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AskforceSchwindel um den Dreikönigskuchen?

Sein Name verspricht eigentlich, dass in ihm ein Königstrio steckt. Wieso hat es dann im Dreikönigskuchen immer nur einen Monarchen?

Wenn falsch zubereitet, eine Gefahr für die Zivilisation: Der Dreikönigskuchen.
Wenn falsch zubereitet, eine Gefahr für die Zivilisation: Der Dreikönigskuchen.
Foto: Adrian Moser

Letztlich besteht selbst das Askforce-Gremium nur aus Menschen mit simplen Gefühlsregungen. So sind selbst wir nicht immun gegen Schmeicheleien. Deshalb war beim Schreiben vom heutigen Fragesteller J.U. bereits bei der Anrede klar, dass wir ihm antworten werden. «Hochgeehrte Universalwissende», steht da in der Begrüssungszeile. Die Umgangsformen von J.U. scheinen nur von seinem Appetit übertroffen zu werden. Denn wie er schildert, hat er am 6. Januar erstmals einen Dreikönigskuchen gekauft und diesen zu Hause im Alleingang verdrückt.

Nach dieser Auseinandersetzung mit dem süssen Backwerk beschäftigen J.U. nun aber unbequeme Fragen. Er will wissen, wieso in einem Produkt, in dessem Namen klar von drei Königen die Rede ist, immer nur Balthasar eingebacken wurde. Er wittert Etikettenschwindel der Bäckereizunft und fordert die Askforce auf: «Bitte gehen Sie den Gründen für dieses inakzeptable Verhalten nach – danke.»

Kommen wir zunächst zum langweiligen Teil unserer Antwort. Dass bloss ein König im Kuchen steckt, ist schlicht traditionsbedingt. Im alten Rom waren es Bohnen statt Plastikfigürchen. In der Schweiz wurde das jetzige Kuchenprinzip in den 50er-Jahren vom Versicherungsbeamten Max Währen populär gemacht und erfreute sich bald solcher Beliebtheit, dass das Konzept über Jahrzehnte nicht infrage gestellt wurde. Das hat sich nun aber durch den heisshungrigen J.U. geändert.

Unser Fragesteller begibt sich damit auf heikles Terrain. Normalerweise scheuen wir uns nicht vor delikaten Angelegenheiten. Doch dieses gefährdet nichts Geringeres als die Aufrechterhaltung der Zivilisation, so wie wir sie kennen. Gehen wir einmal davon aus, das Königskontingent würde pro Kuchen auf drei Stück erhöht werden – der 6. Januar würde zu einem blutigen Tag verkommen. Denn pro Gebäck wird jeweils nur eine Krone mitgeliefert. Und wer hätte dann letztendlich Anrecht auf die Spitze der Monarchie?

Wie uns die Geschichte lehrt, wurde der Kampf um die Krone stets durch mörderische Eingriffe oder giftige Intrigen entschieden. Gerade im Schosse der Familie wurde das Streben nach Macht über die verwandtschaftlichen Beziehungen gestellt. Daher wäre es von der Bäckereizunft äusserst fahrlässig, die mit ihren Kuchen verbundenen Machtansprüche nicht unmissverständlich zu kommunizieren.

Pazifistische Backrezepte und weitere Fragen bitte an: askforce@derbund.ch