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Ask-Force – Forstmeister und Borkenkäfer Soll man sich die Sorgen selber machen?

Wenn der Borkenkäfer im Wald seinem Vernichtungswerk nachgeht, wird der Forstmeister von Sorgen geplagt. Strittig ist, wer diese Sorgen «produziert».

Nathalie Guinand

Unser Leser P. G. (keine Verwandtschaft mit dem gefürchteten Zusatz in Zeugnissen mit der Bedeutung «Promotion gefährdet») hat in seinem Leibblatt «Bund» gelesen, dass sich ein Forstmeister Sorgen über den Zustand des Waldes macht. Im Interview stiess er aber dann auf die Frage: «Hat Ihnen vor allem der Borkenkäfer Sorgen gemacht?» Das wiederum löste bei unserem Leser Verwirrung aus: «Wer hat nun die Sorgen gemacht: der Forstmeister selber oder doch eher der Borkenkäfer?»

Es scheint uns, dass die Herstellung von Sorgen ein typischer Fall von Arbeitsteilung ist. Der Käfer frisst Holz und verwandelt dieses in den Rohstoff Sorgen. Für die Veredelung, den «Swiss Finish», ist der Forstmeister zuständig. Nun mag man einwenden, dass sich bei einem Rencontre zwischen Forstmeister und Borkenkäfer eher das Tierchen Sorgen machen müsste. Denn der Mensch stellt Fallen auf und ist mit Motorsägen bewaffnet.

P. G. bemerkt weiter, es scheine «nicht lebensfördernd, sich die Sorgen selber zu machen, wenn doch andere – nicht nur Borkenkäfer – für uns schwere Sorgen produzieren oder eben machen». Ob Sorgen das Leben verkürzen, wissen wir nicht, es gibt keine belastbaren Studien. Beim Sorgenmachen sollte man aber unbedingt auf die Mitmenschen vertrauen, sehr viele leisten einen unverzichtbaren Beitrag. Blicken wir in die Welt hinaus, so sehen wir, dass Sorgen keine Mangelwaren sind. Sie werden auf Vorrat hergestellt und sind sehr lange haltbar. Trotzdem herrscht vielerorts eine bedenkliche Sorglosigkeit – sei es, dass einer beim Autofahren auf dem Handy herumtippt, sei es, dass ein anderer bei Rot über die Strasse schlendert. Wenn sich die Wege dieser Menschen kreuzen, kann es zu einem Zusammentreffen kommen, dass die Sorgen mehrt.

Man kann argumentieren, dass die Tätigkeit der Borkenkäfer auch etwas Gutes habe. Die Wald-Philosophen (Silvatiker genannt) formulieren es als Baum-Paradoxon: Gesetzt, es ist möglich, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen, müsste man den Wald dann nicht umso besser sehen, je weniger Bäume es gibt? Wenn die Fichten dem Borkenkäfer zum Opfer fallen, wird der Wald umso sichtbarer. Unter Umständen sehen die Silvatiker den Wald sogar dann, wenn er nicht mehr da ist.

Die Ask-Force beantwortet Ihre Fragen stets überaus sorgfältig: askforce@derbund.ch