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Boulevard des Proletariats

Die Geschichte des «Blicks» ist auch die Geschichte der Schweiz.

Der «Blick» ist ein Stück Schweizer Geschichte. Bundesrat George-Andre Chevallaz liest Zeitung. Foto: Keystone
Der «Blick» ist ein Stück Schweizer Geschichte. Bundesrat George-Andre Chevallaz liest Zeitung. Foto: Keystone

An einem frühen Morgen im November 1964 erfuhr Fibo Deutsch, damals ein sehr junger Reporter beim «Blick», dass sich in Esslingen ein Autounfall ereignet hatte. Deutsch fuhr hin, bald wurde klar, dass es kein Unfall wie jeder andere war, sondern ein schlimmer, am Ende tödlicher mit einem berühmten Opfer: Hugo Koblet, einer der besten und wohl auch elegantesten Velofahrer der Schweizer Geschichte, war mit seinem Alfa Romeo in einen Baum gekracht, einen Tag später erlag er seinen schweren Verletzungen. Er war 39 Jahre alt. Sein Tod schien seltsam. Warum war Koblet direkt in einen allein stehenden Birnbaum ­gefahren? Die Kurve krümmte sich nur leicht, die Sicht war frei, der Morgen jung, also Koblet wohl nüchtern, sodass Deutsch ein Verdacht beschlich. Hat er sich umgebracht? Gründe konnte man sich ausmalen: Deutsch wusste, dass Koblets Tankstelle in Oerlikon vor dem Bankrott stand, seine Freundin, die schöne Sonja, ein Model, war im Begriff, sich von ihm zu trennen, die sportliche Karriere lag weit ­zurück. «Koblet befand sich auf dem absteigenden Ast», sagt mir Deutsch heute. Alles schien zu passen, doch nichts war bewiesen. Täuschte sich Deutsch? Von der Polizei war keine Hilfe zu erwarten, die Beamten standen herum und taten so, als wäre nichts Besonderes vorgefallen, und einem Reporter des «Blicks», also eines Monsters von einer Zeitung, die man am liebsten verboten hätte in jenen Jahren der anständigen Schweiz, sagte man schon gar nichts.

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