Schweizer Börse setzt auf die Bitcoin-Technik

Die Schweizer Börse SIX entwickelt eine Plattform für Wertpapiere, die auf der Blockchain-Technologie basiert.

Bei der SIX geht man davon aus, dass sich Kryptowährungen und Blockchain-Finanzdienstleistungen auch im Alltag bei einer breiten Nutzerschicht durchsetzen werden.

Bei der SIX geht man davon aus, dass sich Kryptowährungen und Blockchain-Finanzdienstleistungen auch im Alltag bei einer breiten Nutzerschicht durchsetzen werden.

(Bild: Keystone Ennio Leanza)

Den Handel mit Kryptowährungen übernahmen bisher spezialisierte Internetfirmen. Nun steigt mit der Betreiberin der Schweizer Börse SIX auch ein etablierter Finanzdienstleister ins Geschäft mit digitalen Vermögenswerten ein. Die SIX verkündete gestern die Entwicklung einer Plattform für den Wertpapierhandel, basierend auf der Blockchain-Technologie. «Für die Finanzmarktinfrastruktur bricht ein neues Zeitalter an», sagt SIX-Chef Jos Dijsselhof. Die Börsenbetreiberin wolle als Brückenbauerin den Graben zwischen traditionellen Finanzdienstleistungen und digitalen Angeboten überwinden.

Bitcoin heisst die prominenteste digitale Währung, die auf der sogenannten Blockchain-Technologie basiert. Ethe­reum, Ripple oder Litecoin sind andere Kryptowährungen. Diese Onlinewährungen werden durch komplexe Computerberechnungen geschaffen. Überweisungen laufen direkt zwischen Marktteilnehmern ab ohne die Zwischenschaltung einer Bank. Die Transaktionen werden in der digitalen Währung ähnlich wie in einem Logbuch festgehalten. Wegen der dadurch entstehenden Kette an Informationen, heisst die Technologie «Blockchain».

Die Aufbewahrung digitaler Wertsachen und die Abwicklung von Transaktionen übernehmen spezialisierte Firmen. Bei der Stadt Zug beispielsweise kann man Dienstleistungen mit Bitcoins bezahlen. Dabei arbeitet Zug mit Bitcoin Suisse zusammen. Die auf Kryptovermögen spezialisierte Firma gibt es erst seit fünf Jahren. Bitcoin Suisse gehört zu den führenden Finanzdienstleistern in der Branche und betreibt in mehreren Städten eigene Bitcoin-Geldautomaten.

Die Welt von Bitcoin, Ripple & Co. ist vielerorts nach wie vor ein Tummelfeld von Technik-Freaks, Onlinepionieren und auch Hackern. In der traditionellen Finanzwelt geniessen Kryptowährungen trotz steigender Verbreitung wenig Vertrauen. Das hat damit zu tun, dass die Branche nicht reguliert ist. Immer wieder kommt es vor, dass Gelder in Onlinebörsen entwendet werden. So zum Beispiel Mitte Juni, als Hacker der südkoreanischen Kryptobörse Bithumb rund 35 Milliarden Won, umgerechnet etwa 31 Millionen Franken, an Kryptowährung gestohlen haben.

SIX hat das Know-how

Bei der SIX geht man davon aus, dass sich Kryptowährungen und Blockchain-Finanzdienstleistungen auch im Alltag bei einer breiten Nutzerschicht durchsetzen werden. Deshalb seien künftig stabile und geregelte Handelsplattformen sowie sichere, umfassende Aufbewahrungsmöglichkeiten für digitale Vermögenswerte erforderlich, sagt SIX-Börsenchef Thomas Zeeb. Als Börsenbetreiberin wisse man, was es brauche, um entsprechende Dienstleistungen zu entwickeln und anzubieten.

Die Schweizer Börse ist der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) und der Schweizerischen Nationalbank unterstellt. Für ihre neue Onlineplattform wolle man Standards anstreben, die mit den heutigen Regulierungen vergleichbar seien, heisst es bei der SIX.

Start im 2019

Die ersten Dienstleistungen will die Börsenbetreiberin Mitte nächsten Jahres anbieten. Welche konkreten Angebote geplant sind, sagten die SIX-Manager gestern nicht. Ob auch Kryptowährungen wie Bitcoin künftig über die SIX gekauft und verkauft werden können, ist laut Börsenchef Zeeb noch offen.

In der Branche wird erwartet, dass die SIX versuchen wird, im boomenden Geschäft mit sogenannten Initial Coin Offerings (ICO) mitzumischen. Bei einem ICO nimmt ein Unternehmen durch die Herausgabe von digitalen Währungen Kapital auf. Laut dem Beratungsunternehmen PWC haben ICO seit Anfang Jahr rund 13,7 Milliarden Dollar generiert; allein in der Schweiz wurden 456 Millionen Dollar aufgenommen.

Auch andere Börsenbetreiber arbeiten an Blockchain-Projekten. Sowohl die australische als auch die Deutsche Börse haben entsprechende Vorhaben vorgestellt.

eme

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