Sie bringt den Kerlen Fussball bei

Maisie Williams, die junge Kämpferin aus «Game of Thrones», geht seit ­Jahren ihren eigenen Weg – auch als Steinzeitmädchen im Trickfilm «Early Man».

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In «Game of Thrones» spielt Maisie Williams die jüngste Tochter des Stark-Clans, die eine Rache­liste mit zu massakrierenden Menschen abarbeitet. In «Early Man» leiht sie einem Mädchen aus der Bronzezeit die Stimme, das den Männern Sportlektionen erteilt. Und im richtigen Leben sitzt sie auf einem Sofa im Londoner Hotel Corinthia und sagt: «Eigentlich war ich in der Schule eine Niete in allen Sportarten. Eine Ausnahme bildete der Hochsprung, obwohl ich nur 1,55 Meter gross bin. Da war ich richtig gut.»

Über sich hinausgewachsen ist sie schon lange: Maisie Williams wird in einem Monat 21 Jahre alt, aber sie ist bereits eine gefühlte Ewigkeit im Geschäft. Mit 12 wurde sie für «Game of Thrones» ausgewählt, was fortan ihr Leben bestimmte. Als Arya Stark ist sie eine der Schlüsselfiguren der HBO-Prestigeserie, in der es so viel Sex und Blut gibt, dass ihre Mutter ihr zwar zu Beginn das Mitspielen erlaubte, nicht aber das Anschauen. «Heimlich habe ich es natürlich doch getan. Es hat mich nicht wirklich schockiert, ich war ja dabei, als das alles gedreht wurde, und wusste, wie diese Szenen entstanden.»

Mammuts, eine grunzende Wildsau und . . . Fussball

Für ihren neusten Einsatz gibt es dagegen keine derartigen Bedenken. Maisie Williams spricht ein Mädchen in «Early Man», dem neuen Trickfilm aus dem Aardman-Studio in Bristol. Das ist die Heimat der liebenswerten Plastilin­figuren Wallace & Gromit sowie von Shaun, dem Schaf. Deren Erfinder Nick Park hat im ähnlichen Stil ein Bronzezeitabenteuer gedreht. Es gibt darin Mammuts, frühe Jäger und Sammler, eine grunzende Wildsau und . . . Fussball.

Tatsächlich, in «Early Man» geht es um die Erfindung dieser Sportart: Im Zentrum steht ein Steinzeitstamm, der sich gegen einen übermächtigen Gegner – er hat die Vorteile von Bronzewerkzeugen entdeckt – wehren muss. Die entscheidende Auseinandersetzung findet dabei als Fussballspiel statt. Vielleicht wirkt die grosse Linie dieser Geschichte etwas erzwungen. Aber der Film steckt, wie immer beim britischen Trickfilmstudio, voller köstlicher Details und Albernheiten. «Ich liebe zum Beispiel das Häschen, das immer wieder auftaucht, nicht wirklich zur Geschichte gehört und ein wunderbares Eigenleben führt», sagt Maisie Williams.

Ihre Figur heisst Goona. Sie gehört eigentlich zu den Bösen, wohnt in der dekadenten Bronzestadt und ist ballverrückt. Aber die Männer wollen sie nicht spielen lassen. So kommt sie zum Team des Herausforderers, der von Treten und Kicken keine Ahnung hat. Und bringt den Jungs alles bei.

«Ich sehe anders aus. Das ist sozusagen meine Marke.»Maisie Williams

Aber halt, sieht die kecke Trainerin nicht ein wenig aus wie sie selber, Maisie Williams? «Gut möglich», antwortet sie, «als wir die Stimmen aufnahmen, gab es bloss ein paar Skizzen meiner Figur. Sie haben diese dann immer weiterentwickelt, vermutlich schon in meine Richtung.» Maisie Williams ist nicht die klassische Kinoschönheit, aber sie hat gerade deswegen eine grosse Fangemeinde. «Ich sehe anders aus. Das ist sozusagen meine Marke», weiss sie selber auch. Ursprünglich wollte sie Tänzerin werden. Und wurde auch wegen diesen Qualitäten für die Rolle in «Game of Thrones» ausgewählt: Da ficht sie, reitet, kämpft, alles sehr körperlich.

Eigentlich hat sie ihre ganze Jugend mit der Serie verbracht. «Die Dreharbeiten dauerten neun Monate pro Jahr, aber wir Kinder – ich war ja nicht die Einzige – fühlten uns geborgen dort. Es hat mich erstaunt, als mir andere Schauspielerinnen erzählten, was von ihnen erwartet wurde, damit sie Karriere machen können. Das war mitnichten meine Erfahrung. Aber all die #MeToo-Geschichten haben mich nur hungriger gemacht für sorgfältiger ausgewählte Rollen.»

Eine junge Frau, die sich in einen Wolf verwandelt

Nun steht ja «Game of Thrones» nicht gerade für politisch korrekten Umgang unter den Geschlechtern, im Gegenteil. «Stimmt, es gibt darin viele Frauen, die erniedrigt und missbraucht werden», sagt Maisie Williams. «Aber schliesslich geht es um Krieg, und da geht es vielen Frauen schlecht. Was aber von Kritikern zu Beginn übersehen wurde: Die besten Figuren der Serie sind weiblich. Oder nicht?»

Selbstverständlich, Arya Stark! Wer würde es wagen, der Kämpferin zu widersprechen. Und ihre Trickfilm-Goona ist wirklich eine wunderbare Erweiterung des Aardman-Universums. «Ich habe sie sofort ins Herz geschlossen, weil sie so speziell aussieht», sagt Maisie Williams. Ihr sei aufgefallen, dass sonst viele weibliche Figuren in Trickfilmen – auch in solchen für Kinder – auf attraktives Aussehen getrimmt würden: «Weshalb müssen sogar Goldfische sexy sein?», fragt sie rhetorisch.

Unterdessen ist sie aber längst zurück in der «Game of Thrones»-Welt. Die letzte Staffel wird noch gedreht, mit der Ausstrahlung im Jahr 2019 wird dieses Abenteuer zu Ende sein. Und dann? «Endlich frei», sagt sie lachend. Wirklich? Unterdessen hat sie einen Vertrag für «New Mutants» unterschrieben, einen Ableger der «X-Men»-Kinoserie. Auch da wird ihre Erscheinung zu reden geben: Sie spielt eine junge Frau, die sich in einen Wolf verwandeln kann.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 11.03.2018, 15:17 Uhr

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