«Das sieht ja aus wie Blade Runner»

Denis Villeneuve wundert sich selber, wieso er ein Sequel zum Kultfilm gedreht hat.

«Warte mal, soll ich nicht einen Test machen, 
ob ich echt bin oder nicht?»: Regisseur Denis Villeneuve. Foto: PD

«Warte mal, soll ich nicht einen Test machen, ob ich echt bin oder nicht?»: Regisseur Denis Villeneuve. Foto: PD

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Harrison Ford und Ridley Scott streiten sich mal wieder. Es wird richtig laut beim Abendessen, der kanadische Regisseur Denis Villeneuve, der dabeisitzt, denkt zuerst, es sei eine Art Show für ihn. Aber nein, die beiden meinen es ernst. «So ist es», behauptet der eine, «nein, du spinnst, es ist ganz ­anders», erwidert der andere. Der Grund der Auseinandersetzung ist der gleiche seit über 30 Jahren: Ist der «Blade Runner», den Harrison Ford für Ridley Scott verkörperte, ein Mensch. Oder eine Maschine?

Denis Villeneuve, 49, erzählt diese Anekdote, um zu zeigen, wie aktuell das Thema des legendären Films aus dem Jahr 1982 noch immer ist. Das tut er aus gutem Grund, denn er hat das gemacht, was er selber vor einigen Jahren als völlig absurd abgetan hätte: eine Fortsetzung gedreht. Sie trägt den Titel «Blade Runner 2049», spielt 30 Jahre nach dem Original. Die Menschheit ist noch immer von Robotern, die wie Menschen aussehen – sogenannten Replikanten –, bedroht, sie werden jetzt von einem Polizisten namens K. gejagt. Gespielt wird dieser von Ryan ­Gosling, aber Harrison Ford aus dem alten Film ist auf geheimnisvolle Art auch dabei. Als was genau? «Pssst.» Niemand darf etwas verraten vor der Premiere am 4. Oktober.

Seine Liebe zum alten «Blade Runner»

«Excusez-moi», entschuldigt sich Denis Villeneuve in seinem kanadischen Französisch. Und erzählt beim Interview im Hotel Arts in Barcelona stattdessen von seiner Liebe zum alten «Blade Runner» («Das war der erste Film, den ich auf Videokassette besass, ich habe ihn geschaut, bis die ausgeleiert war»). Von seinen jungen Darstellerinnen wie der Schweizerin Carla Juri (er spricht ihren Namen «Schüri» aus). Und eben von den alten Haudegen Ridley Scott und Harrison Ford, deren Mittun und Segen ihm wichtig war.

Der Trailer zum neuen Blade Runner. Quelle: Youtube

Villeneuve hat in Hollywood rasant Karriere gemacht, sie gipfelte letztes Jahr im achtmal für den Oscar nominierten Ausserirdischendrama «Arrival». Zuvor drehte er den Drogenthriller «Sicario» und den Folterkrimi «Prisoners». Ermöglicht hat ihm das seine kanadischen Filme wie «Incendies» und «Maelström». Gemeinsamer Nenner: Es sind alles Ein-Wort-Titel, da passt die «Blade Runner»-Fortsetzung doch nicht wirklich dazu? «Doch, doch», sagt der Regisseur mit seinem gewinnenden Lächeln, «ich habe den Film von Anfang an stets nur ‹2049› genannt.»

«Ich stellte mir den Bösewicht als Rockstar vor»

35 Jahre nach einem Klassiker eine Fortsetzung zu drehen, ist natürlich ein waghalsiges Unternehmen. Zumal Villeneuve behauptet, er hasse Sequels, habe nichts dafür übrig, dass Hollywood sich ständig repetiere, und auch die 1980er-Nostalgiewelle, die zum Beispiel eine Neuversionen von «Ghostbusters» hervorgebracht habe, sei ihm suspekt. «Jetzt bin ich selber Teil von all dem», sagt Villeneuve fast staunend. Und erzählt, wie es war, als er die ersten Aufnahmen seines Films sah: «Das sieht ja aus wie ‹Blade Runner›, dachte ich, aber es ist von mir.» Es sieht, das kann man schon jetzt feststellen, verdammt gut aus. Das Klima hat sich offensichtlich noch einmal verschlechtert: In diesem Los Angeles im Jahr 2049, in dem es im alten Film ständig regnete, gibt es jetzt auch Dürren und Schnee. Dazu kommt ein überdrehter Fiesling, den Jared Leto mit Genuss verkörpert. «Ich stellte mir den Bösewicht immer als Rockstar vor und hatte schon David Bowie kontaktiert, um ihn zu fragen, ob er ihn spielen will. Aber dann kam die traurige Nachricht seines ­Todes», sagt Villeneuve.

Auf welcher Seite stehen Sie, Denis Villeneuve?

Bösewicht hin, betörende Bilder her – im Zentrum auch des neuen Films bleibt die alte Frage, über die Harrison Ford («Der ­Blade Runner ist natürlich ein Mensch») und Ridley Scott («Blödsinn, er ist selber ein Replikant») so gerne streiten. Auf welcher Seite stehen Sie, Denis Villeneuve? «Ich glaube, man soll sich da gar nicht entscheiden. Wer die Romanvorlage von Philip K. Dick liest, wird diesbezüglich total verunsichert, auch gegenüber der eigenen Existenz. Da fragt man sich am Morgen beim Aufwachen automatisch: ‹Warte mal, soll ich nicht einen Test machen, ob ich echt bin oder nicht?›» Echt? Falsch? Bald wissen wir mehr. Denis Villeneuve ist aber zur Zeit der Premiere schon weiter. Er arbeitet an einer weiteren Science-Fiction-Klassiker, an dem sich Ridley Scott einst vergebens versuchte und der dann von David Lynch filmisch in den Sand gesetzt wurde: «Dune» nach dem Romanzyklus von Frank Herbert. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 23.09.2017, 22:48 Uhr

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