WEF in Davos

Hilferuf des Königs

Hochkarätige Stimmen in Davos: Jordaniens König Abdullah II. fordert Hilfe bei der Bewältigung der Flüchtlingsströme aus Syrien. Ein saudischer Prinz beklagt eine «unheilige Allianz» zwischen Israel und Iran.

«Die neuen Taliban sind in Syrien»: Jordaniens König Abdullah II. am WEF.

«Die neuen Taliban sind in Syrien»: Jordaniens König Abdullah II. am WEF. Bild: Reuters

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Jordanien hat bereits 300'000 Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Allein in den vergangenen drei Nächten hätten über 20'000 Syrer die Grenze nach Jordanien überquert, sagte König Abdullah II. bin al-Hussein gestern in Davos. «Wir brauchen mehr internationale Hilfe, vor allem jetzt in diesem harten Winter.» Die Zeit, um zuzusehen und abzuwarten, sei vorbei. Abdullah II. forderte, dass die Vorräte für die Neuankömmlinge aufgestockt werden. Sie dürften spätestens dann gebraucht werden, wenn die Schlacht um die syrische Hauptstadt in vollem Gang ist; Damaskus liegt nur 70 Kilometer von der jordanischen Grenze entfernt.

IKRK-Präsident Peter Maurer berichtete, noch schwieriger als in Jordanien sei die Lage in Syrien selbst, da das Rote Kreuz die Notleidenden kaum erreiche. «Wir müssen wochenlang verhandeln, bis wir einen Konvoi nach Homs oder Aleppo schicken können.» Danach könnten die Hilfsorganisationen oft monatelang nicht mehr hinfahren. Zudem würden Spitäler und Ambulanzen beschossen. «Und die Ärzte werden daran gehindert, die Verwundeten zu behandeln», erklärte Maurer, der die dramatische Lage aus eigener Anschauung kennt.

Saudische Waffen für Rebellen

Eine Lösung der Krise sei nicht in Sicht, sagte Ghassan Salamé von der renommierten Science Po in Paris. Der Libanese hat den jahrelangen Bürgerkrieg in seiner Heimat erlebt und befürchtet, dass dem Nachbarland nun dasselbe droht, vor allem, weil auch in Syrien ein Stellvertreterkrieg geführt werde. Russland unterstütze weiterhin das Regime. Aussenminister Sergei Lawrow hat diese Woche den Rücktritt von Präsident Bashar al-Assad erneut abgelehnt. Die westliche Hilfe für die Opposition sei dagegen gering. Aber auch die Rebellen haben Freunde. Auf die Frage, ob die Türkei die Aufständischen mit Waffen unterstütze, meinte Aussenminister Ahmet Davutoglu, die türkische Hilfe sei nicht limitiert: «Die Syrer wissen, wie wir ihnen beistehen.» Etwas weniger diplomatisch bestätigte der saudische Prinz Turki bin Faisal al-Saud, was man bereits vermutet hat: «Ich gehe davon aus, dass wir Waffen liefern.» Der frühere Geheimdienstchef von Saudiarabien betonte jedoch, dass die meisten Waffen der Rebellen aus eroberten Arsenalen der Regierungstruppen stammten.

Israel und die Mullahs

Die Krieg halte auch deshalb an, sagte Prinz Turki bin Faisal, weil die Erzfeinde Israel und der Iran in der Syrienfrage eine «unheilige Allianz» eingegangen seien: «Beide wollen, dass Präsident Bashar al-Assad an der Macht bleibt.» Die Israelis hätten sehr gut gelebt mit den Assads, dem Vater wie dem Sohn, weil sie ihnen die Golanhöhen, die Israel 1967 von Syrien erobert hatte, nicht mehr streitig gemacht hätten. Für den Iran sei «Syrien der Hub in der arabischen Welt». Von hier aus hätten die Mullahs in Teheran ihren Einfluss geltend gemacht, vor allem im Libanon via Hizbollah, aber auch im Irak und in Saudiarabien.

Es gebe tatsächlich Länder in der Region, die verantwortlich seien, dass das Assad-Regime noch an der Macht ist, meinte Amr Moussa, der langjährige ehemalige Generalsekretär der Arabischen Liga, gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Angesprochen auf den Vorschlag des israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres vom Vortag, man solle arabische Blauhelme nach Syrien schicken, legte der Ägypter seine diplomatische Zurückhaltung ab: «Israel soll sich zuerst einmal um die Palästinenser kümmern und endlich die Hände von Syrien lassen.»

Hauptsorge der Israelis sind die radikalen Islamisten, die sich dem syrischen Aufstand angeschlossen haben. Je länger der Konflikt dauere, umso mehr dieser «hässlichen Elemente» kämen nach Syrien, sagte Prinz Turki bin Faisal. Und zwar aus der ganzen Region samt Nordafrika. «Und die haben Waffen und Geldgeber.» Sobald aber das Töten gestoppt werde, kämen auch keine Terroristen mehr, ist sich der Ex-Geheimdienstchef und Botschafter in den USA sicher. Der jordanische König ist weniger zuversichtlich. «Die al-Qaida hat sich in Syrien seit einem Jahr etabliert», sagte der Monarch. Und je länger der Konflikt anhalte, desto grösser sei die Gefahr für die gesamte Region. «Die neuen Taliban sind in Syrien.» Die terroristische Bedrohung sei nicht gebannt, wenn der Bürgerkrieg ende. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.01.2013, 14:04 Uhr

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