Zum Hauptinhalt springen

Kleinstädte in TrümmernErdbeben in Kroatien fordert Tote und Verletzte

Innerhalb von 30 Stunden bebte in der Nähe von Zagreb zweimal die Erde. Dabei kamen mindestens sieben Personen ums Leben.

Am Dienstag kam es in Kroatien zu einem schweren Erdbeben.
Video: Tamedia

Ein schweres Erdbeben traf am Dienstag in den Mittagsstunden Kroatien. Die Zentren der Kleinstädte Sisak und Petrinja südöstlich von Zagreb lagen in Trümmern, wie kroatische Medien berichteten. Dabei starben mindestens sieben Menschen, 26 wurden verletzt. Seismologen gaben die Stärke mit 6,4 an.

Das Epizentrum des zweiten Bebens in Kroatien innerhalb 30 Stunden lag 45 Kilometer südöstlich von Zagreb. In Petrinja berichtete ein Reporter der Tageszeitung «Jutarnji List» von dramatischen Szenen. Sirenen von Feuerwehr- und Ambulanzwagen hallten durch die Stadt, bald zeigte sich ein Bild der Verwüstung. Aus Angst vor weiteren Erdstössen zogen sich Bewohner in den kleinen Stadtpark zurück. Rettungsmannschaften suchten unter Trümmern nach Verschütteten.

Für ein Mächen kam jede Hilfe zu spät – herabfallende Trümmer hatten es erschlagen. Bürgermeister Darinko Dumbovic bestätigte den Tod des Kindes: «Es ist schrecklich, es gibt Opfer, es gibt Verletzte. Wir sahen, wie ein Kind auf dem Hauptplatz starb», sagte er dem Nachrichtenportal «24sata.hr». 20 Bewohner der Stadt wurden mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.

Auch die nahe Kreishauptstadt Sisak war schwer betroffen. Der Sitz der Stadtverwaltung sei zur Hälfte eingestürzt, sagte Bürgermeisterin Kristina Ikic-Banicek dem kroatischen Fernsehen HRT. Die Gemeindebediensteten konnten sich jedoch alle in Sicherheit bringen, fügte sie hinzu. In ihrer Stadt habe es einige Leichtverletzte gegeben, die ärztlich versorgt wurden.

In mehreren Ländern spürbar

In der Hauptstadt Zagreb gab es beträchtliche Sachschäden. Das Beben war in ganz Kroatien, aber auch in Österreich, Ungarn, Italien, Slowenien, Bosnien-Herzegowina, sogar in Tschechien und der Slowakei zu spüren.

Slowenien schaltete deshalb das Atomkraftwerk Krsko ab, meldete die Nachrichtenagentur STA. Es liegt unmittelbar an der Grenze zu Kroatien. Eine Abschaltung sei in solchen Situationen Standard, hiess es. In der südungarischen Stadt Pecs (Fünfkirchen) war der Erdstoss so stark zu spüren, dass die Behörden ein Grosskaufhaus räumen liessen, berichtete das lokale Portal «bama.hu».

Erst am Montag waren im selben Gebiet Kroatiens Erdstösse der Stärke 5,2 und 5,0 verzeichnet worden. Im März hatte ein Erdbeben der Stärke 5,4 in Zagreb grosse Schäden angerichtet. Eine Jugendliche war gestorben, mehr als zwei Dutzend Menschen waren verletzt worden.

EU sagt Unterstützung zu

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte umgehend Hilfe zu. «Wir sind bereit zu unterstützen», schrieb sie nach einem Gespräch mit Kroatiens Ministerpräsident Andrej Plenkovic auf Twitter. Sie habe den für humanitäre Hilfe zuständigen EU-Kommissar Janez Lenarcic gebeten, so bald wie möglich ins Erdbebengebiet zu reisen. «Wir stehen an der Seite Kroatiens», betonte von der Leyen.

In den vergangenen Jahrzehnten hat die Balkanregion immer wieder Erdbebenkatastrophen erlebt. Im Juli 1963 zerstörte ein Beben das Zentrum von Skopje, der Hauptstadt der damaligen jugoslawischen Teilrepublik Mazedonien und des heutigen Nordmazedoniens. Mehr als 1000 Menschen starben. Im Oktober 1969 verwüstete ein Erdbeben die nordbosnische Stadt Banja Luka, nur 100 Kilometer vom Epizentrum des jüngsten Bebens in Kroatien entfernt: 15 Menschen starben. Im März 1977 suchte ein Beben der Stärke 7,5 die rumänische Hauptstadt Bukarest heim – es gab 1600 Todesopfer.

REUTERS/SDA/red

6 Kommentare
    Fabio Rossi

    Ein Erdbeben wäre das letzte was man in der jetzt schon besorgniserregenden Zeit noch gebrauchen könnte.