Die bessere Rentenreform

Ein Reformvorschlag, der den Alten wirksame Anreize gibt, freiwillig länger zu arbeiten.

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Eine Annahme der Altersvorsorge 2020 ­würde die Probleme unserer Altersvorsorge nicht ­lösen, sondern langfristig verschärfen. Nur weil Bundesrat und Parlament zu lange an dem schlechten Kompromiss gebastelt haben, sollte man ihm nicht zustimmen. Zum Glück gibt es viel bessere Alternativen. Langfristig können wir in der Schweiz nur so viel konsumieren, wie wir produzieren. Je älter wir aber werden, desto mehr konsumieren wir über das Leben. ­Entsprechend müssen wir auch mehr ­produzieren. Langfristig geht das nur, wenn die Lebensarbeitszeit steigt. Entscheidend ist allein, wie wir das erreichen. Der traditionelle Ansatz ist eine allgemeine Erhöhung des Rentenalters, also Zwang und Druck zur Altersarbeit. Als viel ­bessere Alternative habe ich zusammen mit Ann Bauer einen dreiteiligen Reformvorschlag ­entwickelt, der den Alten wirksame Anreize gibt, freiwillig länger zu arbeiten.

  • Rentenaufschub mit Beitragsrabatt: Statt Rentenalter 67, 68 oder 70 brauchen wir eine neue Art der Flexibilisierung des Rentenalters. Heute und auch mit Altersvorsorge 2020 können diejenigen Alten, die länger arbeiten, die Rente aufschieben, um dann später eine höhere Rente zu erhalten. Das lohnt sich aber nur, wenn man sehr alt wird. Viel ­attraktiver wäre es, wenn einem bei Langzeitarbeit zwar die gleiche Rente wie ohne Langzeitarbeit, dafür aber sofort ein ­Rabatt auf den Beiträgen an die 1. und 2. Säule gewährt würde. ­Beispielsweise könnte man die Arbeitnehmer mit 55 entscheiden ­lassen, ob sie bis 67 arbeiten wollen. Den Langzeitarbeitern könnte man dann von 55 bis 67 die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge für die 1. und 2. Säule grob geschätzt halbieren. Sie hätten ja bei einer ­bedingten Lebenserwartung von etwa 85 Jahren neu noch 12 statt 10 Beitragsjahre, aber nur 18 statt 20 Rentenjahre vor sich, und ein grosser Teil des Rentenkapitals ist mit 55 schon auf­gebaut. So würde Arbeit bis 67 schnell üblich.
  • Teilbesteuerung von Altersarbeit: Sie gibt den Alten Anreize, auch über 67 hinaus zu ­arbeiten. Arbeit zusätzlich zur Rente ist heute ­unattraktiv, weil das Arbeitseinkommen mit dem Renteneinkommen zusammengezählt und so hoch besteuert wird. Inklusive der weiterhin ­anfallenden AHV-Beiträge, die den Alten nichts mehr bringen, zahlen sie auf Arbeitseinkommen oft 40 bis gut 50 Prozent Steuern und Abgaben. Folglich ist die Problemlösung denkbar einfach: Die Steuern auf Einkommen aus der über 67 ­geleisteten Arbeit sollten stark gesenkt, ­beispielsweise halbiert werden.
  • Steuermehreinnahmen für Altersvorsorge: Mit unserem Modell arbeiten viele Alte freiwillig wesentlich mehr als heute und zahlen so ­insgesamt weit mehr Einkommens-, Vermögens- und Mehrwertsteuern als bisher. Diese ­Steuermehreinnahmen sollten nicht einfach in die allgemeine Staatskasse fliessen und so das Staatswachstum antreiben, sondern gezielt in die Altersvorsorge gelenkt werden. So würde unsere Reform dann allen nützen: den lang­arbeitenden Alten, den Arbeitgebern, der ­Altersvorsorge und dadurch auch den ­normalarbeitenden Alten sowie den Jungen!

Prof. Dr. Reiner Eichenberger ist Ordinarius für Theorie der Finanz- und Wirtschaftspolitik an der Universität Freiburg (Schweiz) und ­ ­Forschungsdirektor von Crema, Center for Research in Economics, Management and the Arts. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 26.08.2017, 23:42 Uhr

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