Zuger Regierungsrat rein bürgerlich – Villiger trotz Affäre wiedergewählt

CVP-Mann Beat Villiger gab am Wahltag zu, dass er eine uneheliche Tochter hat – und wurde wiedergewählt.

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Die Affäre um den Zuger CVP-Regierungsrat Beat Villiger hat am Sonntag eine überraschende Wendung. Im Interview mit dem «SonntagsBlick» legte der Politiker am Wahltag in seinem Kanton die Karten auf den Tisch: «Ich habe eine uneheliche Tochter», gestand der zur Wiederwahl antretende Villiger.

Am späteren Nachmittag dann die Gewissheit: Der Zuger CVP-Regierungsrat ist trotz der Enthüllung wiedergewählt worden. Er holte 18'440 Stimmen und landete damit auf dem dritten Platz. Ein zweiter Wahlgang ist nicht nötig. Beliebter als Villiger waren nur CVP-Gesundheitsdirektor Martin Pfister (21'679 Stimmen) und SVP-Finanzdirektor Heinz Tännler (19'042 Stimmen).

Ein rein bürgerlicher Regierungsrat

Gewählt wurden am Sonntag auch SVP-Bildungsdirektor Stephan Schleiss, die einzige Frau Silvia Thalmann-Gut, FDP-Kandidat Andreas Hostettler sowie der zweite FDP-Kandidat Florian Weber. Auch Barbara Gysel (SP) und Andreas Hürlimann (ALG) erreichten das absolute Mehr von 11'407 Stimmen, schieden aber aber als überzählig aus. Einzig Daniel Stadlin (GLP) hat das absolute Mehr nicht erreicht. (Detaillierte Ergebnisse weiter unten.)

Dieses Ergebnis bedeutet, dass die kommenden vier Jahre kein linker Vertreter mehr in der Zuger Regierung sitzt. Die ALG konnte ihren bisherigen Sitz wegen dem schlechten Abschneiden von Andreas Hürlimann nicht halten. Eine Frau wird es mit Silvia Thalmann-Gut von der CVP aber auch künftig geben.

«Meine Frau wusste es schon länger»

Schon Anfang Oktober enthüllte der Zuger Sicherheitsdirektor Villiger, dass gegen ihn ein Strafverfahren lief – wegen «Überlassens eines Motorfahrzeugs» an eine Frau ohne Führerschein und wegen eines zweiten Deliktes im Zusammenhang mit dem Verkauf des Fahrzeuges an diese Frau. Die Ermittlungen wurden zwar Ende Februar eingestellt, weil Villiger aber einen Artikel der Plattform «Republik» verhindern wollte, geriet er erst recht in die Schlagzeilen, denn das Online-Nachrichtenmedium veröffentlichte seine Recherche trotzdem.

Gegenüber dem «SonntagsBlick» gab er nun zu, dass die in das Strafverfahren involvierte Frau über längere Zeit seine Geliebte war. «Mit der Frau bin ich aber schon länger nicht mehr liiert», sagte Villiger im Interview. 2012 wurde eine gemeinsame Tochter geboren. «Meine Frau wusste es schon länger. Meine ehelichen Kinder erst später. Diese Woche informierte ich meine Familie im Detail über den Autovorfall», so der Regierungsrat.

Rücktritt momentan kein Thema

Er stehe zu seiner unehelichen Tochter und es gebe auch eine vertragliche Vereinbarung, die seine finanziellen Verpflichtungen regle. Er habe regelmässig Kontakt mit der Tochter und sie wisse auch, dass er der Vater ist. Am Ende des Interviews streute er Asche über sein Haupt: «Ich möchte mich dafür entschuldigen, dass ich eine Affäre hatte. Das muss ich nun mit meiner Familie austragen, und da sind wir auch dran. Meine Familie ist wunderbar, sie verdient das nicht. Es tut mir leid.»

Villiger hoffte, dass auch seine Wähler ihm verzeihen würden. Auf die Frage, ob seine christliche Partei die Affäre verzeihen werde, antwortete er: «Ich weiss es nicht.» Seine Partei applaudiere zu Recht nicht. Er fühle sich als Politiker aber weiterhin glaubwürdig. Das heutige Wahlresultat werde er genau analysieren. Momentan sei ein Rücktritt aber kein Thema.


Wahlresultate Zuger Regierungsrat
Absolutes Mehr: 11'407 Stimmen. Die Wahlbeteiligung betrug 43,7 Prozent.

Name Anzahl Stimmen
Martin Pfister (CVP, bisher) 21'679
Heinz Tännler (SVP, bisher) 19'042
Beat Villiger (CVP, bisher) 18'440
Stephan Schleiss (SVP, bisher) 18'236
Silvia Thalmann-Gut (CVP, neu) 16'405
Andreas Hostettler (FDP, neu) 15'148
Florian Weber (FDP, neu) 15'087

Gewählt, aber als überzählig ausgeschieden
Barbara Gysel (SP, neu) 13'171
Andreas Hürlimann (ALG, neu) 12'856

Absolutes Mehr nicht erreicht:
Daniel Stadlin (GLP, neu) 9622

mch/anf/sda

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