«Wir stellen die Extrempositionen von SP und FDP bloss»

Grünliberalen-Chef Jürg Grossen wehrt sich gegen die Anfeindungen von FDP und SP. Ob er zusammen mit den Grünen einen Bundesratssitz anpeilt, lässt er offen.

Jürg Grossen sieht seine Grünliberalen nicht als linke, sondern als «progressive Mittepartei». Foto: Anthony Anex (Keystone)

Jürg Grossen sieht seine Grünliberalen nicht als linke, sondern als «progressive Mittepartei». Foto: Anthony Anex (Keystone)

Herr Grossen, für FDP-Chefin Petra Gössi hat sich Ihre Partei zum linksgrünen Block geschlagen. Sind Sie mit dieser Platzierung einverstanden? Im Gegensatz zu Frau Gössi hat uns SP-Präsident Christian Levrat als «ultrarechts» bezeichnet. Das zeigt, dass wir genau am richtigen Ort stehen. Wir sind eine progressive Mittepartei, wir sind eigenständig und kompromissfähig. Wir wollen eine wirksame Klima- und Umweltpolitik, aber nicht in Opposition zur Wirtschaft, sondern gemeinsam mit ihr. 

Aber es ist doch eine Tatsache, dass Sie und die Grünen gemeinsam eine Attacke auf einen der FDP-Bundesratssitze erwägen? Wir konzentrieren uns jetzt auf die eidgenössischen Wahlen vom 20. Oktober. Von irgendwelchen «Geheimplänen» zur Bundesratswahl, wie am Wochenende zu lesen war, weiss ich überhaupt nichts. Ich sage nur, dass man je nach Ergebnis der Parlamentswahl über die sogenannte Zauberformel für den Bundesrat diskutieren muss. Wenn die FDP auf 15 Prozent Wähleranteil herunterfällt und gleichzeitig 30 Prozent der Bundesratssitze hält, ist sie überrepräsentiert. Gleichzeitig könnte rund ein Fünftel der Wählerschaft in der Regierung gar nicht vertreten sein. 

Mit den Grünen teilen wir die umweltpolitischen Ziele, aber wir bevorzugen andere Wege dorthin.Jürg Grossen

Das Fünftel, das grün oder grünliberal wählte. Die FDP müsste also einen Bundesratssitz an die Grünen oder Sie abtreten. Jetzt warten wir doch mal den 20. Oktober ab. Wir stellen keine Ansprüche, sondern möchten mit den anderen Parteien nach den Wahlen die Situation diskutieren.

Petra Gössi wünscht sich eine Umweltpolitik, die auf Innovation und Technologie statt Verboten beruht. Wunderbar! Genau das wollen auch die Grünliberalen. Mit den Grünen teilen wir die umweltpolitischen Ziele, aber wir bevorzugen andere Wege dorthin. 

Wie beurteilen Sie denn die umweltpolitische Performance der FDP? Ich finde es erfreulich, dass die FDP dieses Thema inzwischen hoch gewichtet. Von einer konsolidiert-griffigen Umweltpolitik ist die Partei allerdings noch weit entfernt. Dieses Jahr hat sie diverse Vorstösse für mehr Ökologie abgelehnt. Ich anerkenne, dass die FDP-Ständeräte in diesem Herbst zu einem griffigen CO-Gesetz beigetragen haben. Jetzt müssen ihre Nationalräte die Entscheide aber bestätigen und mittragen. In der Vergangenheit haben sie stets versucht, das Gesetz zu verwässern.

Sie sehen sich als Kompromisspartei, werden aber sowohl von den Freisinnigen als auch den Sozialdemokraten heftig attackiert. Warum eigentlich?  Man fürchtet uns als Konkurrenz, zu Recht. Die SP will mit der Giesskanne Staatsgeld verteilen, die FDP hat noch einen starken rechtskonservativen Flügel, der jeden Klimaschutz torpediert. Diese Extrempositionen stellen wir bloss. 

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt