Der Traum vom Frauenticket droht zu platzen

Bundesratswahl: Die FDP-Regierungsrätinnen geben ihrer Partei einen Korb.

Zögernde Favoritin: Ständerätin Karin Keller-Sutter hat ihre Kandidatur noch nicht zugesagt. Bild: Marco Zanoni/Lunax

Zögernde Favoritin: Ständerätin Karin Keller-Sutter hat ihre Kandidatur noch nicht zugesagt. Bild: Marco Zanoni/Lunax

Denis von Burg@sonntagszeitung

Es war der fast schon verzweifelte letzte Versuch der FDP-Frauenpräsidentin Doris Fiala, doch noch ein hochkarätiges Frauenticket für die Bundesratswahlen zusammenzubringen. Sie schrieb allen acht freisinnigen Regierungsrätinnen einen Brief mit der Bitte, doch eine Kandidatur für den Bundesrat ernsthaft zu prüfen.

Doch das Schreiben verfehlte seine Wirkung: Drei schlugen die Einladung aus. Die Zürcherin Carmen Walker-Späh öffentlich, die Baselbieter Bau- und Umweltdirektorin Sabine Pegoraro und die Urner Gesundheitsdirektorin Barbara Bär höflich per Brief. Ungünstiger Zeitpunkt, politisch schwierig, persönlich nicht interessiert, hiess es. Fünf weitere mochten bis jetzt erst gar nicht antworten. Und Fiala muss feststellen: «Der Kampf um das geforderte doppelte Frauenticket ist mehr als anspruchsvoll. Das Feld der Kandidatinnen wird immer kleiner.» Sie arbeite weiter daran, es werde aber immer enger. 

In Tat und Wahrheit ist es so eng, dass der Traum, mit einem reinen Frauen-Zweier-Ticket die Wahl einer FDP-Bundesrätin zu sichern, platzen dürfte. Denn bis auf die Zürcher Nationalrätin Regine Sauter, die es sich lauwarm überlegt, und der sich zierenden Favoritin, der St. Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter, haben sich schon alle FDP-Bundespolitikerinnen aus dem Rennen genommen.

Zwischen schlecht und katastrophal

Jetzt bleiben den FDP-Frauen nur noch zwei Szenarien. Eines ist schlecht, das andere katastrophal. Haben sie Pech, ist Keller-Sutters Zögern nicht taktischer Natur, und die St. Gallerin mag nach ihrer Niederlage vor acht Jahren kein zweites Mal mehr antreten. Dann muss der Freisinn ohne eine Frau oder nur mit Regine Sauter in die Wahl steigen. Der Zürcherin attestiert man zwar politisches Potenzial. Nach nur drei Jahren im Nationalrat und ohne Exekutiverfahrung hat sie aber nicht gerade das Format einer Bundesratskandidatin. In der Bundesversammlung hätte sie kaum Chancen.

Haben die Freisinnigen Glück, sagt Keller-Sutter zu. Zu der erhofften Machtdemonstration der FDP-Frauen wird es aber trotzdem nicht kommen. Selbst wenn Sauter auch noch antreten würde, hätte sie es schwer, aufs Ticket zu kommen. Der zweite Platz würde wohl einem Mann gehören. Denn angesichts des gelichteten Frauenfeldes wird die Männerkonkurrenz stärker und lauter. Der Bündner Alt-Regierungsrat und Ständerat Martin Schmid werde wohl antreten, heisst es in seiner Partei. Und der Zürcher Ständerat Ruedi Noser ist auch offensiver geworden. Er betont nicht mehr, wie gut es ihm im Ständerat gefalle. Noser will jetzt explizit «eine Kandidatur nicht ausschliessen».

So oder so, der Versuch, die «Männerpartei» FDP ein Jahr vor den Wahlen als Partei mit Frauen-Power zu profilieren, ist misslungen. Und schon fürchtet Fiala, dass dann Keller-Sutter in der Bundesversammlung nicht mehr so einfach durchmarschieren würde. «Ohne Frauenticket riskieren wir politische Spielchen», sagt sie. Denn sie weiss, dass es selbst in ihrer Partei Überlegungen gibt, Martin Schmid statt Keller-Sutter zu wählen. 

Fiala kalkuliert inzwischen schon den Schaden der missglückten Frauenkampagne: Die Glaubwürdigkeit der FDP als fortschrittliche Partei leide, sagt sie: «Wir Frauen müssten in der Tat über die Bücher und uns fragen, ob solche Forderungen überhaupt noch zielführend wären.»

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