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Umfrage der UBSSchweizer Unternehmen lassen sich nicht unterkriegen

Schweizer Firmen blicken trotz des massiven Wirtschaftseinbruchs optimistisch in die Zukunft – sogar das durch die Corona-Pandemie stark betroffene Gastgewerbe. Auch die Versicherer dürften sich zügig von der Krise erholen.

Ein abgesperrter Arbeitsplatz, damit die Mindesabstände eingehalten werden konnten.
Ein abgesperrter Arbeitsplatz, damit die Mindesabstände eingehalten werden konnten.
Foto: Alessandro della Valle/Keystone

Trotz des massiven Wirtschaftseinbruchs durch die Corona-Pandemie bleibt bei den Unternehmen der Glaube an eine mittelfristige Erholung intakt. Das hat eine Umfrage unter 2'500 Schweizer Firmen durch die UBS ergeben.

So erwarten 71 Prozent der befragten Unternehmen für das 2022 im Vergleich zu 2019 einen gleich hohen oder sogar höheren Umsatz. 87 Prozent rechnen damit, gleich viele oder mehr Mitarbeitende zu beschäftigen. Dies gelte erfreulicherweise nicht nur über alle Unternehmen hinweg, sondern auch in allen Branchen und Regionen, so die Experten. Sogar im stark betroffenen Gastgewerbe herrsche bei drei Viertel der Umfrageteilnehmer ein entsprechender Optimismus.

Grundlage für nachhaltige Erholung

Diese stabilen Erwartungen bilden für die UBS die Grundlage dafür, dass eine nachhaltige Erholung gelingen könne. Eine Garantie gebe es dafür aber nicht. Dank Kurzarbeit und COVID-Überbrückungskrediten sei ein drastischer Anstieg der Arbeitslosigkeit bislang abgewendet worden. Diese Instrumente seien aber für die kurze Frist konzipiert, die Wirkung lasse mit der Zeit nach.

«Die Unternehmen müssen dann bereit sein, den ‹Staffel-Stab› von Bund und Behörden zu übernehmen und mit Investitionen und Arbeitsplätzen die Erholung zu sichern. Ob sie dazu bereit sind, hängt von ihrem mittelfristigen Ausblick ab», heisst es von UBS Schweiz-Chefökonom Daniel Kalt.

Für das laufende Jahr erwarten die Experten weiterhin eine tiefe Rezession mit einem BIP-Rückgang um 5,5 Prozent, gefolgt von einer lebhaften Erholung um 4,4 Prozent in 2021. Im dann folgenden Jahr 2022 dürfte das Schweizer BIP dann wieder das Niveau von 2019 erreicht haben oder gar leicht übertreffen. Um diesen Prozess zu unterstützen dürfte die Nationalbank SNB die Leitzinsen auf absehbare Zeit im negativen Bereich belassen.

Lehren aus der Krise

Neben den zahlreichen Belastungen ziehen die Unternehmen aber auch einige Lehren aus der Krise. So wollen vier von fünf Firmen, die in der Zeit verstärkt das Homeoffice genutzt haben, daran festhalten. Auch digitale Lösungen würden vermehrt eingesetzt. Damit besteht für die UBS die Hoffnung, dass die Krise der Schweizer Wirtschaft auch längerfristig einen technologischen Schub verleiht. Zudem planen viele Unternehmen Investitionen in die Digitalisierung und eine Erhöhung der finanziellen Reserven.

Auch Versicherer zuversichtlich

Die Versicherungen dürften sich von den durch Corona ausgelösten wirtschaftlichen Folgen rasch erholen. Die Ökonomen des Swiss Re Institutes erwarten, dass die weltweiten Prämieneinnahmen nach einer Delle im laufenden Jahr bereits 2021 das Vorkrisen-Niveau wieder erreichen werden.

Im Jahr 2020 rechnen die Swiss Re-Experten noch mit einem Rückgang der Versicherungsprämien von weltweit 3 Prozent, wie es in der jüngsten am Donnerstag veröffentlichten sigma-Studie heisst. Dabei werde das Volumen in der Lebensversicherung mit 6 Prozent stärker als im Nichtlebengeschäft (-0,1%) zurückgehen.

