgerung im aargauischen Buchs. Auch der englische «Guardian» berichtete ausführlich, und bei der deutschen «Welt» waren Yilmaz, die strengen Schweizer Behörden und der verhängnisvolle Fragebogen am Donnerstag sogar die am zweitmeisten gelesene Story. Fast 300 Deutsche waren nach der Lek­türe derart aufgewühlt, dass sie dazu einen Kommentar verfassten. In Erwartung eines gewaltigen Empörungsgeraunes begann ich zu lesen. Und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Hier eine Auswahl, eine Art deutscher Stammtisch, der sich frei Schnauze über die eidgenössische Einbürgerungspraxis unterhält:

«Warum nicht mal von den Nachbarn lernen . . .»

Peter S.: Schweizer Staatsbürger zu werden, ist eben im Gegensatz zur deutschen Staatsbürgerschaft noch ein Privileg.

Frank S.: Hinter den Bergen bei den sieben Zwergen. Andere Länder, andere Sitten.

Christian D.: Passt. Die Schweizer sind schlau. Und sie nehmen nicht jeden.

Jörg S.: Was ist daran falsch, dass man sich mit der Mülltrennung auskennen muss? Jeder, der schon mal in der Schweiz eine Ferienwohnung gemietet hat, weiss, wie ernst das gemeint ist.

Chris P.: Alpenvölker sind seit jeher sehr skeptisch gegenüber Fremden. Aber so sieht eben echte Demokratie und ein funktionierendes Gemeinwesen aus, Dinge, die man in Deutschland leider kaum mehr kennt.

Jürgen B.: Mischen wir uns jetzt schon in die inneren Angelegenheit der Schweiz ein?! Ein Volk, das seit Jahrhunderten keinen Krieg geführt hat, ist halt ein schlaues Volk. Warum nicht mal von den Nachbarn lernen . . .

Thomas B.: Ein Bekannter von mir hat 20 Jahre in der Schweiz gearbeitet und ebenfalls diesen Test gemacht. Am Ende war er stolz, den Schweizer Pass zu bekommen. Der Freund denkt mittlerweile zu 100% wie ein Schweizer. Ich kann seine Ansichten zwar nicht mehr teilen. Aber das zeigt deutlich, dass die Schweizer es schaffen, jemanden zu 100% zu integrieren.

Andi S.: Ach, die Schweiz, man wird schon angefeindet, wenn man Hochdeutsch spricht.

«Jetzt ist der Schützenkönig wieder Schweizer»

Anne M.: Kann ich so nicht bestätigen. Ich erlebe die Leute als grundsätzlich freundlich. Man versteht nur halt nichts ohne Kenntnis des Schweizerdeutschen.

Jo K.: Manches erinnert an den Komiker Emil. Insbesondere, dass sie «Chlauschlöpfen» falsch ausgesprochen hat.

Maria H.: Ja mei. Ist halt so. Die Schweizer sind ein schlaues Völkli.

Marion H.: Ganz erstaunlich. Deswegen wird es die Schweiz auch in 100 Jahren noch geben. Und nicht in der Hand von Erdogans Enkeln.

Klaus D.: Ein Schulfreund zog in die Schweiz. Ein kleines Dorf. Er wurde Mitglied im Schützenverein. Die folgenden vier Jahre wurde er Schützenkönig. Daraufhin wurde er aufgefordert, die Einbürgerung zu beantragen. Jetzt ist der Schützenkönig wieder Schweizer.

Selbstverständlich sind die Kommentare nicht repräsentativ für die deutsche Volksmeinung. Aber dass sich rund 80 Prozent der Schreiber verständnisvoll bis positiv äusserten, ist bemerkenswert. Offenbar ist in Deutschland nicht nur die Liebe zur Schweiz gross, sondern auch der Unmut über die eigene Einwanderungspolitik. Oder wie Thomas B. schreibt: «Wäre es so einfach, die Schweizer Staatsbürgerschaft zu erhalten, würde halb Deutschland Schlange stehen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch