Zu lange ausgeblendet

Mit einer besseren Begleitung der Angehörigen könnten die Heimeinweisungen verzögert und die Kosten gesenkt werden.

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Wir alle müssen uns mit dem Älterwerden befassen. Es betrifft uns selbst, zuerst aber unsere Eltern. Das blenden wir gern aus. Das gilt auch für die Politik: ­Obwohl längst bekannt ist, dass die Zahl der Rentner von heute 1,5 Millionen bis zum Jahr 2045 auf 2,7 Millionen steigen wird, ist die Schweiz auf diese demografische Herausforderung schlecht vorbereitet. Das bestätigt eine neue Studie der Paul-Schiller-Stiftung.

Wir beruhigen uns heute damit, dass es Altersheime, die Spitex oder das Rote Kreuz gibt, die – wenn es so weit ist – schon zur Stelle sein werden. So vergeht die Zeit. Doch die Zeiten haben sich geändert. Als die Eltern unserer Eltern alt und bedürftig wurden, war die Betreuung eine Familienangelegenheit: Man wohnte meist im gleichen Ort oder in der Nähe der Eltern, die Familien waren kinderreich und die Frauen meist Hausfrauen. Heute haben wir viel mehr persönliche Freiheiten und berufliche Möglichkeiten, aber spätestens wenn unsere betagten Eltern unsere Hilfe brauchen, müssen wir uns einschränken.

Bereits 2014 stellte der Bundesrat zur Situation von betreuenden Angehörigen fest, dass diese oft überfordert und erschöpft seien.

Denn viele Pensionierte wollen vor dem Eintritt ins Heim möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben können. Es ist ihr Recht auf ein würdiges Altern, es setzt aber eine gute ambulante Betreuung voraus. Doch selbst die rund 330'000 Kinder und Partner, die heute ihre hilfsbedürftigen Angehörigen zu Hause betreuen, kommen trotz Spitex-Unterstützung ans Limit. Bereits 2014 stellte der Bundesrat zur Situation von betreuenden Angehörigen fest, dass diese vielfach überfordert und erschöpft seien. Bei Erwerbstätigen komme dazu, dass sie ihre berufliche Laufbahn und materielle Existenz gefährden würden.

Es ist absehbar, dass mit der Zunahme von neuen Familienmodellen, kinderlosen Erwachsenen und erwerbstätigen Frauen sich die Lage weiter verschärfen wird. Trotzdem scheinen sich viele bürgerliche Politiker immer noch nicht bewusst zu sein, dass mit einer besseren Begleitung und Anerkennung der Angehörigen die Heimeinweisungen beträchtlich verzögert und die Kosten entsprechend gesenkt werden könnten. Gerade die Kostenfrage sollte für die Politik Motivation genug sein, endlich zu handeln. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.03.2018, 21:57 Uhr

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