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Chefjob bei Schweiz Tourismus: Luzern tritt gegen Zürich an

Die Direktoren von zwei grossen Ferienregionen wollen Jürg Schmids Nachfolger werden.

Erwägen eine Bewerbung: Marcel Perren von Luzern Tourismus (l.) und Martin Sturzenegger von Zürich Tourismus. Fotos: PD
Erwägen eine Bewerbung: Marcel Perren von Luzern Tourismus (l.) und Martin Sturzenegger von Zürich Tourismus. Fotos: PD

Nächste Woche tagt der Vorstand von Schweiz Tourismus. Die Nachfolge des scheidenden Direktors Jürg Schmid wird auch auf der Agenda stehen. Denn es sieht ganz danach aus, dass aus dem Innern des Vorstandes Kandidaturen für den Job als Cheftouristiker der Schweiz entstehen. Gemäss verlässlichen Informationen ist Marcel Perren, erst seit kurzem im Vorstand vertreten, ernsthaft daran interessiert, Schmid zu beerben.

Der gebürtige Walliser Betriebsökonom HWV ist seit zehn Jahren Chef von Luzern Tourismus. Er steht also einer der wichtigsten touristischen Destinationen vor und hat diese in den letzten Jahren erfolgreich weiterentwickelt. Luzern wurde im Dezember vom Forschungsinstitut BAK Basel in einer Studie zur erfolgreichsten Ferienregion des gesamten Alpenraums gewählt.

Das ausgeschriebene Stellenprofil dürfte Perren erfüllen. Heikel ist seine Kandidatur vor allem wegen seiner Rolle im Vorstand. Solch eine Konstellation gab es noch nie in der Geschichte von Schweiz Tourismus. Perren muss ab sofort in den Ausstand, wenn es um das Thema Schmid-Nachfolge geht. Zudem besteht die Gefahr, dass der Vorstand zu seiner Bewerbung nicht dieselbe Distanz hat wie zu anderen. Das Auswahlverfahren müsste genau geregelt werden.

Clevere Zurückhaltung

Doch der attraktive und mit einem Fixlohn von rund 310'000 Franken bezahlte Job als Direktor wird nicht alle Tage frei, Perren wird dieses Jahr 50. Der Zeitpunkt ist also günstig. Dazu äussern will er sich nicht. «Ich mache meinen Job in Luzern sehr gern», sagt er nur.

Zurückhaltung ist sicher clever. Denn Perren, der Schmid durchaus kritisch begleitete, kann sich seiner Sache noch längst nicht sicher sein. In den Start­löchern stehen andere valable Kandidaten – insbesondere aus den Reihen regionaler Tourismusdirektoren. So erwägt dem Vernehmen nach der Zürich-Tourismus-Chef Martin Sturzenegger eine Bewerbung. Er will das nicht kommentieren. In der Branche wird er jedoch als aussichts­reicher Kandidat gehandelt – mit besten Referenzen.

Der Mittvierziger war bereits in der Geschäftsleitung der Rhätischen Bahn für das Marketing zuständig, baute bei den SBB den Online-Verkauf aus und war einst für die Swissair tätig. Er studierte Betriebswirtschaft und gilt als Marketingprofi mit hoher Sozialkompetenz. Sein Leistungsausweis seit 2013 ist positiv: Die Logiernächte stiegen trotz kriselnder Branche stetig.

Egloff und Ehrat wiegeln ab

Auch im Gespräch: der Basler Tourismusdirektor Daniel Egloff. Er wiegelt ab. Er habe in Basel eine faszinierende, fordernde Aufgabe, die grosse Freude bereite. Zudem stünden einige grössere Projekte an. «Insofern strebe ich keinen Wechsel an.» Namen potenzieller Kandidatinnen werden eher spärlich gehandelt.

Ex-Skirennfahrerin Ariane Ehrat, bis vor kurzem Tourismusdirektorin von Engadin St. Moritz, nimmt Abstand von einer Bewerbung. Sie sei nicht angefragt worden und wolle sich in eine andere Richtung bewegen.

Auch der eine oder andere interne Kandidat dürfte erwägen, seinen Hut in den Ring zu werfen – wenngleich die Chancen bei Kennern der Organisation eher als mager beurteilt werden.

Ausbau der Wachstumsmärkte

Vizedirektor Urs Eberhard, Jahrgang 1957, dürfte schon aus Altersgründen nicht für den Job infrage kommen. Den weiteren Geschäftsleitungsmitgliedern und Länderchefs fehle Schmids Flughöhe, so der Tenor. Für den Job brauche es eine ausgeprägte kommunikative Persönlichkeit, mit guten Kontakten in die Politik und der Fähigkeit, die verschiedenen Sprach- und Kulturräume zu vereinen, heisst es aus dem Vorstand. Die Herausforderungen sind vielfältig: Im Vordergrund stehen das Lobbying in Bern und die Umsetzung der nationalen Marketingstrategie in den touristischen Regionen. Aber auch die Digitalisierung und der weitere Ausbau der ausländischen Märkte, vor allem der rasch wachsenden Schwellenländer, sind wichtig.

Der Personaldienstleister Spencer Stuart soll der Findungskommission, bestehend aus Präsident Jean-François Roth, Vizepräsidentin Catherine Mühlemann, Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer und dem Hotellerie­ suisse-Vertreter Jörg Arnold, in rund einem Monat eine erste Liste mit Namen präsentieren. Die Wahl sei auf Spencer Stuart gefallen, weil das Unternehmen auch Bewerber aus der Westschweiz optimal betreuen könne, heisst es bei Schweiz Tourismus.

Gegen Ende Oktober soll dann der Entscheid fallen. Tourismus­erfahrung ist laut Stelleninserat zwar von Vorteil, jedoch keine Voraussetzung. Insofern dürften auch zahlreiche branchenfremde Dossiers eintreffen. Schon Jürg Schmid kam als Marketingexperte ohne Tourismushintergrund vom Software-Unternehmen Oracle zu Schweiz Tourismus. Vielleicht wiederholt sich die Geschichte, und es nimmt erneut ein Quereinsteiger Platz.

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