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Kopf des TagesSie hat Trump entlarvt

Sarah Cooper, eine schwarze Komikerin, macht auf Tiktok Furore mit ihren Parodien des US-Präsidenten.

Sarah Cooper ist als Autorin erfolgreich, aber nun auch als Komikerin auf Tiktok.
Sarah Cooper ist als Autorin erfolgreich, aber nun auch als Komikerin auf Tiktok.
Foto: PD


Es ist leicht, Trump zu imitieren, aber nahezu unmöglich, ihn blosszustellen. Trump-Karikaturen haben nur eine kurze Halbwertszeit. Die Komiker sind ausgebrannt. Selbst die schärfsten Satiriker müssen von einer minimalen Kohärenz des Präsidenten ausgehen, doch sie riskieren, dass sie seine fundamentale Irrationalität aus den Augen verlieren.

Sarah Cooper, eine 43-jährige Buchautorin und Komikerin, hat einen neuen Dreh gefunden und damit bereits 1,5 Millionen Fans um sich geschart. Vor zwei Monaten erschien sie zum ersten Mal auf der von Jugendlichen heiss geliebten mobilen Plattform Tiktok und schlüpfte in die Person Trump. In einem 49 Sekunden langen Video unter dem Titel «How to Medical» («Wie sich medizinisch») stellt sie den Präsidenten als Facharzt der Virenbekämpfung dar. Mit ernsthafter Miene weist sie auf eine Stehlampe in ihrer Wohnung und auf Haushaltsreiniger und gibt vor, Trumps lebensgefährliche Ratschläge zur Virenbekämpfung ernst zu nehmen. Sie wechselt hin und her zwischen dem Präsidenten, dessen Stimme sie übernimmt, und völlig fassungslosen Trump-Beratern, deren Mimik sie imitiert. Es ist eine perfekte Pantomime eines Mannes, der allen und allem misstraut und sich selbst als «stabiles Genie» betrachtet.

Die Kraft ihrer Imitation bezieht Cooper aus zwei Quellen. Sie entlarvt den Präsidenten nicht durch seine Worte, sondern durch ihre Pose. Wie er stolziert sie vor der Kamera hin und her, bläht sich auf, verschränkt die Arme, wippt auf den Absätzen, blickt herablassend auf die Berater und die Journalisten. Gesehen hat sie das in den täglichen Pressekonferenzen im Weissen Haus. «Trump hat keine Ahnung, worüber er spricht, aber er kann endlos über absolut Nichts sprechen.» Sein Auftreten erinnert sie an eine gewisse Managerklasse, über die sie ein Buch («100 Tricks to Appear Smart in Meetings») geschrieben hat. «Es sind Leute, die auf jede Frage ihren Bullshit bereit haben. Ich könnte mir das nie erlauben.» Am Beispiel Trump kann sie dies nun ausleben; und sie tut es überzeugend.

Sie entlarvt seine toxische Maskulinität und seinen tiefen Rassismus.

Es gibt einen weiteren Grund, weshalb ihr Tiktok-Präsident so glaubhaft ist. Cooper ist eine schwarze, in Jamaika geborene Frau; und Menschen wie sie attackierte Trump, als er Entwicklungsländer einmal als «Shitholes» bezeichnete. Mit ihrer Performance schlägt sie zurück, sie entlarvt seine toxische Maskulinität und seinen tiefen Rassismus, ohne eigene Worte brauchen zu müssen. Ihre weit aufgerissenen Augen machen seine Angst sichtbar, als grosser Verlierer abtreten zu müssen.

Dabei war Cooper 2016 nach der Trump-Wahl wie blockiert. Sie wollte nicht über ihn reden, auch wenn es als Komikerin leicht gewesen wäre, ihn auf der Bühne blosszustellen. «Viele versuchten, ihn nachzuahmen. Aber das ermüdete rasch. Vor allem Männer taten es, aber es lief sich tot.» Als sie herausfand, dass Trump sie von seinem Twitter-Konto verbannt hatte und als ihr Neffe sie auf Tiktok aufmerksam machte, begann die Idee zur Trump-Imitation zu gären. Inzwischen hat sie ein Dutzend Videos produziert und Fans über die USA hinaus in den Bann gezogen. Der Stoff geht ihr nicht aus. «Ich bin die Trump-Flüstererin. Ich muss es tun.»