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Und plötzlich gilt der Krisenmodus

Die Ermöglichung der Kurzarbeit nützt gegen die währungs­bedingten Probleme nur bedingt: Die Firmen haben vorerst nicht zu wenig Aufträge, sondern zu hohe ­Kosten.

Mit einem kleinen bürokratischen Akt – nicht mal ein ­Regierungsbeschluss war nötig – hat Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann gestern quasi offiziell die Krise ausgerufen. Die ihm unterstellten Arbeits­losenkassen sind ab sofort gehalten, Kurzarbeit zu ­ermöglichen: Firmen, die unter dem starken Franken leiden, dürfen die Arbeitszeit ihrer Angestellten reduzieren, und der Staat kommt für einen Teil des Lohnausfalls auf. Damit aktiviert das Bundeshaus zum ­ersten Mal seit dem «Frankenschock» eines seiner ­Kriseninstrumente; die Lage ist jetzt sozusagen amtlich bestätigt ernst.

Sorgen machen muss, wie abrupt die Einschätzung gedreht hat. Auf die Frage nach Kurzarbeits­entschädigungen antwortete Schneider-Ammann vor einer ­Woche unmissverständlich, das sei kein Thema. Man solle das Land jetzt nicht mit Begriffen wie Teilzeitarbeit «aufschrecken». Jetzt schreckt Schneider-Ammann doch auf – und kommt dabei ebenso als Überraschter wie als Überrascher rüber. Augenscheinlich haben sich in den letzten Tagen deutlich mehr Industrielle als von ihm erwartet über das Thema Kurzarbeit informieren lassen. Sie will der FDP-Bundesrat nun mit Medizin fürs Gemüt ruhigstellen. An sich nützt sein gestriger Entscheid gegen die währungs­bedingten Probleme nur bedingt: Die Firmen haben vorerst nicht zu wenig Aufträge, sondern zu hohe ­Kosten. Doch Schneider-Ammann baut offenkundig darauf, dass das blosse Wissen um die Option Kurz­arbeit ­panikartigen Arbeitsplatzabbau verhindert. Der Erfolg bleibt abzuwarten – das plötzliche Umschwenken des FDP-Bundesrats erinnert jedenfalls unangenehm an eine andere Volte dieser Tage: Im Interview forderte er zuerst Diskussionen über Lohnsenkungen, um dann, nach aufgebrachten Reaktionen der Öffentlichkeit, sogleich hastig alles wieder zu dementieren.

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