Aus Versehen Drogen im Gepäck

In manchen Ländern sind Hustensirup oder starke Schmerzmittel verboten. Experten empfehlen, sich im Vorfeld genau zu erkundigen.

Röntgenstrahlen bringen am Zoll die Pillen ans Licht. Foto: Getty Images

Röntgenstrahlen bringen am Zoll die Pillen ans Licht. Foto: Getty Images

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Im Oktober 2017 geriet die Engländerin Laura Plummer in eine Zollkontrolle am Flughafen Hur­ghada. Zwei Wochen Ferien am Roten Meer hatte die 33-jährige Verkäuferin geplant, um ihren ägyptischen Mann zu besuchen. Weil dieser seit einem Autounfall unter heftigen Rückenschmerzen leidet, hatte Plummer gut 300 Tabletten des starken Schmerzmittels Tramadol im Gepäck.

Sie hatte die Medizin in England bezogen und keine Ahnung, dass sie sich damit in Ägypten strafbar machte. Sie war, wie englische Zeitungen berichteten, geschockt und überrascht, als die ägyptische Polizei sie noch am Flughafen Hurghada verhaftete.

Kein Kavaliersdelikt

Wer Medikamente in die Ferien mitnimmt, sollte sich bewusst sein, dass es je nach Land ganz unterschiedliche Bestimmungen gibt, welche Substanzen man ohne Schwierigkeiten einführen darf – und welche nicht. Egal, ob man ein Medikament vom Arzt verschrieben erhält oder – wie im Fall Laura Plummers – es für jemanden mitnimmt.

Probleme kann es sogar mit Medikamenten geben, die man in der Schweiz ohne Rezept in der Apotheke kauft: Hustensirup beispielsweise, der Codein enthält, kann in anderen Ländern unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Und weil mancher Staat bei allem, was sich als Droge missbrauchen liesse, sehr streng durchgreift, ist auch die versehentliche Mitnahme kein Kavaliersdelikt; schlimmstenfalls kann so etwas mit einer längeren Gefängnisstrafe enden.

Auf der Website des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten finden Reisende in den Länderinformationen teilweise weitere Angaben zu verbotenen Substanzen. Sie gehen bei den Arzneimitteln jedoch nicht immer ins Detail. «Wir empfehlen, dass sich die Reisenden im Vorfeld an die Botschaft des Ziellandes wenden», sagt Daniele Bersier von der Schweizer Heilmittelbehörde Swissmedic. Dort könne man genau erfahren, für welche Substanzen im Reiseland strengere Vorschriften gelten.

Vom Arzt verfasstes Attest mitnehmen

Dabei sind es nicht nur Husten- oder Schmerzmittel, die Probleme bereiten können. Selbst Ritalin, das Kinder mit der Diagnose ADHS einnehmen, klassifizieren manche Länder als Droge. Die Bade­ferien mit der Familie könnten dann schnell in einem Drama enden, wenn Vater oder Mutter am Flughafen hängen bleiben. Psychopharmaka und Beruhigungsmittel, die manche Flugangst­geplagte einsetzen, um es überhaupt an den Zielort zu schaffen, unterstehen in gewissen Ländern ebenfalls strengen Vorschriften.

Wer auf verschreibungspflichtige Medikamente angewiesen ist, sollte das Rezept seines Arztes mitnehmen und bei heikleren Sub­stanzen zudem eine – möglichst auf Englisch verfasste – Beschei­nigung des Arztes, dass die Sub­stanz medizinisch nötig ist. Im Internet findet man Vorlagen für solche Bescheinigungen, oder man erkundigt sich beim Arzt.

Vorsicht walten lassen sollte man ebenfalls, wenn man aus medizinischen Gründen Einwegspritzen mit sich führt – beispiels­weise, um wegen des Flugs Blutverdünner zu spritzen. Auch das sollte man sich vom Arzt schriftlich bestätigen lassen. Die Experten raten ausserdem, die Medikamente in ihrer Originalverpackung zu belassen und nicht nur die Tablettenstreifen mitzunehmen. Eine ganz schlechte Idee ist es, die Pillen aus dem Streifen zu lösen und in einem Beutel mit allerlei, für den Zollbeamten nicht zu identifizierenden Tabletten zu vermischen. Selbst wenn die Reisevorbereitung etwas komplizierter als erwartet ausfällt, raten die Fachleute davon ab, die benötigten Medikamente erst am Zielort einzukaufen. Viele Arzneien haben in anderen Ländern nicht die gleichen Markennamen oder sind genauso rezeptpflichtig.

Bei der Rückkehr ist ebenfalls einiges zu beachten

An gewisse Regeln hat man sich nicht nur vor der Reise zu halten; besondere Vorschriften gelten auch bei der Rückkehr in die Schweiz. Zahlreiche Touristen lassen sich zum Beispiel von günstigen Medikamentenpreisen im Ausland locken – Supermärkte in den USA etwa verkaufen Schmerzmittel gleich in Grosspackungen, und in vielen Ländern bekommt man ein Medikament günstiger als in der Schweiz. Doch auch wenn solche Angebote verlockend sind: Einen Jahresvorrat darf man nicht mit nach Hause nehmen. «Als Grundregel gilt, dass man eine Monatsdosis eines Medikaments in die Schweiz einführen darf», sagt Bersier.

Die Geschichte von Laura Plummer übrigens hat kein glückliches Ende genommen: Ein ägyptisches Gericht verurteilte die junge Frau im Dezember zu drei Jahren Gefängnis wegen Drogenschmuggels. Ihre Strafe sitzt Plummer nun in einem Gefängnis in Kairo ab.

* Dieser Artikel erschien erstmals am 24. Juni 2018 in der SonntagsZeitung.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 25.06.2018, 16:53 Uhr

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