Der Jihadist führt keinen edlen Kampf gegen Unterdrücker

Die Suche nach rationalen Erklärungen für die Attacken der Jihadisten schlägt fehl.

Flagge des Terrors: Die Islamisten rechtfertigen ihr eigenes Versagen mit religiös verbrämtem Unsinn. Foto: AFP

Flagge des Terrors: Die Islamisten rechtfertigen ihr eigenes Versagen mit religiös verbrämtem Unsinn. Foto: AFP

Andrea Bleicher@sonntagszeitung

Hätte, könnte, wäre. Nach jedem Terroranschlag wird diskutiert, was man hätte tun müssen, um das Grauen zu hindern. Wer versagt hat. Wer die Schuld trägt. Je nach Lesart und Absender sind es die «Kriege, in die wir im Ausland involviert sind», wie der britische Labour-Chef Jeremy Corbyn gerade erklärte. Die angeblich ­latent islamfeindliche Gesellschaft. Die Medien, die Mohammed-Karikaturen abdrucken.

Schnell sind meist auch die vermeintlichen Hauptschuldigen ausgemacht: Die Behörden. Dieses gesichtslose, bürokratische Monster, das nicht genug spioniert hat, nicht hellhörig wurde, als der spätere Täter sich einen Bart wachsen liess, ihn nicht präventiv verhaftete.

Der Tenor: Wir sind schuld am islamistischen Terror – wir, der Westen selber. Weil wir mit unserer Freiheit, unserer Toleranz, unseren ­Gesetzen, unserer Art zu leben provozieren. Wenn wir uns nur anders ­verhalten würden, wird argumentiert, würde sich der Hass der Islamisten irgendwann legen.

Selbstprüfung, Selbstkritik, Selbstkorrektur – eine wichtige Eigenschaft einer funktionierenden Gesellschaft. Aber die Suche nach rationalen Erklärungen für die Attacken schlägt fehl. Sie gibt den Morden der Attentäter moralische Legitimität. Übernimmt Verantwortung, wo es keine zu übernehmen gibt.

«Ihr Weltbild hat keine politische oder psycholo­gische Begründung.»

Das Weltbild der Terroristen und ihrer Sympathisanten verdient kein Verständnis, ist nicht erklärbar. Es hat keine politische oder psychologische Begründung. Sondern ist ein Gemenge aus Selbstmitleid, Verdrängung und verdrehten historischen Zusammenhängen.

Verantwortlich für den Terror ist der Terrorist. Wenn ein Teenager aus Winterthur in den ­Jihad zieht, ist nicht der Lehrmeister schuld, der ihm keine Stelle geben wollte. Er kämpft keinen edlen Kampf gegen Unterdrücker. Er zieht los, um zu morden.

In Gesellschaften, in denen Gewalt nicht das letzte, sondern das erste Mittel ist, lautet die zentrale Frage nicht: «Was haben wir falsch ­gemacht?» Sondern: «Wer hat uns das an­getan?» Und so funktionieren auch die Isla­misten. Sie suhlen sich in der Rolle des Opfers. Rechtfertigen ihr eigenes Versagen mit religiös verbrämtem Unsinn.

Die Familien der wahren Opfer hingegen ­müssen es sich in der ganzen Terror-Debatte ­gefallen lassen, dass man ihre Werte, ihr ­Ver­halten, ihr Recht auf Unversehrtheit, ihre ­Re­gierungen infrage stellt. Das macht die ­Terroristen erst richtig stark.

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