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Premiere im Zürcher SchiffbauSchwul, krank und auf ewig missverstanden

Christopher Rüping und seine Schauspieler geben Jean-Luc Lagarces «Einfach das Ende der Welt», als seien die Gefühle der Figuren ihre eigenen.

Benjamin (Lillie) kehrt heim, die Schwägerin (Maja Beckmann) will das Eis brechen. Schwester (Wiebke Mollenhauer) und Bruder (Nils Kahnwald) warten ab in der Inszenierung «Einfach das Ende der Welt».
Benjamin (Lillie) kehrt heim, die Schwägerin (Maja Beckmann) will das Eis brechen. Schwester (Wiebke Mollenhauer) und Bruder (Nils Kahnwald) warten ab in der Inszenierung «Einfach das Ende der Welt».
Foto: Diana Pfammatter

Hochtourig haut Benjamin Lillie den Prolog zu «Einfach das Ende der Welt» heraus. «Wer war 12 Jahre nicht zu Haus? – Ich war 12 Jahre nicht zu Haus», rappt der 35-jährige deutsch-schwedische Schauspieler, der seit letztem Jahr zum Ensemble des Zürcher Schauspielhauses gehört, während ihm Matze Pröllochs am Schlagzeug Feuer unterm Hintern macht. 2008 war für Lillies Figur, die in dieser Inszenierung ebenfalls Benjamin heisst, eine Flucht gewesen, aber eben auch ein Triumph. Doch nun will dieser Benjamin, todkrank, die Familie noch einmal sehen.

Der nächste Wumms braucht keine Worte: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit schnappt sich Lillie die Live-Cam und zieht eine Viertelstunde lang beredt schweigend durch die aufgeschnittene Wohnung seiner Kindheit wie ein Forscher durch Pompeji. Bühnenbildner Jonathan Mertz hat die Räume nachgebaut und in die Schiffbauhalle gestreut, isoliert und unverbunden, wie die Familienmitglieder es sind.

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