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Geldblog: Leserfrage zum InvestmentSoll ich in Barrier Reverse Convertibles investieren?

Unser Experte sagt, wie dieses selten thematisierte Finanzinstrument funktioniert und wann Vorsicht geboten ist.

Risiko-Anlage oder sinnvolle Depotergänzung: Nur wer sich mit Barrier Reverse Convertibles auskennt, kann davon profitieren.
Risiko-Anlage oder sinnvolle Depotergänzung: Nur wer sich mit Barrier Reverse Convertibles auskennt, kann davon profitieren.
Illustration: Christina Baeriswyl

Was halten sie von Barrier Reverse Convertibles? Zum Teil werden diese mit sehr hohen Zinscoupons, kurzer Laufzeit und tiefer Barriere angeboten. In ihren Empfehlungen sind nie solche aufgelistet. Muss ich daraus schliessen, dass sie solche Anlageinstrumente nicht empfehlen? Wenn nein, was spricht aus ihrer Sicht gegen ein Investment? Ich persönlich finde diese Produkte eine interessante Ergänzung zu allen anderen Anlageprodukten wie Aktien, Immobilien und so weiter. Leserfrage von J.S.

Für mich gibt es nicht generell gute und generell schlechte Finanzinstrumente. Entscheidend ist für mich die Frage, von wem und für welchen Zweck ein entsprechendes Produkt eingesetzt wird. Barrier Reverse Convertibles halte ich für grundsätzlich sinnvolle Instrumente zur Renditeoptimierung. Sie zeichnen sich selbst in der aktuellen Phase rekordtieferer Zinsen durch einen meist hohen, attraktiven Coupon aus. Weiter weisen sie eine feste Laufzeit auf und sind an einen oder oft auch mehrere Basiswerte wie Aktien oder Indices gekoppelt. Die Zinsen, die man mit diesen Instrumenten realisieren kann, liegen derzeit zwischen fünf und zehn Prozent pro Jahr, was man ansonsten nur mit hoch riskanten Anleihen erreichen würde.

Positiv ist auch, dass der Zins unabhängig von der Entwicklung des Basiswertes zur Auszahlung kommt. Den hohen Zins hat man auf sicher. Positiv stufe ich auch die Tatsache ein, dass die Instrumente einen gewissen Kapitalschutz bieten. Die Basiswerte sind mit einer Barriere ausgestattet, die bei der Ausgabe unter dem aktuellen Kurs liegt. Falls aber der Kurs der Basiswerte steigt und sich am Ende der Laufzeit über den Anfangskurs bewegt, erhält man diesen Mehrwert nicht, sondern nur die ursprünglich getätigte Investitionen und den garantierten Zins pro Jahr.

Das alles klingt schon mal gut. Natürlich hat die Sache einen Haken: Wie Sie wissen, bekommt man den ursprünglich getätigten Investitionsbetrag am Ende der Laufzeit nicht mehr vollumfänglich ausbezahlt, falls einer der Basiswerte die ursprünglich festgelegte Barriere berührt oder unterschreitet. In diesem Fall bekommt man den Basiswert mit der schlechtesten Entwicklung ausgeliefert oder den verbleibenden Gegenwert ausbezahlt. Entweder hat man dann einen Verlust realisiert oder man sitzt auf Aktien, die vom Markt aus irgendeinem Grund abgestraft wurden. Unter Umständen muss man dann jahrelang warten, bis sich der entsprechende Wert wieder erholt oder er erholt sich gar nicht mehr auf den Ursprungskurs.

Barrier Reverse Convertibles mit tiefen Barrieren sind derzeit eher attraktiv als noch vor dem Corona-Crash.

So kann es passieren, dass man am Ende der Laufzeit auf Aktien sitzt, die man ansonsten nie gekauft hätte. Problematisch finde ich Barrier Reverse Convertibles, wenn diese von den Banken an Anlegerinnen und Anleger verkauft werden, die erstens die Produkte nicht verstehen und zweitens gar keine Aktien halten möchten, weil sie sehr hohen Wert auf Sicherheit legen und möglichst keine Schwankungen wünschen. Hier haben einige konservative Privatanleger im Zuge des Corona-Crashs negative Überraschungen erleben müssen, weil sie Barrier Reverse Convertibles im Depot hielten und nun unerwartet Aktien ausgeliefert
erhalten, die sie gar nicht wollen. Sie hatten sich vom hohen Zins blenden lassen und die Risiken unterschätzt.

Wenn jemand hingegen die Funktionsweise der Instrumente wie Sie gut einschätzen kann, zusätzlich Aktien und weitere Wertpapiere im Depot hält und mit starken Kursschwankungen gut leben kann, betrachte ich Barrier Reverse Convertibles durchaus als sinnvolle Depotergänzung, vorausgesetzt, man behält auch das Emittentenrisiko im Auge. Gerade in Krisenzeiten wie jetzt kann man Bankkonkurse nie ganz ausschliessen.

Darum würde ich beim Kauf von strukturierten Produkten nur Herausgeber berücksichtigen, die über ein gutes Bonitätsrating verfügen. Barrier Reverse Convertibles mit tiefen Barrieren sind derzeit eher attraktiv als noch vor dem Corona-Crash. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass es nochmals zu einem derart massiven Einbruch kommt wie im März 2020 ist eher gering, kann aber dennoch nie ausgeschlossen werden, zumal sich die Märkte sehr rasch und stark erholt haben. Vor allem Einzelwerte können aufgrund von Spezialereignissen immer mal 30 oder sogar mehr als 40 Prozent in den Keller gehen. Dann muss man in der Lage sein, die Titel zu übernehmen oder den Verlust zu tragen.

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6 Kommentare
    Paul Meier

    Das sind grundsätzlich interessante Instrumente, in meinen Augen sollten sie aber nur in Schwächephasen gekauft werden. Dann sind die Prämien auf Optionen höher und so können auch höhere Coupons offeriert werden.... (Die Bank verkauft ja nicht einfach diese Produkte, sondern sichert sich via Optionenstrategie ab)