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Massaker von SrebrenicaSommaruga und Cassis gedenken der Opfer

In einer Videobotschaft spricht die Bundespräsidentin über die Traurigkeit und das Entsetzen des Massakers. Der Aussenminister erinnert an die Mitverantwortung der internationalen Gemeinschaft.

Simonetta Sommaruga lobte auch die Schritte, die zur Versöhnung unternommen wurden.
Simonetta Sommaruga lobte auch die Schritte, die zur Versöhnung unternommen wurden.
Quelle: Eidg. Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation

Die Bundesräte Simonetta Sommaruga und Ignazio Cassis haben am Gedenktag des Massakers von Srebrenica vor 25 Jahren an die über 8000 Opfer erinnert. Es müsse verhindert werden, dass sich solche Gräuel wiederholten und aus der Vergangenheit gelernt werden.

Die Traurigkeit und das Entsetzen über das Massakers sitze nach wie vor tief, teilte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga am Samstag in einer Videobotschaft mit.

Es brauche Mut, Ausdauer und Zeit, um das Erbe dieser Gräueltaten aufzuarbeiten. Die Schritte, die zur Versöhnung unternommen wurden, seien lobenswert. Vergangenheitsbewältigung bedeute, sich aufrichtig und gemeinsam darum zu bemühen, Fakten zu ermitteln und zu einem gemeinsamen Verständnis der Ereignisse zu gelangen.

Es sei essentiell, die Ungerechtigkeit und das Leid der Opfer auf allen Seiten anzuerkennen und die Urheber dieser Verbrechen zur Rechenschaft zu ziehen. Dieser Prozess müsse unterstützt werden, so Sommaruga.

Damit sich solche Gräuel nicht wiederholten sei jeder Staat in der Pflicht. Wichtig ist laut Bundespräsidentin, dass Toleranz, Achtung von Minderheiten und Rechtsstaatlichkeit in einem demokratischen Rahmen gefördert wird.

Internationale Gemeinschaft laut Cassis mitschuldig

Auch Bundesrat Ignazio Cassis äusserte sich am Gedenktag in einem Gastkommentar in der «Neuen Zürcher Zeitung». Die kollektive Trauerverarbeitung durch die strafrechtliche Verfolgung der Täter sei von grosser Bedeutung.

Diese schaffe Gerechtigkeit für die Opfer und ermögliche die kollektive Auseinandersetzung mit dem Geschehenen. Deshalb setze sich die Schweiz mit Nachdruck dafür ein, dass die Unabhängigkeit der internationalen Strafjustiz gewährleistet bleibt.

Mitschuldig habe sich aber auch die internationale Gemeinschaft gemacht, die passiv zugeschaut habe, wie eine vielfältige Gesellschaft in Europa gewaltsam gespalten worden sei, so der Aussenminister. Das Massaker sei deshalb auch ein Mahnmal für die Mitverantwortung der internationalen Gemeinschaft.

Der Aufarbeitsungsprozess sei auch für die Schweiz von grosser Bedeutung, da sie gesellschaftlich und geografisch eng mit dem Westbalkan verbunden sei. Rund eine halbe Million Menschen mit Wurzeln in dieser Region lebten heute «bei uns und mit uns», schreibt Cassis. Es sei deshalb im Interesse der Schweiz, einen Beitrag an die Stabilität und die Entwicklung der Region zu leisten.

Die Schweiz hat bereits mehrere mutmassliche Kriegsverbrecher an ihren Heimatstaat ausgeliefert.

Bei dem Massaker im ostbosnischen Srebrenica waren vom 11. Juli 1995 an etwa 8000 muslimische Männer und Jungen von bosnisch-serbischen Verbänden ermordet worden. Die im Bosnienkrieg (1992-1995) verübte Gräueltat gilt als der erste Völkermord auf europäischem Boden seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945.

Gedenkfeier in Bosnien

Bei einer Trauerfeier in der Opfergedenkstätte Potocari haben Bosnien-Herzegowina und politische Vertreter aus aller Welt des Massakers von Srebrenica vor 25 Jahren gedacht.

Hinterbliebene der Opfer, bosnische Spitzenpolitiker und ausländische Diplomaten legten Blumen am Denkmal nieder. Hohe ausländische Staatsgäste konnten wegen der Corona-Pandemie nicht kommen – dafür gab es Video-Botschaften, etwa von UNO-Generalsekretär António Guterres, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Bundespräsident Walter Steinmeier und US-Aussenminister Mike Pompeo.

Trauerfeier in der Opfergedenkstätte Potocari.
Trauerfeier in der Opfergedenkstätte Potocari.
Foto: Keystone

Bei dem Massaker im ostbosnischen Srebrenica waren vom 11. Juli 1995 an etwa 8000 muslimische Männer und Jungen von bosnisch-serbischen Verbänden ermordet worden. Die im Bosnienkrieg (1992-1995) verübte Gräueltat gilt als der erste Völkermord auf europäischem Boden seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945.

Steinmeier sagte in seiner Video-Botschaft: «Erinnern an das Leid und den Schmerz ist ein zentraler Baustein für Versöhnung.» Die strafrechtliche Aufarbeitung der Geschehnisse sei dafür unumgänglich, zugleich gelte es aber auch, «neue Brücken zu bauen, wo alte zerstört wurden".

Die Vorsitzende des Opferverbandes Mütter von Srebenica, Munira Subacic, forderte auf der Gedenkfeier Gesetze in Bosnien, die die Leugnung des Völkermords unter Strafe stellen. «Ohne Wahrheit und Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden», sagte sie.

Das Internationale Jugoslawien-Tribunal in Den Haag (ICTY) verurteilte die zwei Hauptdrahtzieher des Massakers, den damaligen bosnisch-serbischen Präsidenten Radovan Karadzic und den damaligen bosnisch-serbischen Armeeführer Ratko Mladic wegen Völkermords zu langen Haftstrafen. Spitzenpolitiker im serbischen Landesteil von Bosnien, der Republika Srpska, leugnen den Genozid bis heute.

SDA

1 Kommentar
    Hans Meier

    Frau Somaruga und Herr Cassis, hören Sie doch bitte mit dieser Heuchlerei auf und bekennen Sie doch mal Farbe! Was braucht es denn noch?