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Wasserverbund kämpft gegen PestizideSeeländer kaufen neuartige Filteranlage für Chlorothalonil

Die Seeländische Wasserversorgung (SWG), bestehend aus 20 Gemeinden, will sich eine Filteranlage anschaffen, die das Grundwasser von Pestizidrückständen wie Chlorothalonil befreit.

Der pilzförmige Wasserturm von Gimmiz der seeländischen Wasserversorgung.
Der pilzförmige Wasserturm von Gimmiz der seeländischen Wasserversorgung.
Foto: Adrian Moser

Die Seeländische Wasserversorgung (SWG), bestehend aus 20 Gemeinden, will sich eine Filteranlage anschaffen, die das Grundwasser von Pestizidrückständen wie Chlorothalonil befreit. Das ist in dieser Grösse ein Novum in der Schweiz.

Die Abgeordnetenversammlung habe der Umkehrosmose-Filteranlage mit 24 zu 14 Stimmen zugestimmt, sagte Roman Wiget, Geschäftsführer der SWG, am Sonntag auf Anfrage. Er bestätigte damit Informationen der «NZZ am Sonntag».

Bei der Abstimmung sei ein Agglomeration-Land-Graben feststellbar gewesen, sagte Wiget gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Das heisst: Städtische Gemeinden waren dem Vorhaben eher positiv gesinnt, ländliche eher kritisch.

Pestizide noch Jahrzehnte im Wasser

Ausschlaggebend für das Ja sei gewesen, dass die Pestizid-Höchstwerte im betroffenen Fassungsgebiet deutlich überschritten werden und es wahrscheinlich Jahrzehnte dauere, bis die Schadstoffe ausgewaschen seien, sagte Wiget. Der Schutz der Konsumentinnen und Konsumenten habe oberste Priorität.

Die Anlage kostet rund zwei Millionen Franken, dazu kommen die Betriebskosten. Bis spätestens Ende 2021 soll sie in Betrieb sein. Sobald die Baubewilligung vorliege, werde die Anlage im Pumpwerk der SWG in Worben innert zirka sechs Monaten gebaut, so Wiget.

Bereits vor einem Jahr hatte die SWG die Filteranlage in einem Pilotprojekt im kleineren Massstab getestet – laut Wiget «mit sehr guten Ergebnissen». Die nun genehmigte Filteranlage sei in dieser Grössenordnung schweizweit ein Novum.

SWG prüft Haftungsklage

Die SWG kündigte am Sonntag zudem an, eine Haftungsklage zu prüfen. Man wolle die Gebührenzahler vor den Kosten der Pestizidbelastung schützen, so Wiget. Gegen wen sich die Klage konkret richten würde, wollte Wiget nicht sagen. Nur so viel: Es soll kein Rechtsstreit mit den Bauern werden, welche die Mittel laut Wiget «rechtmässig eingesetzt haben».

Vergangenen Februar wurde bekannt, dass das Trinkwasser im Kanton Bern an zahlreichen Orten zu viele Rückstände des Pestizids Chlorothalonil enthält. Vor allem im Seeland und im Oberaargau ist das Problem akut.

Der Wirkstoff Chlorothalonil wird seit vielen Jahren in der Landwirtschaft in diversen Fungiziden, also Mitteln gegen Pilzkrankheiten, eingesetzt. Das Bundesamt für Landwirtschaft liess den Wirkstoff in den 70er-Jahren zu. Nun hat der Bund aber Chlorothalonil als «wahrscheinlich krebserregend» bezeichnet und die Anwendung per Anfang 2020 verboten.

Auf nationaler Ebene sind zwei Initiativen zu diesem Thema hängig. Die Pestizidverbots-Initiative will mit einer Übergangsfrist von zehn Jahren alle synthetischen Pestizide vom Markt nehmen. Die Trinkwasser-Initiative fordert sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung ohne Subventionen für den Pestizid- und Antibiotika-Einsatz.

SDA