Verhandeln, planen, fliegen

Edelweiss ermöglicht Nonstopflüge zu entlegenen Zielen. Bis eine neue Verbindung steht, ist aber Geduld gefragt.

Ab auf die Seychellen oder nach Mauritius: Edelweiss bietet auch Direktflüge zu abgelegenen Ferienparadiesen an.

Ab auf die Seychellen oder nach Mauritius: Edelweiss bietet auch Direktflüge zu abgelegenen Ferienparadiesen an.

Christoph Ammann@sonntagszeitung

Kapstadt und Cancún, die Seychellen und die Malediven: Edelweiss Air fliegt total 21 Langstrecken-Ferienziele an. Die Mitte der Neunzigerjahre vom Reiseveranstalter Kuoni gegründete Fluggesellschaft hat sich zuletzt innerhalb der Lufthansa-Gruppe zu einem wichtigen Player entwickelt und das Langstreckennetz massiv ausgebaut. «Für uns stimmt das Portfolio von Edelweiss», sagt Nicole Pfammatter, Director Touroperating bei Hotelplan.

Die Fluggesellschaft, die im interkontinentalen Verkehr ab Zürich sechs Maschinen des Typs A330 und A340 einsetzt, schaffte das Unmögliche und fliegt mit den Seychellen und Mauritius jene Ferienziele an, die sich dem Massentourismus lange verwehrten. Statt über Paris, Dubai oder Doha reist der Schweizer Passagier nun nonstop zu den Inseln vor der afrikanischen Küste. Edelweiss-Verbindungen, etwa nach Buenos Aires, Costa Rica, Vietnam oder Phuket, können als normale Linienflüge über die gängigen Portale gebucht werden; die Reiseveranstalter sichern sich für ihre Pauschalangebote Sitzplatzkontingente. «Die Kunden schätzen bei Edelweiss vor allem den Mehrwert des Direktfluges», bestätigt Pfammatter. «Zudem fliegen speziell Golfer und Taucher gern mit dieser Airline, weil sie das Sportequipment gratis transportiert.»

Dass Flüge mit Maschinen namens Glacier 3000 oder Melchsee-Frutt in der Regel teurer sind, nimmt der Schweizer Gast anstandslos hin. «Für Nonstopflüge wird etwas mehr bezahlt», bilanziert Markus Flick, Sprecher von DER Touristik Suisse (Kuoni, Helvetic Tours). Er lobt die Zusammenarbeit mit Edelweiss: «Wir stehen in engem Austausch mit demManagement, um Themen wie die Aufnahme von neuen Flugstrecken zu besprechen.»

Der Prozess für eine neue Strecke dauert bis drei Jahre

Bis Edelweiss eine zusätzliche Fernstrecke ins Programm nimmt, ist jedoch Geduld gefragt. Der ganze Prozess kann bis zu drei Jahre dauern. Zum Herzstück jeder Expansion des Streckennetzes wird der sogenannte Business Case, in dem die erwarteten Passagier-zahlen und Durchschnittspreise den prognostizierten Kosten gegenüberstehen. «Im Fall eines positiven Case prüfen wir imDetail, ob mit den vorhandenen Flugzeugtypen die potenzielle neue Destination angeflogen werden kann», sagt Lucas Imbach,Senior Manager Corporate Development bei Edelweiss.

Der Kriterienkatalog für Destinationen ist anspruchsvoll und enthält etwa aktuelle Zahlen zuPassagierströmen, Einreise- oder Übernachtungsstatistiken des betreffenden Landes. «Zudem verfolgen wir Trends im Reiseverhalten, Investitionen in die Infrastruktur, politische und wirtschaftliche Gegebenheiten und Veränderungen», erläutert Imbach. Um den Segen der Konzernzentrale in Frankfurt zu erhalten, braucht es interne Absprachen mit den anderen Airlines der Gruppe. Offenbar hat der Edelweiss-Erfolg der Verbindung nach Las Vegas nun die konzerneigene Billiglinie Eurowings ermuntert, selber Direkt-flüge nach Las Vegas aufzulegen.

Konkret lässt sich die Edelweiss-Führung bei der Planung aber nicht in die Karten blicken. Imbach: «Die Abklärungen sind ein laufender Prozess, Destinationen mit Potenzial bleiben über längere Zeit auf dem Radar.»

Dabei kommen aus der Reisebranche konkrete Wünsche: «Wir würden eine ganzjährige Verbindung auf die Malediven begrüssen», sagt Thomas Meier, Geschäftsführer von Manta Reisen. «Schade, dass Edelweiss nur von Oktober bis April nach Malé fliegt.» Meier konstatiert, dass die ganz auf Swissness getrimmte Airline im Vergleich zur direkten Konkurrenz «ein Produkt auf sehr hohem Niveau» bietet – etwa die neue Business Class und die Zwischenklasse Economy Max. Generell wünscht sich Meier aber «etwas weniger Kostendruck bei den Airlines und ein paar Zentimeter mehr Beinfreiheit in der Economy Class».

www.flyedelweiss.com

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