Zum Hauptinhalt springen

Die Bauernlüge des Detailhandels

Warum Sie mehr Wildsau essen sollten.

Auf die Festtage hin unterbieten sich die ­Detailhändler mit Tiefpreisen insbesondere für luxuriösere Lebensmittel wie Filet, Entrecôte, ­Parmaschinken, Pasteten, etc. Das könnte man als Zeichen dafür sehen, dass der Wettbewerb im Detailhandel funktioniert. Tatsächlich trifft das Gegenteil zu.

Unter dem Jahr sind die Preise im Detailhandel weiterhin weit überhöht, weil der Wettbewerb trotz Aldi und Lidl immer noch zu schwach ist. Auf die Festtage hin aber steigt die Wettbewerbsintensität, weil sich die Nachfrage nach Luxuriösem verändert. Dann wollen mehr und auch ärmere Haushalte mehr Gutes und «Teures» essen. Haushalte mit engem Budget und solche, die grosse Mengen einkaufen wollen, schauen mehr auf den Preis und sind bereit, mehr Zeit dafür einzusetzen, die Angebote zu studieren und den besonders guten nach­zujagen. Dadurch wird die Nachfrage preis­sensibler. Dies zwingt die Anbieter dann, die Preise zu senken.

Weshalb aber funktioniert der Wettbewerb unter dem Jahr immer noch nicht richtig? Bei den Lebensmitteln ist es die Bauernlüge des ­Detailhandels und der Politik. Zum angeblichen Schutz unserer Landwirtschaft wird der Import eng beschränkt. Besonders illustrativ ist Fleisch. Da beschränken Zölle und Kontingente die Einfuhr. Die Bürger dürfen pro Person und Tag nur ein Kilo Fleisch zollfrei importieren – gleich ob frisch oder verarbeitet. Für jedes zusätzliche Kilo müssen sie 17 Franken und ab 10 Kilo sogar 23 Franken bezahlen, ganz gleich ob Rindsfilet, ­Hühnerschenkel, oder Wurstwaren.

«Die Ungleichbehandlung von Bürgern und Händlern ist skandalös.»

Dieser prohibitive Grenzschutz nützt vor allem dem Detailhandel, indem er den Markt vor Direktimporten durch die Bürger via Einkaufstourismus abschottet und so den Preissetzungsspielraum des Detail­handels erhöht. Denn der Witz dieser hohen ­Importbelastung ist, dass sie nur für die Bürger gilt, aber nicht für den Detailhandel. Dieser kann Fleisch viel billiger importieren. Ansonsten ­könnte er ja kein Fleisch und Wurstwaren teils weit unter 23 Franken pro Kilo verkaufen. Die Ungleichbehandlung von Bürgern und Händlern ist skandalös. Sie schädigt den Wettbewerb, bringt riesige volkswirtschaftliche Kosten und höchst unsoziale Verteilungswirkungen. Der Schutz im Bereich von wichtigen Gütern wie eben Fleisch schlägt auch auf andere Bereiche mit weniger Schutz durch, weil sich der Auslandeinkauf so generell weniger lohnt. Schliesslich schadet die Politik auch den Schweizer Bauern. Ihre Vorteile aus der Ungleichbehandlung der Bürger steht in keinem Verhältnis zu ihrem Imageverlust, den ihnen die überhöhten ­Schweizer Preise infolge Bauernlüge bringen.

Was können die Bürger dagegen tun? Sie sollten lauter eine vernünftigere Politik fordern, können aber auch selbst handeln. Die Importschranke für Fleisch hat eine Lücke: Wildfleisch kann in unbeschränkter Menge eingeführt werden, weil die Bauernlüge bei Wildfleisch nicht funktioniert. Kaufen Sie also bei ihrem nächsten Ausland­einkauf unbeschränkt Hirsch, Reh, Wildsau, Strauss, Tauben, Wachteln etc. Auf 2018, das Jahr der ganzjährigen Wildsaison!

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch