Mit Pfefferspray gegen Anti-WEF-Demonstranten

Exklusiv

Nach der gestrigen Anti-WEF-Kundgebung griff die Polizei gleich mehrmals zum Pfefferspray gegen Demonstranten. Ein Aktivist hat die Szene auf Video festgehalten. Die Polizei rechtfertigt die Massnahme.

Jan Knüsel

«Ja, das tat verdammt weh in den Augen», sagt Amadeus Thiemann heute Morgen gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Zusammen mit drei weiteren Occupy-Aktivisten wurde er nach der Anti-WEF-Kundgebung in Davos aus nächster Nähe von der Polizei mit Pfefferspray auf Distanz gehalten. Thiemann hat die Szene auf Video festgehalten und ins Internet gestellt. Die Szene weckt Erinnerungen an den Pfefferspray-Einsatz des US-Polizisten auf dem Campus der University of California.

Im Video von Davos drücken die Polizisten, die hinter einer mobilen Barriere stehen, gleich drei Mal auf den Knopf. Gemäss Thiemann habe die Polizei ingesamt vier Mal abgedrückt, vier Aktivisten seien vom Angriff betroffen gewesen. «Auch der Mann ganz am Anfang der Szene hat eine Ladung abgekriegt. Mit seinem Pappkartonschild hat er jedoch den Strahl abgewehrt», so Thielmann.

Die Gruppe hatte gestern Nachmittag an der bewilligten Anti-WEF-Demo auf dem Rathausplatz teilgenommen. Die Kundgebung mit rund 100 Teilnehmern verlief friedlich. Am Ende zogen Thiemann und weitere Aktivisten Richtung Promenade, wo sie von der Polizei am Weitergehen aufgehalten wurden.

«Der Pfefferspray-Einsatz hat gewirkt»

«Ja, die Polizeikräfte mussten zum Pfefferspray greifen», bestätigt Thomas Hobi, Sprecher der Kantonspolizei Graubünden gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Eine kleine Gruppe habe sich nach der bewilligten Demonstration Richtung Promenande verschoben. Man habe ihnen gesagt, dass die Bewilligung für die Kundgebung nur für den Rathausplatz gelten würde.

«Wir haben sie mehrmalig aufgefordert zurückzugehen», erklärt Hobi weiter. «Als sie dieser Aufforderung nicht nachkamen und anfingen Richtung Gitterwagen zu gehen, hat die Polizei zum Pfefferspray gegriffen.» Dies sei nach dem Dialog ein Mittel, zu dem die Einsatzkräfte greifen dürften. Jeder Polizist sei mit einem Pfefferspray ausgerüstet. «Der Pfefferspray-Einsatz hat dann auch gewirkt. Die Demonstranten sind zurückgegangen und alles ist friedlich geblieben.»

Der Ärger des Occupy-Aktivisten

Occupy-Aktivist Amadeus Thiemann hält den Pfefferspray-Einsatz für unangemessen. «Die zwei Polizisten, die mich angesprayt haben, standen mit dem heruntergeklappten Visier hinter einer Stahlwand. Ich hatte lediglich eine Kamera in der Hand. Es bestand einfach keine Notwendigkeit für einen solchen Einsatz. Wir sind dann zurückgewichen», erklärt Thiemann. Die Polizei hätte seiner Meinung nach bestimmt noch eine Reihe anderer Optionen zur Hand gehabt.

«6000 Polizisten sind hier im Einsatz, um einen demokratisch nicht legitimierten Anlass zu schützen. Und dann wird der kleinste Protest mit Gewalt niedergeschlagen», ärgert sich der Occupy-Aktivist. Gesundheitlich hat Thiemann keinen Schaden davongetragen. Zu Verhaftungen ist es bei diesem Zwischenfall nicht gekommen. Er und seine Kollegen seien ins Spital gebracht worden, um die Augen auszuwaschen. Es gäbe keine bleibenden Schäden. Rechtliche Schritte wolle er nicht ausschliessen.

Ein weiterer Tränengas-Einsatz

Gemäss Polizeisprecher Thomas Hobi kam es gestern zu einem weiteren Pfefferspray-Einsatz in der Talstrasse in Davos. Dort sei bei einem Auto die Heckscheibe eingeschlagen worden. «Die Täter konnten überführt werden.» Ansonsten sei es am gestrigen WEF-Tag zu keinen weiteren Sachbeschädigungen gekommen. Der Tag sei für die Polizei ruhig verlaufen.

DerBund.ch/Newsnet

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