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Der US-Konzern Live Nation übernimmt das Openair Frauenfeld

Präsident Wolfgang Sahli gibt Mehrheitsbeteiligung ab – unabhängige Schweizer Festivals unter Druck.

Überflieger: US-Rapper Desiigner am Donnerstag in Frauenfeld TG. Foto: Keystone
Überflieger: US-Rapper Desiigner am Donnerstag in Frauenfeld TG. Foto: Keystone

Spekulationen gab es schon länger, nun ist es klar: Der US-Konzern Live Nation übernimmt das Openair Frauenfeld. Die Schweizer Gesellschaft von Live Nation halte eine Mehrheit der Aktien, sagt Andre Lieberberg, Managing Director von Live Nation Deutschland, Österreich und Schweiz. «Frauenfeld ist das grösste Urban Music Festival Kontinentaleuropas», so Lieberberg. Man wolle mit dem Team weiterarbeiten. Dieses Wochenende ging das Festival mit Highlights wie The Weeknd, Usher & The Roots und Travis Scott über die Bühne.

Mit Live Nation drängt ein Riese in die Schweizer Festivallandschaft. Das Unternehmen ist in 40 Ländern tätig und hat vergangenes Jahr nach eigenen Angaben Live-Veranstaltungen mit 550 Millionen Zuschauern durchgeführt. Live Nation hat mit Stars wie Madonna, Jay-Z und U2 Exklusivverträge und organisiert deren Tourneen rund um den Globus, auch in der Schweiz.

«Es werden nicht alle Festivals überleben»

Wolfgang Sahli, Präsident des Openair Frauenfeld, erwartet in den kommenden Jahren grosse Veränderungen in der Schweizer Konzertlandschaft. Ein starker Partner sei deshalb notwendig. «Der Aufwand in Sachen Sicherheit und Umweltschutz nimmt für die Veranstalter ständig zu. Es werden sicher nicht alle Festivals in der Schweiz überleben.»

Der Einstieg von Live Nation bringt laut dem bisherigen Hauptaktionär Sahli, der Präsident des Openairs bleibt, auch Vorteile im Wettbewerb um die bekanntesten Bands. «Dank dem Netzwerk von Live Nation werden wir einfacher an Stars kommen», erklärt Sahli.

Die Schweizer Festivalveranstalter drohen durch den Einstieg internationaler Konzerne unter Druck zu geraten. «Unabhängige Festivalveranstalter können mit den ­finanziellen Mitteln der grossen Konzerne nicht mithalten», sagt Christof Huber, Geschäftsführer des Open Airs St. Gallen. Das ­Festival hat sich schon 2015 mit anderen Veranstaltern und Agenturen unter der Marke We­promote zusammengeschlossen. Dies mit dem Ziel, den grossen inter­nationalen Veranstaltern Paroli zu bieten. Denn die Künstler der Musiks­zene werden immer teurer. «Internationale Veranstalter wie Live Nation haben die Ticket­preise und Gagen für die Stars in die Höhe getrieben», sagt Huber.

Live Nation an weiteren Beteiligungen interessiert

Ein Beispiel für das hohe Preisniveau: Beim von Live Nation ­produzierten Konzert der Band Guns N’ Roses im Zürcher Letzi­grund kostete das günstigste Ticket 120 Franken. Dafür gab es einen Stehplatz.

Für die Besucher des Openairs Frauenfeld soll der Eintrittspreis unverändert bleiben – wenigstens vorerst. «Es gibt keine konkreten Ansätze, die Ticketpreise beim Open­air Frauenfeld zu erhöhen», sagt Andre Lieberberg. Er fügt aber an: «Ticketpreise sind aber natürlich abhängig von der allgemeinen Entwicklung der Kostenstruktur bei der Finanzierung von Grossevents.»

Mit dem jüngsten Kauf sind die Ambitionen von Live Nation in der Schweiz noch nicht befriedigt. Der Konzern hat Interesse an ­anderen Veranstaltungen. «Wir können uns weitere Beteiligungen in der Schweiz vorstellen, befinden uns aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht in konkreten Gesprächen», sagt Lieberberg.

Konkurrenz auch im Ticketverkauf

Branchenkenner rechnen zudem mit dem Einstieg der Live-Nation-Tochter Ticketmaster in der Schweiz. Der Ticketverkäufer ­würde die hiesigen Vermarkter ­Ticketcorner und Starticket kon­kurrieren. Starticket gehört der ­«SonntagsZeitung»-Herausgeberin Tamedia. Die zwei Schweizer Platzhirsche wollten mit Blick auf den drohenden Einstieg ausländischer Unternehmen fusionieren, was die Wettbewerbskommission aber wegen einer drohenden Marktbeherrschung untersagte. Wenn Ticketmaster in der Schweiz den Verkauf für Live Nation übernimmt, verlieren die Schweizer Vermarkter einen wichtigen Kunden.

Live Nation nutzt in den Ländern, in denen Ticketmaster aktiv ist, stets deren Service. Lieberberg zeigt sich bezüglich den Absichten der Tochter bedeckt. «Wir haben keinerlei Information zu Plänen von Ticketmaster in der Schweiz.»

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