Schwere Zeiten für die Uhrenmesse

Die Baselworld 2018 beginnt – unter dem Eindruck sinkender Ausstellerzahlen und zunehmender Konkurrenz.

Luxusuhren und schöne Menschen: Das gehört an der Baselworld auch dieses Jahr zusammen. Foto: Reto Oeschger

Luxusuhren und schöne Menschen: Das gehört an der Baselworld auch dieses Jahr zusammen. Foto: Reto Oeschger

Die Nervosität bei den Organisatoren der Baselworld ist gross. An der gestrigen Medienkonferenz liessen die Veranstalter keine Fragen der Journalisten zu. Es ist ein bemerkenswerter Vorgang in der jüngeren Geschichte des weltweit grössten Branchentreffs. Die Uhrenmesse öffnet heute Donnerstag offiziell ihre Tore und dauert bis Dienstag.

Fragen an die Veranstalter gibt es dabei viele, vor allem: Wie geht es mit dem traditionsreichen Anlass weiter? Die 101. Auflage der Baselworld ist mit einem Bedeutungsverlust konfrontiert. Namhafte Manufakturen wie Hermès, Girard-Perregaux und Ulysse Nardin haben der Messe den Rücken gekehrt und stellen lieber in Genf am Uhrensalon aus, einem aufstrebenden Konkurrenten.

Verärgerte Zulieferer der Uhrenindustrie, die sich von der Baselworld als Aussteller nicht ernst genommen fühlten, führen in La Chaux-de-Fonds NE eine eigene Messe durch. Kleine Marken können sich die hohen Standmieten nicht mehr leisten und bleiben fern. Das schlägt sich in der Zahl der Aussteller nieder, die sich heuer auf rund 700 halbiert hat. Schliesslich spürt die Baselworld die Folgen der Digitalisierung. Die Uhrenindustrie entdeckt zusehends die sozialen Netzwerke im Internet, um sich einem jüngeren Publikum zu präsentieren.

Widerwillig gab Messechefin Sylvie Ritter am Rande des Medientags Auskunft über die Zukunft der Baselworld. So machte sie keine Angaben darüber, ob die Messe dem Ruf nach günstigeren Standmieten Folge leisten wird. Stattdessen übte sie sich in Durchhalteparolen. Sie sei überzeugt, dass es die Baselworld in fünf Jahren noch geben werde. Der Anlass werde sich jedoch so positionieren müssen, dass er den weltweiten Uhrenmarkt widerspiegle. Ritter betonte, dass die Digitalisierung eine wichtige Rolle spielen werde: «Dieses Jahr kommen viel mehr Einflussnehmer und Blogger als in den Jahren zuvor. Wir müssen uns diesem Trend anpassen.»

Persönliche Kontakte im Fokus

Umgekehrt sieht Ritter die Baselworld als Gegenpunkt zur oberflächlichen Kommunikation via Internetdienste. Die Rolle der Messe als Plattform für persönliche Begegnungen werde im digitalen Zeitalter zunehmen. «In der Vergangenheit waren solche Treffen alltäglich. Heute nutzen wir alle unser Smartphone, wir surfen im Internet, und wir chatten. Da werden direkte Begegnungen immer wichtiger», sagte Ritter.

Ein Wörtchen mitzureden, haben diejenigen Aussteller, die der Uhrenmesse treu geblieben sind. Die Signale an die Veranstalter tönen entgegenkommend –es gibt aber auch kritische Stimmen.

Die Baselworld sei eine gute Gelegenheit, die Marke weltweit sichtbar zu machen, sagte Jérôme Pernici. Er ist der Verkaufschef von Patek Philippe. «In Basel besuchen uns 300 Händler, um unsere neuen Produkte anzuschauen», sagte Pernici.

Der Chef von TAG Heuer dagegen fordert von der Baselworld Bereitschaft zu Veränderung. «Wir brauchen mehr Lifestyle, vielleicht auch andere Aktivitäten», sagte Jean-Claude Biver. Ihm schwebt ein Forum über die Uhrenindustrie vor. Sein Vorschlag: Vertreter von Technologiefirmen aus dem Silicon Valley kommen in die Schweiz und diskutieren vor Publikum, was sie von herkömmlichen Uhren halten.

Zenith-Chef Julien Tornare anerkennt die Baselworld als «Institution», nimmt die Messe aber ebenfalls in die Pflicht: «Der Anlass muss sich weiterentwickeln.» Es brauche eine neue Dynamik, «eine andere Art, Uhren zu präsentieren und die Messe zu beleben».

Gute Exportzahlen im Februar

Nick Hayek, Chef der Swatch Group, legte letzte Woche bei der Präsentation des Jahresergebnisses 2017 ein gutes Wort für die Baselworld ein. «Wenn es um industrielle Innovation geht, kommt man an Basel nicht vorbei. Dort treffen sich die ganz Grossen.» Die Gruppe mit Marken wie Omega, Tissot und Breguet gehört zu den bedeutenden Ausstellern an der Uhrenmesse. Dem Vernehmen nach hat die Swatch Group die Verträge mit der Baselworld verlängert.

Auch Aussteller aus dem Ausland halten der Uhrenmesse die Treue. «Wir haben uns für 2018 entschlossen, einen neuen Stand zu bauen – kurzum: Wir kommen gerne nach Basel und werden bleiben», sagte Stefan Loges, Marketingchef der deutschen Marke Meistersinger.

Während die Baselworld unter Druck steht, befindet sich die Schweizer Uhrenindustrie im Hoch. Die Ausfuhren von Zeitmessern sind nach dem klaren Plus zum Jahresbeginn auch im Februar prozentual zweistellig gewachsen. Das Exportvolumen stieg gegenüber dem Vorjahresmonat um knapp 13 Prozent auf 1,69 Milliarden Franken. Dabei profitieren die Marken von der starken Nachfrage in China, Hongkong und den USA.

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