Hauptgrund für den Rückgang im Lebengeschäft seien kapitalbildende Produkte, die aufgrund der anhaltend tiefen Zinsen noch weniger nachgefragt würden. Besser entwickle sich das Geschäft mit Todesfalldeckungen.

Äusserst widerstandsfähig präsentiere sich in der Krise derweil das Nichtlebengeschäft. Hier gehen die Swiss Re-Experten nach dem kräftigen Volumenwachstum von 3,5 Prozent im letzten Jahr nun von einer stabilen Entwicklung aus.

Die Corona-Pandemie falle in eine Phase steigender Prämiensätze, was das Nichtlebengeschäft stütze, heisst es weiter. Am stärksten seien von der Krise handels- und reisenahe Sparten wie Transport-, Luftfracht- und Kreditversicherungen betroffen. Bei den Sach- und Krankenversicherungen verlaufe die Entwicklung dagegen stabiler.

Wachstum im 2021

Bereits im Jahr 2021 werde die Versicherungsbranche, angetrieben von der guten Nachfrage aus Schwellenländern, zurück auf einen breit abgestützten Wachstumskurs einschwenken, ist man bei der Swiss Re überzeugt. Die Ökonomen gehen im Leben- und Nichtlebengeschäft von einem Wachstum von jeweils 3 Prozent aus.

Dabei dürften die Schwellenländer um 7 Prozent zulegen, nachdem sie auch in diesem Jahr ein leichtes Wachstum verbuchen. In den entwickelten Märkten sei dagegen nach einem Rückgang von 4 Prozent im laufenden Jahr lediglich mit 2 Prozent Wachstum im nächsten Jahr zu rechnen.

«Vor dem Hintergrund des Corona-bedingten Wirtschaftseinbruchs stellt die Versicherungsindustrie ihre Resilienz unter Beweis», fasst Swiss Re-Chefökonom Jérôme Jean Haegeli die Resultate der Studie zusammen. Auch die Ertragseinbussen dürfte die Branche gut verkraften können.

Verkraftbare Schadenlast

Mit Blick auf das mögliche Ausmass der Schadenlast durch die Pandemie gehe allerdings ein aussergewöhnlich hohes Mass an Unsicherheit einher. Der Durchschnittswert der aktuellen Schätzungen aus diversen externen und öffentlichen Quellen zu Corona-Krise liege bei etwa 55 Milliarden US-Dollar.

Die Versicherer seien sehr gut kapitalisiert und könnten diese Verluste verkraften, ist Haegeli überzeugt. Das sei auch dann der Fall, wenn man die Schätzungen zu weiteren Schadenereignissen hinzunehme. Die Schadenerwartungen für die Haftpflicht- und Unfallversicherung der meisten Analysten würden die 100 Milliarden nicht übersteigen. Das könne die Branche verkraften.

Unter der Krise leiden dürfte aber die Profitabilität der Versicherer. Nebst den pandemiebedingten Verlusten kämen aufgrund der tiefen Zinsen geringere Investitionsrenditen hinzu. Und auch steigende Ausfallraten bei Firmen dürften zum Verlust von investiertem Vermögen führen. Insgesamt sei daher in der Branche in diesem Jahr mit einem deutlichen Gewinnrückgang zu rechnen.

Demgegenüber ist langfristig mit weiter steigenden Prämiensätzen zu rechnen. Die zu erwartenden hohen Verluste und ein rückläufiges Versicherungsangebot würden den Preisanstieg im Nichtlebensektor unterstützen, glauben die Swiss Re-Ökonomen. Und ein erhöhtes Risikobewusstsein der Menschen dürften die Nachfrage nach Versicherungsschutz über viele Sparten hinweg ankurbeln.

SDA

2 Kommentare
    Raphael Kolbin

    Lehren aus der Krise... haben vor allem die Banken noch nie gezogen. Auch wenn der Schwanz (UBS) jetzt mit dem Hund (Wirtschaft) wackelt bewegt sich doch nur das Prinzip hoffnungsvoller Optimismus.