Coop-Gratiskreditkarte bekommt Konkurrenz

Fast eine halbe Million Schweizer nutzt die Supercardplus – ein lukratives Geschäft für die Anbieter.

Zahlen mit Plastikgeld: Die Supercardplus von Coop ist eine der meistgenutzten Kreditkarten der Schweiz. (Archivbild)

Zahlen mit Plastikgeld: Die Supercardplus von Coop ist eine der meistgenutzten Kreditkarten der Schweiz. (Archivbild)

(Bild: Keystone Christian Beutler)

Laura Frommberg@lfrommberg

Sie sind in der Konsumwelt so etwas wie Ghostwriter in der Literatur oder Stunt-Leute im Filmgeschäft: Kreditkartenherausgeber sind der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt und doch sind sie unentbehrlich. Auf dem Plastikgeld ist ihr Name nicht dick auf die Vorderseite aufgedruckt – da steht prominent derjenige einer Bank, einer Organisation oder eines Handelsunternehmens.

Firmen wie Swisscard, Cembra, Cornèr, Viseca, Topcard und andere müssen sich in der Regel mit einem Mini-Hinweis auf der Rückseite begnügen, obwohl sie für den reibungslosen Ablauf von Millionen von Zahlungen verantwortlich sind.

442'000 Menschen nutzen die Supercardplus

So auch auf der Supercardplus. Rund 442'000 Menschen nutzten 2017 die Gratis-Kreditkarte, die mit dem Bonuspunktesystem von Coop verbunden ist. Herausgegeben wird sie von Swisscard – oder besser: wurde.

Denn das Gemeinschaftsunternehmen von Credit Suisse und American Express hat den lukrativen Auftrag des Detailhändlers nach zwölf Jahren verloren. Anfang November gab Coop bekannt, dass die Supercardplus-Kreditkarten künftig von der Swisscard-Konkurrentin Topcard, einer Tochter der UBS, herausgegeben werden.

Das ist für Swisscard schmerzhaft. Die Supercardplus ist nach der Cumulus-Kreditkarte der Migros die meistgenutzte der Schweiz. Umsatzzahlen gibt das Unternehmen mit Sitz in Horgen ZH zwar keine bekannt. Es wirbt aber damit, dass es derzeit «über 1,5 Millionen Kreditkarten» im Umlauf hat. Der Supercardplus-Auftrag macht also fast 30 Prozent des Volumens aus.

Wie hoch die Umsatzeinbusse für Swisscard ausfallen wird, lässt sich noch nicht sagen. Ihre Supercardplus-Karten bleiben weiter gültig – entweder bis zum Ablaufdatum oder bis spätestens Ende Oktober 2020. Darauf wies die Finanzfirma die Nutzer in einem gesonderten Mail extra hin – das zeigt, wie wichtig das Supercardplus-Geschäft für die Firma ist. «Die Kunden sollen die Gewissheit haben, dass sie weiterhin eine funktionsfähige, weltweit einsetzbare Kreditkarte haben», begründet ein Sprecher.

Konkurrenz-Angebot mit Apple Pay

Und auch in der Zeit danach will das Unternehmen die bisherigen Inhaber bei der Stange halten. Swisscard bietet ihnen eine neue Karte an, die der Supercardplus nicht nur ähnelt. Sie ist ebenfalls gratis und beinhaltet ein Bonusprogramm. «Gebührentechnisch sind die Karten ähnlich», kommentiert Benjamin Manz, Geschäftsführer des Vergleichsdienstes Moneyland. Bezüglich Leistungen sei die neue Cashback-Kreditkarte von Swisscard leicht im Vorteil. Mit dieser lassen sich auch Apple Pay und Samsung Pay nutzen.

Vielen Kunden scheint aber der Schriftzug Supercardplus auf der Kreditkarte wichtig zu sein – darauf lassen zumindest die Anträge bei der neuen Herausgeberin schliessen. Wer derzeit bei Topcard anruft, hört eine automatische Ansage, die darauf hinweist, dass es aufgrund enorm vieler neuer Anträge zu längeren Wartezeiten kommen kann.

Topcard hat «unzählige Anfragen» erhalten

Bei der UBS bestätigt man, dass die Nachfrage nach den Supercardplus-Kreditkarten hoch ist. «Wir haben bereits unzählige Anfragen erhalten», sagt ein Sprecher. «Topcard hat deshalb ihre Ressourcen zur Abwicklung der Anfragen unmittelbar angepasst, um möglichst zeitnah die Karten ausliefern zu können.»

Um wie viel Geld es genau geht, lässt sich nur durch den Vergleich mit der Konkurrenz erahnen. Die Cumulus-Kreditkarten der Migros werden von der Cembra Money Bank herausgegeben. Diese hat laut eigener Aussage insgesamt fünf Partner und etwa 800'000 Karten im Umlauf, die Migros ist mit Abstand die grösste Partnerin. Die Erträge aus Zinsen sowie Kommissionen und Gebühren im Kreditkartengeschäft beliefen sich im Jahr 2017 zusammengerechnet auf rund 136 Millionen Franken.

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