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Beschwipster Kyrgios«Seien wir ehrlich: Tsitsipas und Zverev hassen einander»

Eigentlich wollte Andy Murray nur etwas mit Nick Kyrgios plaudern. Dann legte der Australier los. Natürlich vergass er auch Novak Djokovic nicht.

Teilt gern mal aus: Nick Kyrgios.
Teilt gern mal aus: Nick Kyrgios.
Foto: Getty Images

Quizfrage: Welcher Sportler hat während der Corona-Zeit noch kein Instagram-Livevideo aufgenommen, auf dem er trainiert, plaudert oder sonst etwas macht? Erwischt, wir wissen es auch nicht. Aber wir wissen, dass diese Liveschaltungen in die Wohnzimmer der Athleten gerade ziemlich in sind. Da interviewt zum Beispiel Ex-Fussballer Christian Vieri seine früheren Kollegen, sinniert Tennisspieler Novak Djokovic über Gott und die Welt und singt Skifahrerin Mikaela Shiffrin ihre Ständchen. Man hat – spielt man nicht in der deutschen Fussball-Bundesliga – schlicht nichts anderes zu tun.

Auch der Schotte Andy Murray gehört zu denen, die immer wieder auf den Smartphones ihrer Follower auftauchen, in Echtzeit, ganz unverfälscht. Am Samstagabend holte der Tennisspieler Nick Kyrgios zu sich aufs virtuelle Sofa. Und der Australier machte das, was er halt nun mal neben dem Tennisspielen am besten kann: Er teilt aus. Zum Beispiel als es um den Laver-Cup geht, das Turnier, das Roger Federer ins Leben gerufen hat. Team Europa kämpft gegen Team Rest der Welt, es gibt keine Weltranglistenpunkte, dafür viel Spass und Show.

Vergangenes Jahr fand das Turnier in Genf statt, Kyrgios war bei der Weltauswahl dabei. Eine Weltauswahl, die, gemessen an spielerischer Qualität, etwas unterlegen war. Kyrgios wurde von John Isner, Milos Raonic, Denis Shapovalov, Jack Sock und Taylor Fritz unterstützt. Das habe Spass gemacht, sie seien schliesslich alles Freunde, Sock sogar einer seiner besten. Beim Team Europa aber, da sei alles ganz anders gewesen. Die Truppe bestand aus Federer, Rafael Nadal, Dominic Thiem, Alexander Zverev, Stefanos Tsitsipas und Fabio Fognini. Oder wie es Kyrgios sagt: «Typen aus Europa, die sich einen Dreck umeinander scheren.»

«Und dann sollen sie auf einmal beste Kumpels sein?»

Murray ist etwas verdutzt, findet, Kyrgios sei ja ganz schön «on fire». Doch der 25-Jährige hat noch mehr zu sagen. «Seien wir ehrlich», beginnt er, «Tsitsipas und Zverev hassen einander. Und dann sollen sie auf einmal beste Kumpels sein? Haut doch ab.» Und Dominic Thiem? «Er schaut gern Farbe beim Trocknen zu, um in Stimmung zu kommen.» Spätestens da scheint es dem nicht mehr zu Wort kommenden Murray etwas unangenehm zu werden. Später löst Kyrgios auf: Er habe schon sechs Gläser Rotwein getrunken: «Mein Interesse an Rotwein ist während der Quarantäne unglaublich gestiegen.»

Doch keine Freunde? Stefanos Tsitsipas und Alexander Zverev.
Doch keine Freunde? Stefanos Tsitsipas und Alexander Zverev.
Foto: VQH

Und was wäre ein Kyrgios in Plauderlaune ohne ein Seitenhieb gegen den Serben Djokovic? Fragte er sich selbst offenbar auch. Auf jeden Fall sei Murray besser als die Weltnummer eins. Denn: Während Djokovic bei seinen Aufschlägen eher Völkerball spielen würde, also den Bällen ausweicht, habe Murray stets versucht zu attackieren. Mit ihm hätte Team World beim Laver-Cup auch klar gewonnen, so Kyrgios. Der Gelobte selbst sagt nur: «Die Resultate sprechen eine andere Sprache.» Er liegt bei den Direktduellen gegen Djokovic 11:25 hinten.

Kyrgios und Djokovic sind keine Freunde, das ist nicht erst seit Samstag bekannt. Der Australier, in der Weltrangliste derzeit auf Rang 40 klassiert, sagte einmal, das Gehabe von Djokovic nach seinen Siegen sei oberpeinlich. Und: «Ich habe das Gefühl, dass er eine kranke Besessenheit hat, gemocht werden zu wollen. Er will nur wie Roger (Federer) sein.» Djokovic reagierte darauf und sagte, Kyrgios suche vielleicht nach Aufmerksamkeit. Oder nach der nächsten Flasche Rotwein.

(mro)