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Ask-ForceSind die Tauben die neuen Krähen?

R. T. aus dem krähengeplagten Nordquartier befürchtet eine Gentrifizierung seiner Wohngegend durch die «Ratten der Lüfte».

Zuerst die gute Nachricht: Die Mauersegler sind zurück! Hier, im Süden Berns, wo Ihre Zuschrift beantwortet wird, Herr R. T. aus dem Nordquartier, jagen sich die «Spyren» seit just einer Woche wieder schrill sirrend um die Hausecken! So tönt der Frühling, Herr T.!

Zu Ihrer ornithologischen Frage: «Ich (…) beobachte die (im Nordquartier sehr schlecht beleumundeten – beleuschnabelten? – A. d. Ask-Force) Krähen, wie sie ihre Nestchen fleissig bauen, und da fällt es mir auf: Hier eine Taube und da noch eine (…)! Tauben gehören doch in die Innenstadt, auf die Piazza San Marco in Venedig (…), aber doch nicht in eine Anfang 1950er gebaute Plansiedlung am Stadtrand? Die Ratten der Lüfte in meinem Quartier? Geits no?!»

Und weiter: «Sind die Tauben die neuen Krähen, oder sind die Tauben gar die neuen Gentrifier des Nordquartiers?» Herr T. vermutet, die «Scheiss-Tauben» (sein Ausdruck!) könnten infolge Futtermangels die aufgrund der Corona-Bestimmungen leer gefegte Innenstadt verlassen haben.

Lieber Herr T., auch in Bern-Süd leben seit Jahrzehnten Krähen, und in der letzten Zeit hat unser Adlerauge auch Tauben gesichtet. Allerdings, und das entlarvt Ihre These als Ente, sind die Tauben schon vor zwei Jahren hier aufgetaucht; es handelt sich also nicht um Wirtschaftsflüchtlinge. Richtig integriert haben sie sich bisher nicht, ihr undezidiertes Herumgeflattere wirkte bisher aber nur etwas hühnerig.

Seit «Corona» wünscht allerdings so manche Anwohnerin die Tauben zum Kuckuck: In einem Quartier, das zwei Alterssiedlungen und zwei Altersheime aufweist, strapaziert das monotone Gerufe nach der «Gross-Mue-Ter-Gross-Mue-Ter» das Gemüt so mancher diszipliniert auf jeden Kontakt mit der Enkelbrut verzichtenden Seniorin.

Das ist aber auch die einzige offensichtliche Meise der Tauben. Und auch mit Krähen leben wir hier am südlichen Stadtrand mehrheitlich in Frieden. Wie diese treffen auch wir uns gerne auf einen Feierabendschwatz im Liebefeldpark; selbstverständlich höchstens zu fünft und mit zwei Meter Abstand. Sonst bekommt Herr Koch an seinem Fenster im benachbarten BAG vermutlich Vögel.

Nochmals zu Ihrer Frage, Herr T.: Die neuen Krähen sind nicht die Tauben. Die neuen Krähen sind – auch wieder Krähenvögel. Stellen Sie uns doch nächstens eine Frage zu den Elstern – und wir schimpfen wie die Rohrspatzen!


Wüsste auch noch gern, wo das Vogel-Lisi wär: askforce@derbund.ch