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Zum Tod von Walter WegmüllerSeine Bilder gingen über das Reale hinaus

Berühmt wurde er mit einem «Zigeunertarot»: Der in Bern geborene Künstler Walter Wegmüller ist gestorben.

Kunstmaler Walter Wegmüller 2014 in seinem Lager.
Kunstmaler Walter Wegmüller 2014 in seinem Lager.
Stefan Leimer

Er sei eher ein «Wegmaler» als ein «Wegmüller», glaube ich in frühen Jahren geschrieben zu haben. Nun ist Walter Wegmüller, Künstler mit jenischem Blut, gestorben – «seinen letzten Weg gegangen», heisst es in der Todesanzeige. Die Hunderten von «Wegen», welche er als Maler aufgezeichnet und bunt komponiert hat, weisen in immer tiefere Räume. Geheimnisvolle Welten bleiben uns als sein Atlas des Lebens erhalten. Es wird noch viel zu entdecken geben. Ein Leben dürfte kaum genügen.

Gedankenübertragungen

Nach einer schweren Jugend als «Kind der Landstrasse» fand der 1937 in Bern geborene Walter Wegmüller, der von sich behauptete, nicht schreiben zu können, seine unverwechselbare Sprache in der Kunst. Alles wurde bei ihm Bild und damit Gesicht und Geschichte, aber auch Spiel, Spuk und Vision. Und sein Schauen ging über das Reale hinaus, wenn er mit dem Märchen- und Sagenforscher Sergius Golowin Gedankenübertragungen vorführte. Berühmt wurde Walter Wegmüller mit seinem «Zigeunertarot».

Jetzt liegt eine Karte mit einem ächzenden Seiltänzer vor uns. Er hat sie schon vor dreissig Jahren gezeichnet, aber der zierlich tänzelnde Tod hat den «Wegmaler» und Freund von vielen erst jetzt eingeholt.