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Zum Tod von Comiczeichner QuinoSezieren statt Kitzeln

Der argentinische Comiczeichner Quino ist tot. In der spanischsprachigen Welt ist seine Figur «Mafalda» das Pendant zu den «Peanuts».

In Buenos Aires legten die «Mafalda»-Fans Blumen an einer Statue der Comicfigur nieder.
In Buenos Aires legten die «Mafalda»-Fans Blumen an einer Statue der Comicfigur nieder.
Foto: Agustin Magarian (Reuters)

Seine weltberühmte Comicfigur Mafalda ist zwar ein Kind der sechziger Jahre, aber hochmodern: Eine Sechsjährige, die einen kritischen, vor allem politischen Blick auf die Welt der Erwachsenen wirft. Sie ist ein «neugieriges, intelligentes, ironisches, nicht-konformistisches Mädchen», wie ihr Schöpfer Quino geschrieben hat, das «sich mit Frieden und Menschenrechten befasst, Suppe hasst und die Beatles liebt». In der spanischsprachigen Welt kennt Mafalda jeder, ob alt oder jung, die Serie ist das Latino-Pendant zu den «Peanuts». Mafalda sei eine «Heldin unserer Zeit» schrieb etwa Umberto Eco 1969 im Vorwort zu einem der Bände; damals war das Comic, das in insgesamt 26 Sprachen übersetzt wurde, auch in Europa bekannt.

Aber Mafalda ist eben mehr als eine argentinische Ausgabe von Charlie Brown. In den Zeiten der Diktatur sagte Mafalda in ihrer direkten, nur scheinbar naiven Art viele Dinge, die sonst nicht gesagt werden durften. Geliebt wird sie darum bis heute über alle ideologischen Grenzen hinweg. «Beide Argentiniens weinen jetzt», schrieb «El País», als diese Woche bekannt wurde, dass ihr Schöpfer mit 88 Jahren gestorben ist.

Eine Vorgängerin Lisa Simpsons

Mafalda, die vom «Spiegel Online» mit der viel später auftauchenden Comicfigur Lisa Simpson verglichen wird, fiel dadurch auf, dass sie ihrem Vater häufig knifflige Fragen stellte. So gibt es diese Szene, in dem sie ihn bittet, ihr den damals aktuellen Vietnamkrieg zu erklären. «Das könnte ich, aber Du würdest es nicht verstehen», antwortet dieser. «Für Kinder ist dieser Krieg kein Problem.» Mafalda überlegt einen Moment lang und fragt dann keck: «Und wenn du die pornographischen Teile weglässt?»

Quino, der als Joaquín Salvador Lavado Tejón am 17. Juli 1932 in Mendoza in Argentinien geboren wurde, kehrte im Laufe seines Lebens immer wieder zu Mafalda zurück. «Ich glaube nicht, dass meine Cartoons der Art sind, dass Leute sich kaputtlachen. Ich tendiere eher dazu, ein Seziermesser zu verwenden, als zu kitzeln», sagte er einst in einem Interview.

3 Kommentare
    loeu

    Ist das alles, was die Redaktion Tages-Anzeiger zu Quino und seinen genialen Zeichnungen zu notieren hat? Erinnert sich da niemand mehr daran, dass Quino uns kontinuierlich Highlights bescherte im alten Tagi-Magazin? Ich hab einen ganzen Stapel davon aufgehoben, und sie sind alterslos und zeitlos aktuell. Kleine Verwirrungen im Alltäglichen. Einer der ganz Grossen in seinem Fach.